Hohenerxleben l Als der Staßfurter Stadtpflegebetrieb kürzlich in Hohenerxleben unterwegs war, mähten die Mitarbeiter die Wiese ab - wie immer im Auftrag der Stadt, die die Einsatzorte vorgibt.

„Ich bin so sauer“, war die erste Reaktion von Judith Doberstein, als sie in dieser Woche vor der Wiese stand, auf der sich vor kurzem noch Insekten tollten. Sie hatte sich dafür eingesetzt, dass genau dieses Fleckchen an der Kreisstraße Lebensraum für Kleinstlebewesen wird. Im Sommer sollte die Wiese wild wachsen können, auf das Rasenmähen sollte verzichtet werden.

Im Naturschutz engagiert

Judith Doberstein hatte nicht nur mit Angela Kircher und Freiwilligen 2017 eine Blumenwiese im Ort gepflanzt, sondern will sich generell für Umweltschutz engagieren. Durch ihre Naturfotografie, die auf Facebook beliebt ist, waren ihr auch seltene Schmetterlingsarten in Hohenerxleben vor die Linse gekommen, zum Beispiel die Bläulinge, die teilweise als gefährdet gelten.

Bilder

Bereits im vergangenen Jahr hatte Judith Doberstein die Stadtverwaltung gefragt, ob man das Gras auf der Wiese nicht stehen lassen kann, damit sich alle Arten von Pflanzen und Blumen ausbreiten und Kleinstlebewesen dort ungestörten Lebensraum finden. Immerhin werden auch Warnungen vor Bienensterben aktuell immer lauter.

Nach einer mündlichen Zusage der Stadt, kam dann auch das Okay von Oberbürgermeister Sven Wagner. Erst beim Frühjahrsputz in Hohenerxleben versprach er Judith Doberstein, die Wiese maximal nur noch einmal im Jahr im Oktober mähen zu lassen. Auch der Hundefreilaufplatz, der dort war, wurde verlegt.

Freiräume für Artenvielfalt

Von der Idee, Freiräume für die Natur zu belassen, war der Oberbürgermeister grundsätzlich nicht abgeneigt. Die Wiese in Hohenerxleben könne sogar eine Art Modellprojekt für solche Naturflächen sein.

Hintergrund ist auch, dass es immer mehr Menschen gibt, die sich für Natur und Umwelt einsetzen wollen. Hohenerxlebener um Judith Doberstein und Angela Kircher planen, eine lose Naturschutzgruppe zu gründen, die sich ehrenamtlich um solche Themen in der Region kümmert.

Leider ein Versehen

Kurzum: Sven Wagner hat seine Mitarbeiter in der Stadtverwaltung zwar angewiesen, die Wiese nicht mehr zu mähen. Aber auf dem Weg von der Stadtverwaltung über die Leitung des Stadtpflegebetriebs und dessen Teamleiter bis zum Mitarbeiter am Rasenmäher ist die Information verlorengegangen. „Wir haben extra besprochen, dass alle Hundefreilaufflächen in den Ortschaften gemäht werden - mit Ausnahme dieser“, erklärt der Chef vom Stadtpflegebetrieb, Ingo Brüggemann. „Der Fehler lag bei mir - ich habe die Info nicht an mein Team weitergegeben“, sagt er und rief Judith Doberstein an, um sich persönlich zu entschuldigen. Nach diesem Fehler will man es in Zukunft richtig machen und die Wiese soll dann wirklich Naturwiese werden.