Hecklingen l Welcher Graben wird wie und wann gepflegt? Wo gibt es Probleme mit dem Abfluss und wer ist für was verantwortlich? Welche Maßnahmen werden für die Zukunft empfohlen und ins Auge gefasst? Ähnliche Fragen stehen an, wenn einmal im Jahr Gewässerschauen der Unterhaltungsverbände stattfinden. Sie sind öffentlich und laufen im Frühjahr.

„Viele Landwirte waren in diesem Jahr wieder dabei, Vertreter der Stadt und Bürger. Wir waren im gesamten Verbandsgebiet unterwegs“ berichtet die Geschäftsführerin des für die Stadt Hecklingen mit zuständigen Unterhaltungsverbandes „Untere Bode“ Martina Ritterhaus.

Auch Stadtwehrleiter Heinz Broda geht regelmäßig mit, wenn Schauen in Hecklingen stattfinden. Großes Thema der Schau war in diesem Frühjahr seiner Auskunft nach wieder der „Beek“. Für ihn ist der Vorfluter, der nach dem großen Hochwasser 1937 gebaut wurde und quer durch den Ort verläuft, ein wichtiger breiter Graben, der Hecklingen vor Überschwemmungen schützt. Er schätzt den Zustand des betonierten Abflusses aber nach wie vor als „desolat“ ein. Zum einen müssten Stützmauern repariert und erneuert werden, zum anderen müsste eine Grundberäumung erfolgen – das heißt, der gesamte Schlamm müsste raus. Denn Jahr für Jahr wuchert der Graben mit Schilf zu. „Der ‚Beek‘ ist immer noch total verschlammt, müsste beräumt werden, sodass Wasser auch bei Starkregen abfließen kann.“ Wenn jetzt in kurzer Zeit viel Regen runter kommen würde, sieht Broda die Gefahr, dass Wasser so schnell nicht abfließen kann. „Der Schlamm muss raus“, sagt er. Nicht umsonst sei der Graben 1937 gebaut worden, um Hecklingen zu „entwässern.“ Und auch die Stützmauern müssten erneuert werden. Das gehöre irgendwie alles zusammen.

Wer ist verantwortlich?

Bleibt zu fragen, wer für was verantwortlich ist. Mit dem Sachverhalt konfrontiert erklärt Hecklingens Bürgermeister Uwe Epperlein (WGH): „Sowohl wir als Stadt, als auch der Verband müssen uns kümmern.“ Die Stadt müsste Maßnahmen ergreifen, dass die Anlage baulich funktioniert – seit Jahren bemüht sich die Kommune um eine Förderung zum Ausbau des sanierungsbedürftigen Bauwerkes – andererseits sei auch der Verband zuständig, wenn es um die Unterhaltung, also die Sauberkeit der Anlage gehe.

Auch für Epperlein steht fest, dass der „Beek“ grundhaft beräumt werden müsste. Zu diesem Ergebnis hätten bereits Schauen der vergangenen Jahre geführt. Denn ohne den Schlamm, würde auch das Schilf nicht mehr wuchern und der Abfluss wäre im Sommer wieder frei, meint der Rathauschef.

Probleme gebe es hier, weil der Verband sage, dass er nur für einen kleinen Teil der Grundräumung – die Fließrinne – zuständig sei. „Das halte ich für falsch.“ Denn bei einem starken Niederschlag fließe das Wasser nicht zentral, sondern mal mittig oder mal links oder mal rechts, also irgendwie.

„Es gibt hier kein definiertes Fließgerinne“, so der Bürgermeister.

Für Epperlein steht als Fazit fest: Das Bauwerk ist wichtiger Bestandteil der Entwässerung des Ortes. Das Schilf wird gemäht. „Das könnte man sich aber sparen, wenn es zu einer Grundberäumung kommt.“

Dafür ist der Verband aber nicht allein in der Verantwortung, erklärt die Geschäftsführerin. „Wir sind dem Gesetz nach allein für die Freihaltung der Abflussrinne zur Abführung von Oberflächenwasser zuständig. Die Stadt möchte aber die Beräumung der gesamten Anlage. Dafür sind wir aber nicht zuständig“, so Ritterhaus. Das falle dann unter den Hochwasserschutz, erklärte sie. Und das sei Angelegenheit der Stadt. So wie der Verband den „Beek“ vor 25 Jahren übernommen habe, müsste er ihn auch unterhalten. So werde das Schilf einmal im Jahr gemäht.

Ritterhaus kennt die Problematik nur all zu gut. Auch daher habe sich der Verband in den Vorjahren um Fördergelder im Rahmen der Wasserrahmenrichtlinie bemüht, das führte aber nicht zum erhofften Erfolg.

Braucht es einen grünen Beek?

Jedoch habe sich der Verband zusammen mit der Stadt während der vergangenen Gewässerschau verständigt, dass ein Angebot eingeholt werden soll, was es kostet, defekte Ufermauern gemeinsam zu reparieren. Denn die Wände zur Sicherung der Grabenböschung und zur Sicherung der Grundstücke seien an einigen Stellen defekt.

Bürger sollen, so sagte sie, während der vergangenen Gewässerschau die Frage gestellt haben, ob der Ort in der Ortslage überhaupt einen grünen „Beek“ mit Schilf braucht. Ritterhaus sagte weiter: „Wir führen Pflichtaufgaben, also Unterhaltungsmaßnahmen zur Pflege und Entwicklung, entsprechend dem Wassergesetz des Landes Sachsen-Anhalt durch.“

Das bedeutet unter anderem, dass der Verband, wenn nötig, die besagten Grundräumungen durchführt. Während der vergangenen Schau wurde das etwa für den „Dorfgraben 1“ in der Nähe des Bauernteiches in Groß Börnecke empfohlen.

Darüber hinaus führt der Verband regelmäßige Pflegearbeiten an den Gräben durch, etwa die Mäharbeiten und Entkrautungen.

Bleibt zu fragen, wer das bezahlt? Die Gemeinden, also auch die Stadt Hecklingen sind Mitglied in den für sie zuständigen Verbänden und versenden einen Vertreter in die Verbandsversammlung. Die Verbände erstellen auf Basis seiner laufenden oder außergewöhnlichen Maßnahmen Beitragsbescheide und die werden auf die Eigentümer der Flächen, meist sind das Landwirte, umgelegt.

Die Stadt Hecklingen ist außerdem Mitglied im Verband „Selke/ Obere Bode“. Im vergangenen Jahr lag der Jahresbeitrag für die Stadt hier bei 7445,80 Euro. Ein entsprechender Bescheid war kürzlich Thema im Stadtrat.

Die Volksvertreter stimmten dafür, dass die Stadt ihrer Zahlungsaufforderung nachkommt und keinen Widerspruch einlegt. In Hecklingen ist der Bürgermeister verpflichtet, sich grünes Licht vom Stadtrat einzuholen, wenn solche Bescheide im Rathaus eintreffen.