Staßfurt l Die Hoffnung stirbt zuletzt. Der Sperlingsberg als Standort für den Freitag-Wochenmarkt ist aber offensichtlich längst abgewählt, zumindest bei einem Großteil von Kunden und Händlern.

Viele Marktbesucher hatten schon nach kurzer Zeit vor einem halben Jahr deutlich signalisiert, was sie am neuen Standort stört. Den hatten Stadt Staßfurt und Deutsche Marktgilde in guter Absicht favorisiert – unter anderem, um die Steinstraße zu beleben. Und auch, weil der Benneck‘sche Hof in absehbarer Zeit möglicherweise öfters durch andere Veranstaltungen blockiert sein könnte, wenn der Neumarkt wiederum vom neuen Modemarkt geprägt sein wird.

Ärger um Parkplätze

Beim Dienstag-Wochenmarkt gestern auf dem Benneck‘schen Hof erklärt Ute Knabe nochmals, warum der Verkaufswagen des Fisch- und Feinkost-Unternehmens freitags einen Bogen um Staßfurt macht: „Es ist die Platz-Situation – wir stehen schlecht, können schlecht mit dem Wagen rangieren. Es ist die Parkplatz-Situation – die Kunden haben zu wenige Parkplätze in unmittelbarer Nähe. Es ist außerdem die Umsatz-Situation.“

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Ute Knabe spricht von Umsatzeinbrüchen zuletzt von 50 Prozent auf dem Sperlingsberg. Am Anfang seien es 20 Prozent weniger im Vergleich zum Benneck‘schen Hof gewesen. Da habe man sich noch darauf eingelassen und die Entwicklung abwarten wollen.

So viel Geduld hatte Hilmar Holzhauer nicht. „Ich war ein Mal auf dem Sperlingsberg, danach nie wieder“, so der Marktbesucher. Und Britta Kottler pflicht ihm bei: „Dort sind zu wenig Parkplätze, und die älteren Leute finden kein WC in der Nähe.“ Schließlich hat auch sie die fehlenden Händler bemerkt. „Es gefällt uns nicht da oben.“

Handel ohne Imbiss

Hinzu kommt, dass viele Marktbesucher einen Imbiss vermissen. Denn auch Burkhard Nimmich, der zuletzt Grillwurst und Kaffee mit Sitzgelegenheiten angeboten hatte, sucht man schon einige Wochen vergebens.

Nach anfänglicher Euphorie über den „gemütlichen“ Sperlingsberg kommt mittlerweile auch die Deutsche Marktgilde als Betreiberin des Staßfurter Wochenmarkts zur Einsicht. Denn nicht nur die Fischhändler aus Schönebeck haben die Nase voll. Jetzt sucht auch deren Landsmann, der Geflügelhändler am Freitag lukrativere Marktplätze. Die Bäckerei Winkel aus Neundorf ist ebenfalls unzufrieden.

„Wir hatten es uns mit unseren Erfahrungen von anderen Städten auch etwas anders gedacht mit dem ,schnuckligen‘ Sperlingsberg, mit den für meine Begriffe nicht weit entfernten Parkplätzen und der Nähe zum Zentrum“, sagt Marktgilde-Niederlassungsleiterin Katrin Schiel. „Aber die Kunden schreiben eben eigene Regeln. Und danach müssen wir uns richten.“

Standort überdenken

Man befinde sich in Gesprächen mit den Händlern und der Stadt. Aber Schiel ist offensichtlich so weit: „Wir müssen den Standort Sperlingsberg einfach überdenken. Das letzte was wir wollen, wäre, dass der Freitag komplett wegbricht.“ Es sei eigentlich an der Zeit, dass man reagiere. Katrin Schiel hat die Stadt um eine zeitnahe Entscheidung gebeten. Ihrer Meinung nach sollte der Sperlingsberg künftig als Ausweich für den Benneck‘schen Hof dienen, nicht umgekehrt.

Die Stadt hadert derweil noch immer damit, dass ihr Vorhaben nicht aufgeht, mit dem Standort-Wechsel eines Wochenmarkt-Tages die Steinstraße zu beleben. Ihr Citymanager Stefan Beyer reagierte gestern auf Nachfrage nur kurz: „Die Wirtschaftsförderung hat sich sowohl mit Markthändlern als auch der Marktgilde zur aktuellen Situation verständigt. In den nächsten Tagen wird es eine interne Abstimmung geben.“

Händler und Kunden haben das zum Großteil längst hinter sich. Vielleicht hilft der Entscheidungsfindung noch dieses kleine hoffnungsvolle Angebot von Fischhändlerin Ute Knabe: „Wenn der Markt am Freitag wieder auf dem Benneck‘schen Hof stattfindet, sind wir wieder dabei.“