Wie Pfarrer Arne Tesdorff den Heiligabend in vier Kirchgemeinden feiert

Zwischen Predigt und Schattenspiel

Von Falk Rockmann

Für sehr viele Menschen ist der Kirchgang am Heiligen Abend traditionelles Ritual. Für Pfarrer Arne Tesdorff natürlich auch, aber neben der Übermittlung der Weihnachtsbotschaft in erster Linie auch eine logistische Herausforderung, wenn er in vier Gemeinden unterwegs ist.

Rathmannsdorf/Amesdorf/Güsten/Ilberstedt l Die Predigten für die vier Christvespern sind in der Adventszeit geschrieben - keine darf der anderen gleichen. Auch an Wiederholungen aus dem vergangenen Jahr ist nicht zu denken. "Die Leute würden es merken", ist sich Arne Tesdorff sicher. Seine Geschichte in der St.-Pauli-Kirche Rathmannsdorf findet ebenso Anklang wie das Krippenspiel, das Kantorin Birgit Wassermann mit Kindern aus dem Ort und Leopoldshall gekonnt mit der Gegenwart verbunden hat. Kern-Aussage: Nicht Geschenke machen das Fest aus, sondern die Entdeckung der Liebe zum Gotteskind und dem christlichen Glauben.

"Das war\'s", beendet Tesdorff die Christvesper nach etwa 40 Minuten. Nur noch wenig Zeit bleibt, einigen Besuchern am Ausgang persönlich ein frohes Fest zu wünschen.

Bevor er mit seiner Frau Gabi in den weinroten SUV steigt, schnell noch eine Zigarette und die Anrufe auf dem Handy geprüft - ab geht\'s ins etwa acht Kilometer entfernte Amesdorf. Auf dem Weg "sackt" der Pfarrer in Güsten noch Irene Golla ein. Sie spielt die Orgel - ehrenamtlich. Am Portal übergibt Tesdorff die eben noch kopierten Liedzettel für die Amesdorfer Besucher. Kurze Absprache zum hiesigen "Krippenspiel". Pünktlich 15.30 Uhr erklingt das Ave Maria auf der Königin der Instrumente. Ein Krippenspiel mit Kindern wird es nicht geben. Dafür ein Schattenspiel, das Marlis Szymanski, Astrid Kieschke, Brigitte und Siegfried Albrecht aufführen. Pfarrer Tesdorff verleiht seiner Begeisterung Ausdruck für diese Amesdorfer Lösung, die dem Mangel an Kindern geschuldet ist. Ohne das Engagement der Gemeindemitglieder hätte es den zweiten Heiligabend kein Krippenspiel gegeben. Arne Tesdorff gibt die Hoffnung auf ein "echtes" nicht auf: "Sollten sich Erwachsene finden, gern können sie sich für das nächste Jahr bei mir melden." Vielleicht finden sich aber auch wieder genügend Kinder...

Nach ebenfalls etwa einer Dreiviertelstunde verlassen die Amesdorfer und ihre Gäste frohen Mutes die Kirche. "Super, großartig!", findet Anett Mende, eine ehemalige Amesdorferin sowohl Spiel als auch Pfarrer.

Der ist wiederum froh, dass jemand anderes die Heimfahrt für die Organistin übernimmt. In Güsten warten derweil die Besucher der nächsten Christvesper, die 17 Uhr beginnt. Krippenspiel und Predigt in der St.-Vitus-Kirche hätten durchaus etwas mehr Aufmerksamkeit verdient, findet Frau Tesdorff.

Unterdessen ist der weitere Weg nach Ilberstedt vorgeschrieben. Die Lichter sind angezündet in der festlich geschmückten St.-Severin-Kirche. Gabi Tesdorff gibt ihrem Mann schnell noch ein Mint für die Stimme. 18.10 Uhr rufen die Glocken zum Festgottesdienst, wenige Minuten später betätigt Martin Bruchmüller, ein Landwirt aus Osmarsleben und Autodidakt, die ersten Tasten der Orgel. Arne Tesdorff nimmt es mit Humor, wenn sich während der Liedfolgen eine Strophe zu wenig mit einer zu viel ausgleichen. Der Humor überträgt sich auf die Versammelten. Sie folgen der Aufforderung des Pfarrers, Martin Applaus zu spenden.

Es ist 19 Uhr. Nach der vierten Christvesper innerhalb fünf Stunden legt Arne Tesdorff (fast 49) den Talar ab, kann er an den Heiligabend unterm heimischen Weihnachtsbaum denken.