Volksstimme: Der Titel Ihres neuen Albums ist „Un amore italiano“ – sind Sie mir böse, wenn ich sage: Das klingt ganz schön kitschig!?

Björn Casapietra: Was Besseres können Sie mir gar nicht sagen. Dieses Album ist voller Liebeslieder, und es ist mein erstes Album, mit dem ich mal nicht nur traurig-melancholisch sein wollte, es hat mehr Lebensfreude, mehr Tempo. Und was für Sie Kitsch ist, ist für manche Menschen das Abschalten von der Realität, vom Alltag. Ich zum Beispiel brauche dieses Abschalten auch unbedingt, bei mir ist es der Film „Herr der Ringe“, den muss ich mir einmal im Jahr angucken, weil er mich aus dem Hier und Jetzt zieht. Außerdem glaube ich, dass ein bisschen Kitsch wichtig ist, um das Leben etwas schöner zu machen. Das will ich auch mit dem neuen Album: Dass die Musik nicht nur ins Ohr geht, sondern ins Herz, in die Seele.

Romantik ist Leben

Dann sind Romantik und Kitsch nicht immer voneinander zu trennen, sondern liegen ganz nah beieinander?

Da müssen wir jetzt aber doch erst mal klären: Was ist denn Kitsch? Ist es Kitsch, wenn die Oma alte Tassen mit Goldrand im Schrank hat, oder ist es Kitsch, wenn das Sofa geblümt ist? Kitsch klingt ja immer so negativ belegt. Romantik aber ist etwas, ohne das ich nicht leben kann – Gefühle, die zwischen den Zeilen stehen, wenn Menschen glücklich miteinander sind und sie das zeigen. Romantik ist Leben: einen Traum zu leben, die Liebe zu leben!

Und diese romantische Ader findet sich auch in Ihrem neuen Album wieder?

Auf jeden Fall. Schon der erste Song aus „Das Leben ist schön“ (fängt am Telefon an zu singen)... Aber das Album soll nicht nur das Romantische widerspiegeln, es sind auch bekannte Hits dabei. In den 80er Jahren war Italien durch die Musik so präsent in Deutschland (singt „Ti amo“ von Howard Carpendale an und „Azzuro“), erinnern Sie sich? Das Album soll eine Hommage an diese Zeit sein.

Ich liebe gutes Essen

In Ihnen steckt also, mal abgesehen von Ihren italienischen Wurzeln, eine ganze Menge Italien?

Ich hoffe doch! Ich liebe gutes Essen, gute Kleidung, bin lebensfreudig, fahre gern Auto und rede schnell. Und ich singe gern. Das Kuriose ist: In Deutschland werde ich zum Italiener, in meiner ganzen Art, aber sobald ich in Italien bin, werde ich ganz schnell deutsch: Dann achte ich auf Ordnung und fahre ganz anders Auto als hier, lasse anderen die Vorfahrt, worüber sich die Italiener dann wundern.

Wir haben jetzt über Ihr neues Album gesprochen, wie viel davon wird es in Stendal zu hören geben?

Die Tour fürs neue Album hebe ich mir für nächstes Jahr auf. Im Konzert sind, so sagt es der Titel, „Classic Love Songs“ der Schwerpunkt. Da gibt es die großen Hits für Tenor, Liebeslieder auf Deutsch, Italienisch, Hebräisch, aber auch „Hallelujah“ von Leonhard Cohen, das „Ave Maria“ von Schubert und „Guten Abend, gut Nacht“ von Brahms, das ich im Duett mit meiner Tochter singe.

Tochter bekommt mehr Applaus

Ihre Tochter steht auch schon auf der Bühne?

Das macht sie, seit sie drei ist, inzwischen ist sie sechs Jahre alt. Sie macht das ja nicht, um mir einen Gefallen zu tun, nein, sie genießt es sehr, hat Spaß daran, und dann bekommt sie auch noch mehr Applaus als ich (lacht).

Sie werden in Stendal zum zweiten Mal in der Jacobikirche auftreten. Wie sehr beeinflusst dieser Raum die Atmosphäre des Konzerts?

Die Akustik in Kirchen kommt meiner Stimme unheimlich entgegen, ich bin ein sehr lyrischer Tenor, leicht. Und ich trete mit einem Pianisten auf, Gesang und Klavier füllen den Kirchenraum gut aus. Dazu kommt, dass die Menschen zu der Kirche ihres Ortes, ihres Stadtviertels eine sehr enge Beziehung haben. Sie ist Teil des Lebens. Was mich immer wieder erstaunt: Bei Konzerten in Kirchen sind die Leute viel lockerer als in Konzertsälen.

In der Kirche bitte klatschen

Die Kirche als Auftrittsort ist also ganz bewusst gewählt?

Kirchen wurden gemacht, um den Menschen Mut und Hoffnung und Kraft zu geben, und das möchte ich, auch wenn es anmaßend klingt, auch in meinen Konzerten. So dass die Menschen am Ende des Abends seelisch erquickt rausgehen.

Das heißt, ein gelungenes Konzert misst sich für Sie nicht allein am Applaus?

Am wichtigsten ist, wie das Publikum drauf ist. Meine Konzerte sollen nicht spießig, trocken und ernst sein, die Leute sollen sich auch in der Kirche trauen zu klatschen. Und am besten vor dem Konzert ein Glas Wein trinken. Wenn das Publikum locker ist, dann ist es auch für mich leicht. In der Altmark, habe ich festgestellt, gelingt das immer wieder. Und darauf freue ich mich.

Karten für das Konzert am 22. August um 19 Uhr in der Jacobikirche gibt es im Volksstimme-Service-Center, Tel. 03931/638??99??60