Köckte l „Bisher haben wir 240 Bestattungen entdeckt. An dieser Stelle muss es einen mittelalterlichen Friedhof gegeben haben und hier wahrscheinlich die Kirche“, berichtete Archäologin Dorothee Menke jetzt während eines Besuchs am Köckter Deich. Ihre Zuhörer und Zuschauer waren Mitglieder des Bundes der Ingenieure für Wasserwirtschaft, Abfallwirtschaft und Kulturbau. Hans-Jörg Steingraf, Leiter des Flussbereiches Osterburg beim Landesbetrieb für Hochwasserschutz und Wasserwirtschaft (LHW), hatte die Männer an diesen Ort eingeladen.

Während für die Herren die Sanierungsprogramme und die aktuellen Baumaßnahmen an Schwachstellen während des Hochwassers 2013 im Mittelpunkt standen, erlebten sie hier, am Abschnitt Köckte, einen kleinen Ausflug in die Vergangenheit.

Deichbau startet 2016

Im nächsten Jahr sollen hier die letzten Kilometer des Deiches im Bereich Tangermünde neu gebaut beziehungsweise saniert werden. Bereits im Frühjahr war die Lagerfläche für das Baumaterial archäologisch untersucht worden. Seit August stehen Archäologin Dorothee Menke und ihre Mitarbeiter in dem Bereich, über den künftig der umverlegte Deich laufen soll. „Die Umverlegung wird unter anderem erforderlich, weil sonst zu viele Bäume hätten gefällt werden müssen“, erklärte Steingraf. Für die Fachleute, die auf der Suche nach Zeugen der Geschichte sind, war das ein glücklicher Umstand. Nur deshalb dürfen sie dort in das Erdreich gehen, wo sie zur Zeit mit großem Erfolg arbeiten. Mit acht Arbeitern, zwei Zeichnern und einem Grabungsleiter an ihrer Seite hat Dorothee Menke unglaublich viel zu tun.

Bilder

Die bislang entdeckten Bestattungen wurden nicht nur registriert, skizziert und fotografiert. Jedes Skelett wird eingepackt und in das Landesamt geschickt. Auch der neueste Fund, ein noch vollständig erhaltener Sarg, werde den Weg dorthin nehmen, berichtete Menke. Wahrscheinlich werde er komplett geborgen, da er noch so intakt ist. Außerdem vermutet die Fachfrau, dass der im Sarg liegende Mensch einst eine besondere Funktion in dieser mittelalterlichen Siedlung gehabt haben muss. Der Sarg liege tiefer als alle übrigen, bisher entdeckten Bestattungen. Und er sei in unmittelbarer Nähe zur vermutlich hier einst befindlichen Kirche in die Erde gebracht worden.

Nicht nur die unglaublich vielen west-ost-gerichteten Bestattungen haben die Archäologen in den vergangenen Wochen am künftigen Neuverlauf des Köckter Deiches gefunden. Auch spricht Dorothee Menke von einer Vielzahl an Brunnen, die ebenfalls auf die Zeit Ende des 14. Jahrhunderts deuten würden. Hinzu kämen auch Tierbestattungen. „Die Funde, die wir hier gemacht haben, haben uns schon überrascht“, sagte sie. 1345 tauche der Ort Köckte bei Bölsdorf erstmals in Büchern auf.

Funde kommen nach Halle

Bereits im Frühjahr hatten Grabungsarbeiten auf der inzwischen mit Baumaterial überlagerten, etwa 8000 Quadratmeter großen Fläche interessante Funde an das Tageslicht befördert. Vereinzelte Funde aus dem Mittelalter deuteten hier schon darauf, dass es zu jener Zeit Leben an diesem Ort gegeben haben muss. Doch Keramik und Webgewichte, die die Fachleute hier entdeckten, stammten aus der vorrömischen Eisenzeit, also aus der Zeit 500 vor Christi. Andere Proben hätten nach ihrer Untersuchung gezeigt, dass sie Zeugen des 4. Jahrhunderts vor Christi sind.

Sind die Grabungen Mitte Dezember beendet, folgen noch Aufarbeitung und Dokumentation. Die Funde werden im Landesamt für Archäologie in Halle nach ihrer Aufarbeitung im Depot landen.