Stendal l Als Klaus Schmotz gestern im kleinen Sitzungsaal des Stendaler Rathauses ans Mikrophon trat, tat er das nicht (nur) als Oberbürgermeister, sondern vor allem als Botschafter. Zehn Jahre war Schmotz einer der fünf Botschafter des „Netzwerks-Altmark 50plus“. „War“ deshalb, weil es die Abschlussveranstaltung war, zu der er die Netzwerk-Macher, -Mitgestalter und -Partner gestern begrüßte. Zum Jahresende läuft das Bundesprogramm „Perspektive 50plus“ aus, das in der Altmark von eben jenem Netzwerk mit Leben erfüllt wurde.

„Aufgelegt worden war das Programm zu einer Zeit, als man erkannte, dass durch die Frühverrentungen Fachkräftepotenzial samt seinem Schatz an Erfahrungen, Fertigkeiten und Fähigkeiten einfach beseitegelegt worden war“, so Netzwerk-Botschafter Schmotz. „Aber wir brauchen dieses Potenzial, um alle Aufgaben zu erfüllen, die die Gesellschaft uns stellt“, sagte er. Darum sei „50plus“ für alle eine gute Sache gewesen. Für die Menschen, die dadurch wieder Arbeit fanden, und für die Arbeitgeber.

Arbeit für 847 Altmärker

Warum und wie sich diese Beschäftigungsinitiative so erfolgreich entwickeln konnte, schilderte Kristina Wassersleben, Koordinatorin des Netzwerkes-Altmark 50plus, auch Beschäftigungspakt genannt. Denn darum ging es: Arbeitslose, die älter als 50 Jahre und länger als ein Jahr ohne Job sind, wieder in eine Beschäftigung zu bringen. Das gelang – um die wichtigste „Botschaft“ des gestern würdig zelebrierten Endes des Förderprogramms vorwegzunehmen – für 847 Männer und Frauen. Für sie alle endete das in jedem Fall mehrere Monate dauernde Inte- grieren in den Arbeitsmarkt mit einem Arbeitsvertrag in einem altmärkischen Unternehmen.

Bilder

Das heißt, „endete“ ist in diesem Zusammenhang das richtige Verb. Die Erfahrungen, von denen Kristina Wassersleben gestern sprach, hätten gezeigt, dass es sinnvoll war, die von ihr und den Netzwerk-Akteuren betreuten Männern und Frauen auch nach dem Abschluss des Arbeitsvertrages noch einige Monate zu begleiten.

Das Netzwerk tat es von fünf Standorten aus, also für Langzeitarbeitslose über 50 Jahre aus den Regionen Havelberg, Gardelegen, Osterburg, Stendal und Salzwedel. Eine Region in der die Arbeitslosigkeit im Oktober bei 8,2 Prozent (Altmarkkreis Salzwedel) und bei 11,2 Prozent (Landkreis Stendal) lag. Allerdings, auch diese Zahlen nannte Wassersleben: Die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten sei in den vergangenen zehn Jahren bei den 50 bis 65-Jährigen um 4,3 Prozent gestiegen. Wie groß der Anteil der Arbeit des Netzwerks daran ist, könne sie nicht sagen, wohl aber, dass die Netzwerk-Arbeit Anteil daran hatte.

Erfolgsbasis Vertrauen

Eine Arbeit, die darauf ausgerichtet war, für die Langzeitarbeistlosen Ü50 „Unterstützungsangebote zu entwickeln, um Brücken zum Arbeitsmarkt zu schlagen“. Die Basis des Erfolges sei die individuelle Betreuung jedes Einzelnen gewesen. Freiwilligkeit sei dabei ein wichtiges Element gewesen, ebenso eine Begleitung auf Augenhöhe, beiderseitiges Vertrauen und die ständige Erreichbarkeit des Betreuers, in diesem Fall Coach genannt.

Ohne Partner wäre das nicht möglich gewesen. Die fand das Netzwerk in vielen altmärkischen Unternehmen. Ihnen wurde gestern ebenso herzlich gedankt wie allen Netzwerk-Akteuren.

Ausgezeichnet

Stellvertretend für alle Firmen, die eingangs genannten 847 Langzeitarbeitslosen, über-50-Jährigen in den vergangenen zehn Jahren wieder einen Job gaben, wurden drei weitere Firmen gestern als „Unternehmen mit Weitblick“ ausgezeichnet.

Was bleibe und auch nach dem Ende dieses Förderprogramms genutzt werden sollte, sind die mit und in ihm gesammelten Erfahrungen. Eine davon fasste Netzwerk-Koordinatorin Kristina Wassersleben so zusammen: „In einer immer älter werdenden Gesellschaft können die Beschäftigten nicht immer jünger werden. Firmen die das beherzigen, wissen heute neben den fachlichen Fähigkeiten auch die Verlässlichkeit, die Loyalität und die Flexibilität der älteren Beschäftigten zu schätzen.“

Dennoch bleibt nach dem Ende des „Netzwerkes-Altmark 50plus“ die Frage, ob es künftig ähnliche Förderprogramme geben wird. Eine Antwort darauf gab Anja Birkholz vom Stendaler Jobcenter. „Durchstarter – Chancen in der Altmark“ heißt das Förderprogramm, das bis 2020 laufen wird und auch für ältere Langzeitarbeitslose besagte Chancen bieten soll.

 

Mehr dazu ist bei Anja Birkholz zu erfahren. Sie ist telefonisch erreichbar unter (03931) 64 01 35, oder (0170) 858 00 56 beziehungsweise per E-Mail unter Anja.Birkholz@jobcenter-ge.de.