Stendal l Wer vom Stendaler Marktplatz aus in die Hallstraße kommt, wird auf der rechten Seite mit einer riesigen rund 300 Quadratmeter großen und fensterlosen Giebelwand konfrontiert. „Als wir das Haus 2008 saniert haben, sind wir noch davon ausgegangen, dass die Baulücke davor bald geschlossen wird, so dass die Fassade dahinter verschwindet“, sagte Gudrun Walinda gestern bei einem Pressegespräch. Ihr und ihrem Mann Rolf Walinda gehört das Haus in der Hallstraße 4 und sie möchten mit einem innovativen Vorhaben die graue Wand aus dem Stadtbild verschwinden lassen. Auch, weil aus einer Bebauung der Baulücke in absehbarer Zeit nichts wird.

Historische Ansichten als Vorbild

„Wir haben schon länger die Idee mit dem Wandbild gehabt“, sagte Rolf Walinda. Zusammen mit dem Graffiti-Künstler Michael Braune aus Käthen wurde ein Bild für das 1912 gebaute Haus erarbeitet, das historische Ansichten aufgreifen soll. „Die gesamte Straße hat bis zur Jahrhundertwende 1900 seinen mittelalterlichen Charakter beibehalten“, erläuterte Walinda. Die Straße sei geprägt gewesen durch Leinen- und Tuchmacher sowie Färbereien. „Genau das wollten wir bei dem Wandbild wieder aufnehmen“, sagte Walinda.

Das Motiv des geplanten Graffiti sieht eine angedeutete Häuserzeile mit den typisch roten Dächern aber auch vielen Antennen vor. Als Motiv-Vorbild dienten alte Postkarten mit Ansichten der Hallstraße, die Gudrun Walinda gesammelt hat.

Bilder

Das Ehepaar Walinda hat sich mit der Kaschade-Stiftung einen Unterstützer für das Kunstprojekt geholt. Das Kunstwerk werde ein weiterer Hingucker für die Innenstadt werden, sagte Hans-Jürgen Kaschade. Daher unterstütze seine Stiftung das Projekt als Träger mit 1000 Euro und helfe bei der Akquise von Sponsoren.

Für den Künstler Michael Braune, der schon weltweit als Graffiti-Künstler aktiv war und auch mehrere Projekte in Osterburg umgesetzt hat, wird die Hallstraße eine große Herausforderung. „Ich habe noch nie ein Kunstwerk mit diesen Ausmaßen kreiert“, sagte er. Gleichwohl kenne er Projekt mit dem Arbeitsumfang. Für das rund 15 Meter mal 15 Meter große Bild werde er rund einen Monat benötigen, sagte der Künstler. Für eine Auftragsarbeit habe dieses Werk „einen Spaßfaktor, der weit vorne ist“.

Für seine Bilder verwende er außer Klebeband und Malstock keine weiteren Hilfsmittel. Dies unterscheide sich von Wandbildern wie denen an einigen Häusern in Stadtsee. Zum Beispiel der King Kong am Elfgeschosser in der Stadtseeallee. „Ohne die Künstler herabwürdigen zu wollen, habe ich einen anderen Anspruch“, sagte Braune. Die entsprechenden Bilder seien mit Beamern an die Wand geworfen und nachgezeichnet worden. „Ich mache das frei Hand.“

Im April 2016 soll es losgehen

Insgesamt wird Braune nach eigenen Angaben rund 250 Spraydosen verbrauchen, um das Bild hinzubekommen. Ihm sei wichtig, dass die Fassade nicht komplett bemalt wird, sondern die Konturlinien zur Seite hin auslaufen. „Das Bild soll spannungsvoll rüberkommen“, sagt der Diplom-Designer. Wenn das Wetter mitspielt, soll es im April losgehen. „Wir haben alle Genehmigungen“, sagt Rolf Walinda. Auch die Denkmalbehörde spielt mit.