Tangerhütte l Mit dem christlichen Gruß „Friede sei mit euch!“, begrüßte Pfarrer Johannes-Christian Rost am Mittwoch im evangelischen Gemeindehaus und gleich auch noch einmal auf Arabisch: „Salam aleikum!“. Das Begegnungscafé, an dem rund 90 Menschen teilnahmen, sei Gelegenheit, sich kennenzulernen, aber auch, Vorurteile und Ängste abzubauen, sagte er.

Gutes Miteinander

Eingeladen hatte das „Netzwerk neue Nachbarn“ in Tangerhütte, das auf Initiative des Bürgermeisters Andreas Brohm ins Leben gerufen worden war. „Ich freue mich, dass wir die Herausforderung, die eines Tages vor unserer Tür stand, gemeinschaftlich so gut meistern“, würdigte er das Engagement der vielen Ehrenamtlichen, die sich seit September einbringen.

Land würdigt Engagement

Und er hatte noch eine andere Würdigung mitgebracht: Eine Ehrenurkunde der Inte­grationsbeauftragten der Landesregierung besagt, dass das Netzwerk, das sich um den Integrationspreis des Landes beworben habe, für seinen „beispielhaften Einsatz für die Integration von Zugewanderten und ein respektvolles Zusammenleben“ ausgezeichnet werde.

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Er übergab die Urkunde an Beate Ragi-Blöge, die im Netzwerk gleich zu Beginn die Fäden in die Hand genommen und vieles organisiert hatte. „Wir kennen uns erst seit September und ich hätte nicht für möglich gehalten, dass wir heute so gut zusammenarbeiten würden“, sagte Brohm. Die engagierte Frau gab den Dank an alle engagierten Menschen im Netzwerk weiter.

Gut eingelebt

Sechs Familien, 39 Menschen, aus Afghanistan und Syrien, die bisher nur wenig Deutsch verstehen, haben seit etwa zwei Monaten in der Region Tangerhütte ein neues, vorläufiges Zuhause gefunden. Sie haben sich gut eingelebt, fühlen sich gut angenommen. Die meisten Kinder besuchen bereits die Schulen der Region, die Grundausstattungen fürs Wohnen in den durch den Landkreis angemieteten Wohnungen in Tangerhütte und Lüderitz wurden organisiert.

Ehrenamtliche Paten begleiten und betreuen sie auf ihren Wegen zu Ämtern und Ärzten und es gibt ein ganzes Netzwerk von Menschen, die Erste Hilfe im Deutschlernen leisten oder sich regelmäßig mit den Kindern beschäftigen. Das „Netzwerk neue Nachbarn“ leistet Beachtliches und auch weitere Organisationen wie der Arbeiter-Samariter-Bund, das Deutsche Rote Kreuz, die Kunstplatte Stendal oder der Verein „KinderStärken“ bringen sich ein.

Doch vieles gilt es im Detail zu besprechen und dafür reichen die Handy-Übersetzungsprogramme und die Sprachkenntnisse der Geflüchteten oft nicht aus.

Mit Dolmetscher

Dass sie die Möglichkeit hätten, bis zu 15 Stunden pro Woche für 1,05 Euro pro Stunde zu arbeiten, welche Sport-Möglichkeiten es für die Kinder gibt oder dass es in Kürze einen Intensiv-Deutschkurs bei der Volkshochschule in Tangerhütte geben soll, das erläuterte Heidrun Gebert, Koordinatorin bei der Stadtverwaltung, jetzt mit Hilfe von Dolmetschern.

Das Netzwerk neue Nachbarn hatte Übersetzer Ahmad Al Mhamad aus Magdeburg engagiert, aber auch die Migrationsberatungsstelle des DRK in Stendal hatte Übersetzer mitgebracht, Helfer kümmerten sich um die Kinder, während mit den Eltern Organisatorisches besprochen wurde.

Gleich mehrere Muttersprachler waren am Mittwoch dabei, viele sind selbst erst vor wenigen Jahren nach Deutschland gekommen. Sie sollen jetzt mit den Flüchtlingsfamilien Kontakt halten, ihnen bei Fragen weiterhelfen können. Denn auch wenn die Familienpaten sich mit Übersetzungsprogrammen oder Händen und Füßen in den ersten Wochen verständlich machen konnten, im Detail stoßen diese Methoden schnell an Grenzen.

Zu denen, die ins Arabische und ins Persische übersetzten, gehörten Amir Afshar und Hamid Sharafi aus Stendal, die vor fünf Jahren aus Afghanistan kamen. Heute sprechen sie schon gut Deutsch und haben Ausbildungsstellen bei einem Tangerhütter Elektro-Unternehmen gefunden, das sie am Mittwoch, extra für ihren Einsatz als Übersetzer, freistellte.

Kinder fühlen sich wohl

Eine Möglichkeit des Austausches sollte auch eine kleine Umfrage unter den Flüchtlingsfamilien sein, die die Verwaltung ausgegeben hatte, erste Rückmeldungen habe es bereits gegeben, fasst Heidrun Gebert zusammen.

Und darin steht, dass sich die Familien in Tangerhütte wohl fühlen, ihre Kinder sich in den Schulen gut angenommen fühlen und dass es auch mit der Nachbarschaft bisher keine Sorgen gebe. Für das Begegnungscafé hatten übrigens auch Flüchtlingskinder gebacken – bei ihren Patenfamilien. Treffen wie dieses erste am Mittwoch soll es bald wieder geben.