Stendal l Zum dritten Mal veranstaltete am Sonntagnachmittag die Bürgerbewegung Altmark eine Versammlung auf dem Winckelmannplatz. Dorthin kamen 100 Teilnehmer. Knapp die Hälfte zählte die Gegendemonstration, die das Hochschulbündnis für ein weltoffenes Stendal organisiert hatte. Vor allem sollte es dabei um Krach gehen, mit Musikinstrumenten, Trillerpfeifen, Vuvuzelas und ähnlichem. Dort stand auch Stadtrat Olaf Lincke (Piraten). Zu einem Dialog werde es wohl nicht kommen, an jenem Tag entscheide sich jeder nur, auf welcher Seite er stehen will. „Allerdings sind wir eine offene Gesellschaft und da muss man miteinander reden“, sagte er.

In der Marienkirche fand eine Andacht statt, zu der ab 15.30 Uhr mit dem Geläut gerufen wurde. „Nächstenliebe verlangt Klarheit – Evangelische Kirche gegen Rechtsextremismus“, stand auf einem Transparent an dem Gotteshaus.

„Das ist unsere Stadt, wir zeigen Gesicht und ganz viel Herz“, sagte Bundestagsabgeordnete Katrin Kunert (Die Linke) bei der Eröffnung der Gegendemonstration und forderte: „Wir müssen mehr werden“. Dann entschloss sie sich, noch vor der Eröffnung der Versammlung der Bürgerbewegung Altmark zum Winckelmannplatz zu gehen. Auf dem Weg dorthin meinte ein älterer Herr zu ihr: „So, heute gehe ich dorthin.“ Und es kam zu einem Gespräch. Dass die Ostrenten immer noch nicht an die Westrenten angeglichen seien beklagte er und für die Flüchtlinge sei das Geld da. Die Politik höre überhaupt nicht mehr auf die Bevölkerung. Warum er denn nicht zum Bürgerdialog in der vergangenen Woche gekommen sei oder eine Einwohnerfragestunde im Stadtrat genutzt habe, wollte Kunert wissen. Jetzt sei das Kind ohnehin schon in den Brunnen gefallen, meinte der Mann, der nicht genannt werden wollte, zum Abschied.

Ende am Mönchskirchhof

Am Rednerpult der Bürgerbewegung stand zunächst Versammlungsleiter Martin Knaak, dann ein erneutes Mal Sebastiano Graziani. Von der Gegenveranstaltung wurden sie nicht eingeschränkt. Eingeschränkt wurde allerdings die Arbeit von Fotografen, denen sich zwei Ordner in den Weg stellten. Michael Schneider vom Landkreis löste den Konflikt auf.

Um 16.15 Uhr ertönte erneut das Geläut der Marienkirche und war so etwas wie das Startsignal für den von der Bürgerbewegung so genannten Spaziergang, in dessen Verlauf bis zu 160 Teilnehmer mitliefen. An der Ecke zur Breiten Straße wurden sie von Kunert mit einer Trillerpfeife erwartet, dann ging es nach rechts in Richtung Norden. Diesmal führte der Weg über Altes Dorf, Petrikirchstraße und Westwall zum Mönchskirchhof, wo sich die Versammlung um 17.10 Uhr auflöste. Die ursprüngliche Strecke zurück zur Breiten Straße war wegen der aufgebauten Weihnachtsbuden abgeändert worden.

Polizeisprecher Marco Neiß bilanzierte einen ruhigen Nachmittag: „Keine Störungen“.