Stendal l Nach dem Votum des Schulausschusses – er hatte sich am 17. November mit fünf zu zwei Stimmen gegen die Umwandlung der Osterburger Sekundarschule in eine Gemeinschaftsschule ausgesprochen – fiel der entsprechende Antrag am Donnerstagabend auch im Kreisausschuss durch. Vier Gegenstimmen standen einem Ja und einer Enthaltung gegenüber. Damit empfiehlt nun auch der Kreisausschuss dem am 17. Dezember über dieses Thema entscheidenden Kreistag, die Umwandlung der Sekundarschule „Karl Marx“ Osterburg zum Beginn des Schuljahres 2016/2017 in eine Gemeinschaftsschule abzulehnen.

Eine solche Empfehlung hatte Denis Gruber, stellvertretender Landrat und Schuldezernent (SPD) namens der Kreisverwaltung auch den Mitgliedern des Kreisausschusses gegeben. Wie vor gut zwei Wochen im Schulausschuss führte Gruber dafür eine Reihe von Argumenten ins Feld.

Gruber: Verfehlte Personalpolitik des Landes

Eins davon: Das Schulgesetz bindet die Gemeinschaftsschule unter anderem an die Zweizügigkeit, heißt: In jeder Klassenstufe müssen zwei Klassen unterrichtet werden. Das wäre in Osterburg schon ab dem Schuljahr 2017/2018 nicht mehr gewährleistet.

In Sachen Schülerzahlen warf Gruber auch einen Blick auf die beiden seit zweieinhalb Jahren bestehenden Gemeinschaftsschulen in Seehausen und Tangerhütte. Während in erstgenannter die Zahlen stiegen, gehen sie an der Tangerhütter Gemeinschaftsschule zurück. Das sei so, seit dem feststehe, dass in Tangerhütte keine Abiturstufe angeboten werden kann, begründete Gruber. Die Einrichtung einer 11. und einer 12. Abiturklasse war vorgesehen, auch vom Land zugesichert, dann aber nicht umsetzbar, weil es an Lehrern fehle. Für Gruber Resultat einer verfehlten Personalpolitik des Landes bei Lehrern. Gemeinschaftsschulen müssten, so sie denn ihren eigenen Ansprüchen gerecht werden wollten, eine optimale Ausstattung an Lehrkräften erhalten. Das sei bis zum heutigen Tag weder in Tangerhütte noch in Seehausen gegeben.

Osterburg verfüge auch ohne Gemeinschaftsschule über eine gute schulische Infrastruktur. Grundschule, Förderschule, Sekundarschule und Gymnasium. All das, was sich andere Städte im Landkreis nur wünschen könnten, gebe es in Osterburg bereits.

Stärkste Fraktion geschlossen dagegen

Hinzu kommt aus Sicht der Kreisverwaltung, dass eine Gemeinschaftsschule in Osterburg der Sekundarschule in Goldbeck Konkurrenz machen könnte, da auch Schüler aus dem Einzugsbereich der Goldbecker Sekundarschule sich für den Besuch einer Osterburger Gemeinschaftsschule entscheiden könnten. Ziel des Landkreises und der vom Kreistag beschlossenen Schulentwicklungsplanung sei der Erhalt der Goldbecker Schule.

Das ablehnende Votum der Mitglieder des Kreisausschusses – in der Regel die Fraktionsvorsitzenden der im Kreistag vertretenen Parteien – darf wohl auch als Gradmesser für die Entscheidung des Kreistages gesehen werden. Das bestätigten die Worte der Ausschussmitglieder. Wolfgang Kühnel (CDU): „Es hat sich zum Vorjahr nichts geändert. Das Konzept für die Gemeinschaftsschule ist nach wie vor das selbe. Wir haben damals die Umwandlung abgelehnt und ich sehe keinen Grund, warum wir der in diesem Jahr zustimmen sollten. Ich gehe davon aus, dass unsere Fraktion geschlossen dagegen stimmen wird.“

Theil (SPD): Bei uns auch Zustimmung

So eindeutig konnte sich Annemarie Theil (SPD) nicht positionieren: „ Ein einstimmiges Ergebnis wird es von uns nicht geben. In unserer Fraktion gibt es auch Mitglieder, die für die Gemeinschaftsschule stimmen.“ Aber, so Theil weiter: „So lange die gesetzlichen Vorgaben nicht geändert werden, kann man die Gemeinschaftsschule kaum umsetzen.

Für die Linkspartei sagte Günter Rettig: „Das Landesschulamt hat das Konzept der Osterburger für eine Gemeinschaftsschule positiv bewertet. Wir werden dem Antrag auf die Umwandlung in einen Gemeinschaftsschule zustimmen.

Wie sich FDP und Landwirte positionieren werden, bleibt abzuwarten. Von ihnen saß am Donnerstag niemand im Kreisausschuss.