Stendal l In der Vorwoche hat das Amtsgericht im Fall der angeklagten siebenfachen räuberischen Erpressung im Osterburger Obdachlosen- und Trinkermilieu das Urteil gesprochen (die Volksstimme berichtete vom Prozessauftakt). Weil gegen den gerichtsbekannten 30-jährigen Angeklagten aus der Region Osterburg kein konkreter Tatnachweis erbracht werden konnte, ist er nach dem Grundsatz „Im Zweifel für den Angeklagten“ freigesprochen worden. Mit dem Freispruch folgte das Schöffengericht unter Vorsitz von Richter Thomas Schulz den gleichlautenden Anträgen von Staatsanwaltschaft und Verteidigung.

Angaben zu ungenau

Laut Anklage sollte der 30-Jährige, teils mit einem gesondert verfolgten Mittäter handelnd, im Jahr 2013 einen Bewohner des Obdachlosenheims von Osterburg in sieben Fällen geschlagen und/oder unter Androhung von Schlägen um einen Gesamtbetrag von 1500 Euro erpresst haben. Der heute 50-Jährige soll unter Zwang Beträge zwischen 100 und 450 Euro von seinem Konto abgeholt und großteils den Angeklagten ausgehändigt haben. Doch die Angaben des offenbar alkoholkranken 50-jährigen Opfers waren zwei Jahre nach den Vorfällen zu ungenau. Konkrete Angaben zu den Tatvorwürfen vermochte er nicht zu machen. Die Staatsanwältin gab sich überzeugt, dass die Taten wie angeklagt stattgefunden haben. Beweisen ließe sich das leider nicht.

Längere Zeit nicht auffindbar

Der Angeklagte, der selbst einige Zeit im Obdachlosenheim wohnte, hatte die Tatvorwürfe bestritten. Im Gegenzug hatte er den 50-Jährigen beschuldigt, angeblich ausstehende Schulden bei ihm nicht bezahlt zu haben. Demnach hätte dieser von ihm für 250 Euro eine Waschmaschine gekauft. Vereinbarte Raten hätte sein ehemaliger Mitbewohner nicht gezahlt.

Der bestritt diese Version. Er habe die Waschmaschine vollständig bezahlt. Aufklärung hatte sich das Gericht von den Kontoauszügen des 50-Jährigen und von der Aussage eines Polizeibeamten erhofft. Doch aus den Kontoauszügen ergaben sich keine belastenden Hinweise. Und der inzwischen pensionierte Polizist vermochte sich an die Geschehnisse im Jahr 2013 nicht zu erinnern. Der 50-Jährige hatte zum Prozessauftakt ausgesagt, dass er mehrfach Anzeige gegen den 30-Jährigen erstattet habe. Aktenkundig war indes nur eine.

Erinnerung reichte nicht

Der Polizist im Ruhestand konnte sich wohl daran erinnern, dass es Anzeigen gab. Mehr aber auch nicht. Der 50-Jährige sei polizeibekannt, so der Ex-Polizist. Welcher Art die Anzeigen waren, wisse er heute nicht mehr. Weil der Angeklagte längere Zeit nicht auffindbar war, war der Fall erst jetzt verhandelt worden.