Schinne l Warum fehlt der Schinner Grundschule eine Turnhalle? „Das kann ich auch nicht sagen“, überlegt Schinnes Ortsbürgermeister Ralf Berlin. „In Schinne wurde eben in andere Vorhaben investiert. Zum Beispiel in die Straßen und in den Kindergarten.“ Schinne soll einst über die erste betonierte Straße im Landkreis verfügt haben, und in die Kindertagesstätte sind 650 000  DM geflossen. Die Schinnscher hatten seinerzeit andere Prioritäten gesetzt. Eine Turnhalle gehörte seit Jahrzehnten nicht dazu.

In DDR-Zeiten waren die Schulbauten jeweils regelmäßig mit einer Turnhalle verbunden. Das ist heute noch in Kläden und Dobberkau gut nachzuvollziehen, obwohl beide Schulen bereits geschlossen wurden. Nur in Schinne fehlt der entsprechende Turnhallenbau.

Einweihung im September 1967

Die Schinner Schule wurde am 1. September 1967 eingeweiht. Im Rahmen des Nationalen Aufbauwerkes (NAW) beteiligten sich an dem Bauvorhaben im Ort alle Betriebsformen, wie sich Fritz Mertens erinnert. Von der großen Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaft (LPG) bis zum kleinen Handwerksbetrieb. Die Polytechnische Oberschule (POS) entstand außerhalb des Dorfes „auf dem Acker“, erzählt Ralf Berlin. Das Anlegen des Sportplatzes folgte 1976, der Bau einer Turnhalle bis heute nicht.

Für den Sportunterricht in Schinne wurden über Jahre die Säle von Gaststätten genutzt. So wie der große Saal des heutigen Dorfgemeinschaftshauses oder der Saal der Gaststätte Rehberg. Letzterer dient bis heute als Turnhallen-Ersatz. Eine Auflage vom Gesundheitsamt besagt, dass diese Räumlichkeiten nur noch zwei Jahre genutzt werden dürfen. Das hatte Hauptamtsleiterin Annegret Schwarz Ende Februar im Stadtrat erklärt. Eine nochmalige Genehmigung wird es nicht geben.

Mehrere Anträge abgelehnt

Im Haushaltsentwurf 2015 war die Turnhalle für Schinne mit 1,43 Millionen Euro in zwei Jahresscheiben enthalten. Der Eigenanteil der Einheitsgemeinde hätte bei insgesamt 715 000 Euro gelegen. Im Stadtrat gab es Ende Februar für das Vorhaben erheblichen Gegenwind. Die Position wurde im Haushalt mit einem Sperrvermerk versehen.

Ein erster Antrag auf einen Turnhallenbau über das Stark-II-Förderprogramm wurde bereits wegen zu geringer Schülerzahlen abgelehnt. 2014 wurde ein Turnhallen-Neubau über die Sportstättenförderung des Landes beantragt. Dabei wurde der Vereinssport in den Vordergrund gerückt. Hier erfolgte eine Ablehnung aus „haushalterischen Gründen“. Ralf Berlin hielt den Kontakt zum Innenministerium, woraufhin 2015 ein erneuter Antrag gestellt wurde. Diesmal in abgespeckter Form. Der Eigenanteil für die „abgespeckte Variante“ dürfte sich im Haushalt 2016 wiederfinden.

Seit knapp 50 Jahren hat Schinne eine Schule, seit knapp 50 Jahren fehlt die dazugehörige Turnhalle. Weder zu DDR-Zeiten noch in den 25 Jahren nach der politischen Wende haben die Verantwortlichen es geschafft, dass in Schinne entsprechende Räumlichkeiten für den Schul- und Vereinssport geschaffen wurden.

Der Bestand der Schinner Grundschule ist nicht nur wegen der zu geringen Schülerzahlen, sondern auch wegen des fehlenden Sportraumes gefährdet. Wenn man sich an der Schinner Grundschule umhört, wird die Turnhallen-Situation noch mit einigem Humor ertragen: „Da haben sie uns wohl vergessen. Aber wir hoffen ja alle immer noch, dass wir irgendwann mal dran sind.“