Stendal l Der 33-jährige Diplom-Ingenieur, der aus Osterburg stammt und nach einigen Jahren in Hamburg vor drei Jahren wieder in die Altmark zurückgekehrt ist, beschreibt seine Arbeit als „schon sehr umfangreich und vielfältig“. Er ist bei den Stadtwerken „Energieberater und Energiebeauftragter für das Energiemanagement“, er betreut den Bereich der erneuerbaren Energien und ist als Contracting-Partner zuständig für die dezentrale Energieerzeugung, also für die Unternehmen oder auch Privatpersonen, bei denen die Stadtwerke im Besonderen dezentrale Anlagen zur Wärmeerzeugung und/oder Energieversorgung planen, bauen und betreiben.

Rund 45 solcher dezentralen Wärmeerzeugungsanlagen der Stadtwerke gibt es bereits, nicht nur in Stendal. Als Holger Meinen vor drei Jahren im Unternehmen begonnen hat, betreuten die Stadtwerke zirka zehn Anlagen dieser Art. Heute betreiben die Stadtwerke Stendal zahlreiche Heizzentralen in der Altmark, zum Beispiel im Salzwedeler Gewerbegebiet mit einem Blockheizkraftwerk und auf dem Kalbenser Petersberg mit einem Nahwärmenetz für die Versorgung zahlreicher Wohnungen.

Anfang 2013 haben die Stadtwerke die Wärmeerzeugung des Wohngebiets Am Schäferwald in Uchtspringe übernommen und versorgen seither die zwölf Objekte mit 170 Wohnungen vorrangig über ein Blockheizkraftwerk mit Wärme. In diesem Jahr investierten die Stadtwerke dort zirka 150 000 Euro in das Nahwärmenetz für die Erhöhung der Effizienz und Versorgungssicherheit. Aufgrund von Rückbauten einiger Häuser in den vergangenen Jahren mussten die Rohrführung und die Verteilung der Wärme für den hydraulischen Abgleich angepasst werden – alles ohne Mehrkosten für die Mieter. „Mit den Investitionen im Wohngebiet senken wir den Energiebedarf sowie die Verluste des Netzes“, erklärt Holger Meinen. Somit wird die Wärme nicht mehr mit einer hohen Temperatur ganzjährig durch das Netz und die Wohnungen transportiert, sondern effizient mit einer angepassten Verteilung gemäß den Bedürfnissen der Mieter an neue Hausanschlussstationen übertragen.

Von der Planung bis zum Betrieb

Auch in der Stendaler DRK-Senioreneinrichtung „Am Schwanenteich“ steht ein Mini-Blockheizkraftwerk (20 Kilowatt elektrische und 40 Kilowatt thermische Leistung) mit zwei großen erdgasbetriebenen Kesseln zur Wärmeversorgung. „Wir haben mit dem Betreiber einen Wärmeliefervertrag abgeschlossen, die Anlage errichtet und die Investitionen übernommen“, erklärt Meinen, wie so ein Contracting funktioniert. „Die Kunden geben die Risiken der Wärmeerzeugung aus der Hand, ersparen sich die Investitionen sowie Folgekosten beim Betrieb einer Anlage und erhalten neben der Wärme einen Service rund um die Uhr“, fügt er hinzu. Dabei werden in Zusammenarbeit mit regionalen Unternehmungen die Anlagen errichtet und im Anschluss über Wartungsverträge betreut.

Betrieben werden große und kleine Anlagen – zugeschnitten auf die Erfordernisse und Bedürfnisse jedes Kunden. Darum begleitet Holger Meinen Interessierte von Anfang an, von der Planung bis hin zum Betrieb der Anlagen. „Wir arbeiten beispielsweise mit Unternehmen aus der Industrie zusammen, aber auch mit der Wohnungswirtschaft, mit Betreibern sozialer Einrichtungen und mit Privatpersonen“, erklärt er. Aber auch mit der Stadt Stendal gibt es eine intensive Zusammenarbeit: Die Stadtwerke Stendal versorgen ab Anfang kommenden Jahres das Stadiongebäude „Am Hölzchen“ mit Wärme.

Der Contracting-Bereich der Stendaler Stadtwerke soll in den kommenden Jahren weiter ausgebaut werden, kündigt er an. „In der Stromerzeugung mittels Blockheizkraftwerk hat es beispielsweise den Vorteil, dass wir den Strom direkt vor Ort beim Kunden produzieren und dem Kunden direkt anbieten können. Für den Kunden können bei dieser Konstellation günstigere Preise angeboten werden, da die Nutzung des öffentlichen Stromnetzes entfällt“, sagt der 33-Jährige, der auch als Energieberater ausgebildet ist. In der Kundenzeitung „Wir für uns“ gibt er regelmäßig Tipps zur Energieeinsparung. Auch wenn Holger Meinen in erster Linie die eigenen Anlagen der Stadtwerke im Blick hat, „bieten wir zum Beispiel als Umsetzungspartner der Deutschen Energie Agentur auch Beratungen für Kommunen an“, sagt er. Ansprechpartner ist er als Energiebeauftragter, wenn es um das Ausstellen von Energieausweisen geht, die für Vermietung und Verkauf von Wohngebäuden notwendig sind.

Verbrauch im eigenen Haus gesenkt

Zu den Aufgaben als Energiebeauftragter gehört das Energiemanagement, wonach sich die Stadtwerke gemäß der DIN EN ISO 50001 im Oktober zertifiziert haben. „Damit möchten wir unseren Energiebedarf langfristig reduzieren und die Effizienz unserer Anlagen steigern“, kündigt Holger Meinen an, der die verschiedenen Bereiche der Stadtwerke Stendal und dessen Energieströme analysiert hat. Für ihn sei dies „eine sehr interessante Arbeit voller Herausforderungen wegen der verschiedenen Aufgaben und Tätigkeiten in den einzelnen Bereichen der Stadtwerke Stendal“ gewesen.

Zur Umsetzung der Energieziele der Stadtwerke Stendal werden viele Wege beschritten. Unter anderem wurde im vergangenen Jahr bereits das Kundencenter an der Rathenower Straße auf LED-Leuchten umgestellt, damit wurden bereits rund 10 000 Kilowattstunden in diesem Jahr eingespart. Bis Ende dieses Jahres planen die Stadtwerke, das gesamte Gebäude vollständig auf die neue Beleuchtung umzustellen. Aber auch kleine Mittel wie die Umstellung der Heizungsanlage und der Pumpenwechsel haben dazu beigetragen, den Energieverbrauch des Hauses stetig zu senken. Die Kosten amortisieren sich dabei jeweils in spätestens drei bis vier Jahren, erklärt der Fachmann.

„Und dann betreue ich noch den Bereich des Einsatzes regenativer Energien mit“, erklärt Holger Meinen. Hierbei kümmert er sich um drei Blockheizkraftwerke in Stendal, die mit Biomethan betrieben werden.