Buchholz l Der Stendaler Ortsteil Buchholz liegt an der Bundesstraße 189. Diese viel befahrene Verkehrsader führt mitten durch das Dorf. Lang, gerade, gut einsehbar und dazu aus Richtung Magdeburg auch noch abschüssig. All das sind Faktoren, die Tempo 50 manchen „Kraft“-Fahrer unangebracht erscheinen lassen, vor allem ließen, solange es noch keine stationäre Geschwin- digkeitsmessanlage im Dorf gab.

800 Autos täglich zu schnell

Das war bis zum Frühjahr 2014 der Fall und ein Zustand, den weder die Einwohner von Buchholz noch die Stendaler Stadtväter länger hinnehmen wollten. Nachdem Probemessungen ergeben hatten, dass täglich bis zu 800 Autos mit mehr als 50 km/h durch das Dorf donnerten, stand die Entscheidung: Stationäre Blitzer kommen her. In jede der beiden Fahrtrichtungen einer.

Damit betrat Stendal im Norden Sachsen-Anhalts Neuland. Anlagen, wie die seit April 2014 in Buchholz stehende, gab es bislang in dieser Region noch nicht. Und auch heute sind die Buchholzer stationären Blitzer altmarkweit die einzigen am Straßenrand.

Mehr Sicherheit und weniger Lärm

Neu war auch der Dienstleistungsvertrag, den die Stadt mit dem Anbieter dieser Geschwindigkeitsmessanlage aus Monheim am Rhein abschloss. Dadurch beschränkten sich die Ausgaben der Stadt auf rund 6000 Euro für die Herstellung des Stromanschlusses zuzüglich der jährlich anfallenden Stromkosten.

Auf der anderen Seite steht der Nutzen, der sich auch in Euro und Cent ausdrücken lässt, sich vorrangig aber in mehr Verkehrssicherheit und geringerer Lärmbeästigung niederschlägt. Schon auf eine erste Nachfrage vier Wochen nach der Installation der Buchholzer Blitzer hieß es aus dem Stendaler Rathaus. „Die Anlage zeigt Wirkung.“ Viele Fahrer würden mit deutlich weniger als 50 km/h durch den Ort fahren. Und das tun sie auch heute noch. Stadtsprecher Klaus Ortmann: „Die Anlage hat offensichtlich von Anfang an eine verkehrserzieherische Wirkung. Für die Bewohner von Buchholz ist das stationäre Messgerät tatsächlich ein Gewinn an Lebensqualität.“

Ein Satz, den man unterschreiben kann, vergleicht man die rund 800 Temposünder aus der blitzerlosen Zeit in Buchholz mit den heute im Durchschnitt 40 Autofahrern, deren übertriebene Eile an jedem Tag des Jahres per Blitzerfoto dokumentiert wird (siehe Grafik). Immer noch eine beachtliche Zahl, auch anbetrachts der Tatsache, das die beiden Blitzer rund um die Uhr in Betrieb sind.

Auch finanziell eine Erfolgsgeschichte

Apropos Zahlen: In den ersten zehn Monaten dieses Jahres sind in Buchholz Verwarn- und Bußgelder in Höhe von 172 000 Euro „erblitzt“ worden. Knapp 63 000 Euro davon gehen an die Partnerfirma der Stadt, auch das regelt der eingangs erwähnte Dienstleistungsvertrag. Weitere 1250 Euro muss die Stadt den Blitzereinnahmen gegenrechnen. Soviel kostete es, die Anlage von Januar bis Oktober mit Strom zu versorgen. Auch so gesehen hat sich die stationäre Geschwindigkeitsmessanlage in Buchholz zu einer Erfolgsgeschichte entwickelt.

Am häufigsten hat es in den ersten Tagen in Buchholz geblitzt. Vom 10. bis zum 24. April 2014 war das 1527mal der Fall, also rund 100mal pro Tag. Der dann einsetzende Aha-Effekt bei den Autofahrern ließ die Trefferquote in den beiden nächsten Wochen auf etwa 30 pro Tag sinken, um sich bis zum Ende dieses Jahres bei etwa 40 täglich geblitzten Autos einzupegeln. In der dritten Novemberwoche waren es noch 22 geblitzte Autos in Buchholz. Der „Preis“ für so ein Foto richtet sich nach der Geschwindigkeit und dem Bußgeldkatalog. Der bisherige Geschwindigkeitsrekord liegt bei 129 km/h, gemessen im vergangenen Jahr.

Rekordhalter ist weder Porsche noch Ferrari

Weitere Angaben dazu verböten sich aus datenschutzrechtlichen Gründen, so Klaus Ortmann, der dann doch soviel verrät: „Der Fahrer saß nicht in einem Porsche oder einem Ferrari.“

Wie auch immer: Er dürfte sich noch einige Zeit an sein Buchholzer Blitzerfoto erinnern. Das kostete ihn ein Bußgeld in Höhe von 680 Euro und brachte ihm außerdem ein dreimonatiges Fahrverbot sowie zwei Punkte in der Verkehrssünderdatei ein.