Stendal/Borstel l Jedes Jahr werden in den Tierheimen Deutschlands nahezu 200.000 Tiere neu aufgenommen. Ob die Halter ihres Haustiers plötzlich überdrüssig sind, das einst geliebte Haustier nicht mehr in den Tagesablauf, in die Urlaubspläne oder in die Kosten- oder Erziehungsvorstellungen passt – Gründe oder vielmehr Ausreden gibt es genug. Statt das Tier jedoch ordentlich und angemessen weiterzugeben oder vermitteln zu lassen, wird es – so erleben es die Mitarbeiter des Tierheims Stendal-Borstel auch immer wieder – am Zaun des Tierheims angebunden oder in der Landschaft ausgesetzt.

„Obwohl ständig Informationsveranstaltungen und Aufklärungsaktionen angeboten werden und Strafen von bis zu 25  000 Euro vorgesehen sind, erleben wir solche Situationen fast täglich“, berichtet Tierheimleiterin Antonia Freist.

286 Fundkatzen in einem Jahr

Und so gab es aus Tierheim-Sicht auch im vorigen Jahr neben vielen positiven auch nachdenklich stimmende Entwicklungen und Ereignisse. „Dank kollektiven Handelns der Mitarbeiter, der Unterstützung durch Sponsoren, ehrenamtliche Tierfreunde, aber auch durch die gute Zusammenarbeit mit unseren Außenstellen in Osterburg und Tangerhütte sowie den staatlichen Stellen konnten wir die verantwortungsvolle Arbeit im vergangen Jahr meistern“, resümiert Freist, die die Tierheimleitung seit zwei Jahren innehat, im Volksstimme-Gespräch.

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Genaue Zahlen hat sie natürlich auch parat: Im Jahr 2015 wurden 286 Fundkatzen, 176 Hunde und 17 sonstige Tiere wie Vögel, Meerschweinchen oder Kaninchen versorgt. Hinzu kamen 73 Abgabetiere, die unter anderem durch den Tod des Halters oder wegen Umzug im Tierheim aufgenommen wurden.

Gefährliche Hunde schwer vermittelbar

Erfreulich sei, dass die Anzahl der als gefährlich eingestuften Hunde zurückgegangen sei, aber noch etliche betreut werden müssen – zu vermitteln sind sie allerdings nur schwer. Anders bei „normalen“ Hunden, bei Katzen und Kleintieren: „Wir freuen uns, dass nach ausführlichen Gesprächen und Ratschlägen 219 Katzen, 83 Hunde und 39 Kleintiere ein neues Zuhause bekamen“, sagt Freist, „aber trotzdem sind die Kapazitäten des Tierheims erschöpft.“

50 Ehrenamtliche, Paten und „Gassigeherȁ

Die Anzahl der Katzen, die aufgenommen werden müssen oder von besorgten Bürgern gebracht werden, sei sehr belastend. „Das Problem des ungewollten Katzennachwuchses bedarf einer Lösung, zum Beispiel durch Kastration“, meint die Tierheimleiterin.

Spender und Paten wichtig

Dank der guten Zusammenarbeit mit dem örtlichen Hundeverein, der Tierpsychologin, den Fachleuten vom Wesenstest, mit der Tierärztin, vielen Spendern, aber auch durch Patenschaften ist die Betreuung der Tiere, auch in den Außenstellen in Tangerhütte und Osterburg, jedoch gewährleistet.

Durch die Bevölkerung, die der Einladung zum Tag der offenen Tür, zum Tierheimfest, zum täglichen Besuch und zum Anschauen der Fernsehserie „Tierisch, tierisch“ gefolgt waren, haben die Mitarbeiter zudem den Eindruck gewonnen, dass die Tierheimarbeit im öffentlichen Leben nach wie vor große Beachtung findet. Die Besuche von Politikern und von Vertretern städtischer Einrichtungen sowie vieler Schulklassen bestätigten das.

FÖJ im Tierheim möglich

Die engen Kontakte zum Berufsbildungswerk im Bereich der Ausbildungsarbeit, die Möglichkeiten zum Ableisten eines Freiwilligen Ökologischen Jahres und die Einsätze von fast 50 ehrenamtlichen Tierfreunden, die Patenschaften übernommen haben, oder sogenannter Gassigänger wirken sich positiv auf die Arbeit des Tierheims aus und entlasten auch in einigen Bereichen.

Im Freundeskreis gesammelt

Zu den Unterstütztern des Tierheims gehören zum Beispiel auch Saskia Schwarte und ihr Lebensgefährte Robert Buschke: „Jahrelang war ich Tierpate und Gassigeherin im Tierheim“, erzählte die junge Frau neulich anlässlich einer Spendenübergabe. Beruflich eingespannt, fehle ihr nun aber leider die Zeit dazu. „Die Verbundenheit zum Tierheim ist aber immer noch da, dafür sorgt auch unser Hund Milow, den wir im Tierheim adoptiert haben. Und da ich weiß, wie wichtig Spenden sind, haben wir in unserem Freundeskreis gesammelt.“ So kamen 450 Euro in die Spendendose – über die sich Antonia Freist für das Tierheim riesig freute.

Zweites Katzenhaus soll ersetzt werden

Sie schaut auch zufrieden auf die verbesserten Haltungs- und Arbeitsbedingungen – in Form umgestalteter Ausläufe, der Fertigstellung des neuen Katzenhauses, des Baus einer modernen Kläranlage und der neuen Ausstattung der Betreuungsbereiche beruhen.

Für das Jahr 2016 haben sich die Mitarbeiter – unter ihnen mit Friederike Griese erstmalig auch eine Jugendliche, die im Tierheim eine Berufsausbildung absolviert – einiges vorgenommen: Das zweite alte Katzenhaus soll durch ein neues ersetzt werden, die Einzäunungen sollen erneuert werden und für eine bessere, den Tieren entsprechendere Unterbringung sorgen.