Zur Person – Mario Blasche...

... wurde 1967 in Stendal geboren, wohnt in Baben, ist verheiratet und hat eine Tochter

... ist Verwaltungsfachwirt und hat verschiedene handwerklich-technische Berufe erlernt

...trat 1990 der PDS bei (heute: Die Linke)

... war von 1999 bis 2014 im Stendaler Stadtrat

... ist seit 2005 Mitarbeiter der Landtagsabgeordneten Helga Paschke und seit 2007 Vorsitzender des Kreisverbandes Die Linke Stendal

...ist seit Ende 2014 sachkundiger Einwohner im Kreisausschuss für Bau, Verkehr und digitale Infrastruktur

... engagiert sich im Bündnis für Demokratie und Weltoffenheit im Landkreis Stendal

... ist Mitglied der Laufgruppe Haeder, des SV Post Stendal und der Freiwilligen Feuerwehr Baben

Stendal/Baben l Das passt zu ihm... Im ganzen Dorf nicht ein einziges Plakat mit seinem Konterfei. Mario Blasche lässt in seinem Wohnort Baben Wulf Gallert den plakativen Vortritt. Ja, er ist zurückhaltend, tritt ruhig, aber wenn nötig auch bestimmt auf. So kennt man ihn aus der Stendaler Stadtpolitik. Und doch versteckt sich Mario Blasche nicht. Der 48-Jährige weiß, was er will, er steht zu seiner Meinung, kämpft für das, was ihm wichtig ist. Ein leiser Kämpfer, aber ein beharrlicher.

Punkfrisur und Rockmusik

Das war schon in seiner Jugend so, als er mit Punkfrisur und Rockmusik gegen das System rebellierte, und erst recht als junger Erwachsener. Seine erste Ausbildung, Landmaschinenschlosser mit Abitur, konnte er nicht zum Abschluss bringen. Er wollte nicht zur Berufsarmee, sondern nur den Grundwehrdienst machen. Das war es dann mit dem Abitur. Die Lehre zum Instandhaltungsmechaniker unterbrach die Wende, und Mario Blasche ließ sich zum Gas-Wasser-Installateur umschulen. „Fürs Private ist das alles nicht schlecht“, sagt er mit einem Anflug von Belustigung und schaut sich in dem kleinen Haus um, das er mit seiner Frau Kerstin vor zwei Jahren gekauft hat und in dem noch einiges Handwerkliche gemacht werden soll. Letztlich wurde er Verwaltungsfachwirt: „Ich habe gemerkt, das Arbeiten mit Gesetzen liegt mir.“

Politisches Elternhaus

Auch wenn dieses Gespräch eher eines werden sollte, das die Politik möglichst ausklammert, kann man das bei Mario Blasche kaum voneinander trennen. Schließlich arbeitet er ja für eine Politikerin – im Wahlkreisbüro der linken Landtagsabgeordneten Helga Paschke. „Ich bin schon lange ein politisch denkender Mensch“, sagt Blasche, „ich bin in einem politischen Elternhaus aufgewachsen, die große Politik hat immer eine Rolle gespielt.“ Der Irak-Krieg, der Kampf um das Jugendradio DT 64, die Anti-Atom-Proteste... als das hat ihn geprägt. „Das waren Impulse, mich stärker einzubringen.“ Das tat er dann vor allem im Stendaler Stadtrat – 15 Jahre lang. „Klar, gab es da auch Rückschläge, aber es wurde auch viel erreicht, woran ich persönlichen Anteil hatte.“

Der moderierende Typ

Sich in die Politik zu begeben, bedeutet, Streit abzukönnen; sich durchzusetzen, ohne in diesem Strudel von Debatten, Bürokratismen und Hinterlistigkeiten unterzugehen. Die dafür nötige Kraft und Ruhe gewinnt Mario Blasche aus vielen Dingen: Zunächst einmal aus sich selbst. Er ist der moderierende Typ, der sachliche und ausgleichende – so sieht er sich. „Ich würde sagen, dass ich jemand bin, der gut zuhören kann.“

"Morgens weckt uns der Hahn"

Ruhe gewinnt er auch aus dem Zusammensein mit seiner Familie – seiner Frau Kerstin an erster Stelle. Und er gewinnt die Ruhe aus, ganz einfach: der Ruhe. Seit das Ehepaar Blasche vor zwei Jahren von Stendal nach Baben gezogen ist, haben sie davon ganz viel. 46 Jahre hat Mario Blasche in Stendal gelebt, es ist seine Geburtsstadt. „Wir hatten eigentlich nie vor, Stendal zu verlassen, wir arbeiten ja beide dort und nutzen nach wie vor die Kulturangebote. Aber das Grundstück hier mit seiner Randlage hat uns überzeugt, diese absolute Ruhe. Morgens weckt uns der Hahn vom Nachbarn.“

Und genau dieser Umstand, dass er jetzt in einem altmärkischen Dorf lebt, macht ihm noch einmal stärker bewusst, worum es bei allen Diskussionen über Leben auf dem Lande, demographischen Wandel, Infrastruktur, Daseinsvorsorge überhaupt geht – kurz gesagt, ums Dabeisein, Nicht-abgeschnitten-Sein. „Wenn Sie Ihr Handy mithaben, können Sie ja mal gucken: Wahrscheinlich kein Empfang.“

Abgesehen vom Funkloch, auch die Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr sei dürftig. Der nächste Bahnhof ist in Eichstedt oder Goldbeck. Auch wenn Mario Blasche so oft es geht und im Sommer sowieso mit dem Fahrrad zur Arbeit fährt, musste ein zweites Auto her, seine Frau arbeitet im Krankenhaus im Schichtdienst. Auch für Einkäufe, Arztbesuche und Kultur kann Baben nicht herhalten.

Der Feuerwehr beigetreten

Haben solche Orte wie das 160-Seelen-Dorf Baben überhaupt eine Zukunft? „Ich denke schon, aber es wird zunehmend schwieriger“, sagt der Neu-Dörfler Blasche. Und der Politiker in ihm lässt die Formulierung folgen: „Da muss man im Rahmen der Möglichkeiten das für das Dasein Notwendige vorhalten.“

Aber immerhin: Baben hat eine Feuerwehr. Und der ist Mario Blasche auch so gut wie gleich nach dem Umzug beigetreten. „Vorher hatte ich da nie eine Affinität zu.“ Der Grundlehrgang steht noch aus, zu einem Einsatz wegen eines Unfalls in der Nähe musste er neulich auch schon raus.

Das Laufen macht den Kopf frei

Ach ja, raus – ein gutes Stichwort. Raus muss Mario Blasche eigentlich jeden Tag, einem inneren Drang nach Bewegung folgend. Er ist ein Läufer durch und durch. 2005 hat er das Laufen für sich entdeckt. „Da hat das Leben für mich nochmal eine ganz andere Qualität bekommen.“ Und die Laufschuhe, die hat er eigentlich immer dabei. „Laufen macht den Kopf frei. Laufen in der Natur... was Schöneres gibt es nicht.“

Der Sport, sinniert er, ist ein zunehmend bedeutender Teil in seinem Leben geworden. Er gehört einfach dazu. Genau wie die Politik.