Stendal l Angesichts der Bedeutung der archäologischen Funde stellt sich zwangsläufig die Frage, wie diese künftig Interessierten zugänglich gemacht werden sollen? Eine Variante scheidet allerdings aus, wie Oberbürgermeister Klaus Schmotz (CDU) gestern sagte. Es wird keine Scheibe auf dem Marktplatz geben, die einen authentischen Einblick in den Untergrund gibt. Dies wäre nicht im Sinne des Architekten, der die Marktplatzumgestaltung entworfen hat und sei auch deswegen nicht praktikabel, weil derartige Scheiben schnell zerkratzen, eine Unfallgefahr bergen und schnell unansehnlich aussehen, sagte Schmotz. „Wir haben ja etwas Ähnliches im Theater mit dem Mediengrab, wo auch eine Scheibe im Fußboden eingelassen ist“, sagte der Verwaltungschef.

Er denke vielmehr daran, dass bedeutende Fundstücke im Altmärkischen Museum oder auch einige Ausstellungstafeln im Rathaus aufgestellt werden.„Hinsichtlich der Fundstücke müssen wir allerdings zuerst mit dem Land verhandeln, da sie ja im Besitz der Funde sind“, sagte Schmotz.

Stadtgeschichte muss überdacht werden

Die Archäologen aus Halle, die gestern einen Zwischenbericht zu den Funden gaben, kündigten einen öffentlichen Vortrag an, den es nach Abschluss der Arbeiten geben soll. Noch bis September soll am Stendaler Marktplatz gegraben werden. Allerdings werden die Arbeiten wie geplant Anfang Juni für das Rolandfest (3.-5. Juni) unterbrochen. Hierzu wird die jetzt ausgehobene Marktplatzhälfte wieder zugeschüttet und provisorisch gepflastert. Nach dem Fest wird dann auch die zweite Marktplatzhälfte archäologisch untersucht.

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Nach Angaben von Grabungsleiter Manfred Böhme erhofft er sich weitere Funde zu einer zweiten Markthalle, die im 14. Jahrhundert gebaut worden ist. Die erste Halle wurde ab etwa 1180 gebaut und ist damit die älteste in ganz Mitteleuropa gewesen. Nach Angaben der Archäologen, müsse nach den Funden der vergangenen Monate noch einmal über die Bedeutung Stendals im frühen Mittelalter und der Rolle im Hansebund nachgedacht werden, zu dem Stendal von 1359 bis 1518 gehörte.

Markthalle erstmals 1188 erwähnt

Fundamente der ersten Kaufhalle, die 1188 erstmals urkundlich erwähnt wurde, sind nur noch in wenigen Teilen erhalten geblieben. Die Archäologen konnten den südlichen Umriss der Halle freilegen. Der Rest wurde schon bald wieder abgetragen. Bereits im 14. Jahrhundert wurde eine zweite Kaufhalle gebaut. Dort, wo diese gebaut worden war, müssen zuvor auch schon hölzerne Verkaufsstände gestanden haben. Diese konnten an der westlichen Marktseite mit noch verbliebenen Holzböden nachgewiesen werden.

Grabungsleiter Manfred Böhme hofft, dass er im zweiten Grabungsabschnitt ab Juni vielleicht sogar den kompletten Umriss eines Verkaufsstandes freilegen kann.

Oberbürgermeister Klaus Schmotz frohlockte gestern angesichts der nahezu sensationellen Berichte der Archäologen. „Stendal hatte den ersten Supermarkt Deutschlands“, übersetzte Schmotz mit Augenzwinkern in Klartext. Jetzt werde Stendal „im Weltmaßstab“ noch bekannter, freute er sich. Im Übrigen hat der Rathauschef den wohl besten Blick von seinem Arbeitszimmer auf die Baustelle. Bei der Begehung der Grabungsstelle hatte Schmotz eine Marktplatzansicht von 1670 dabei, eine Nachbildung eines Dioramas, das er um Montag zum 64. Geburtstag geschenkt bekommen hatte.