Stendal l Im vergangenen Jahr fand erstmals der Tag der Städtebauförderung statt. „Das gemeinsam von Bund, Ländern, kommunalen Spitzenverbänden sowie weiteren Partnern getragene Projekt soll die Bürgerbeteiligung in Städtebauförderung und Stadtentwicklung stärken und Projekten in kleineren Gemeinden, Mittel- und Großstädten ein Forum bieten.“ So heißt es auf der Internetseite des Projektes. Bauamtsleiter Georg-Wilhelm Westrum übersetzte das bei einer Pressekonferenz in verständliches Deutsch. „Mit dem Tag soll gezeigt werden, wofür Geld ausgegeben wurde, was den Bürgern manchmal gar nicht so bewusst ist“, sagte er. Nachdem zur Premiere im vergangenen Jahr ein Rundgang knapp 40 Teilnehmer durch die nördliche Innenstadt führte, hat sich Westrum diesmal den Kern und die südliche Altstadt ausgesucht. Und dort gibt es einiges zu sehen.

Grabungsleiter erklärt Ergebnisse

Start der Tour ist der Marktplatz, der durch die Freilegung des größten Kaufhauses aus dem Mittelalter nicht nur für regionale Aufmerksamkeit gesorgt hat. Auch Grabungsleiter Manfred Böhme vom Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie wird vor Ort sein und die Bedeutung des sensationellen Fundes erläutern. Vor allem wegen dieses Programmpunktes rechnet Westrum mit sehr großem Zuspruch. Schon als die Ergebnisse im April im Rathaus vorgestellt wurden, reichten die Stühle im Rathausfestsaal nicht aus. Damit auch alle Zuhörer den Grabungsleiter verstehen, hat Westrum eine Lautsprecheranlage organisiert. Durch die werden dann auch alle Susanne Friederich, zuständige Abteilungsleiterin im Landesamt, verstehen können.

1 Million Euro von der Stadt

Westrum rechnet auch deshalb mit einem großen Zulauf, weil die Grabungsstelle nach jenem Wochenende geschlossen wird, um mit den Vorbereitungen für das Rolandfest zu beginnen. Es findet vom 3. bis 5. Juni statt. Nach etwa einer Dreiviertelstunde geht es über die Marienkirch- und Breite Straße zum Quartier Südwall/Schadewachten. Dort wird Westrum mit alten Aufnahmen etwa von der ehemaligen Druckerei und der stillgelegten Molkerei erläutern, wie aus einem Areal, auf dem sich die Natur wieder breitgemacht hatte, ein Ort zum Einkaufen und fürs innenstadtnahe Parken entstand. „Immerhin hat die Stadt damals fast eine Million Euro beigetragen“, fügte er hinzu.

Bilder

Nächstes Ziel ist die Karlstraße, wo archäologische Grabungen vor dem Lückenschluss des Grundstücks 16-18 immerhin dafür gesorgt haben, dass neue Rückschlüsse auf die Besiedlung Stendals gezogen werden können. Zudem wurden an der Adresse auch Untersuchungen als Kampfmittelverdachtsfläche vorgenommen. Die Bomben auf den Stendaler Bahnhof fielen 1945 nicht weit von dort entfernt.

Wie Gebäude gesichert werden

Wie grundhafter Straßenausbau funktioniert, das will Bauamtsleiter Westrum dann in der 2008 ausgebauten Hallstraße erklären. Dort erläutert er auch, wie Gebäude modernisiert werden und zeigt an konkreten Beispielen, wie Gebäude gesichert werden. In der Hallstraße stehen zum einen die alte Post, die zu einem Mehrfamilienhaus umgebaut wird, und das gegenüberliegende Gebäude an der Ecke zur Deichstraße, aus dem ein Wohn- und Geschäftshaus wird, im Blickpunkt. Nach rund zwei Stunden soll die Tour dann schließlich wieder den Markplatz erreicht haben.

Über 110 Millionen Euro sind seit der Wende in die Sanierung und den Rückbau Stendaler Gebäude und Straßen geflossen. Die Stendaler Altstadt profitiert aus mehreren Programmen zur Städtebauförderung, wie Westrum erläuterte. Dazu gehören das Sanierungsprogramm, Städtebaulicher Denkmalschutz, Stadtumbau Ost sowie Aktive Stadt- und Ortsteilzen­tren.

Nächstes Jahr geht's nach Stadtsee

Nachdem nun zweimal die Innenstadt Ziel des Rundgangs gewesen sein wird, plant Westrum, sich im kommenden Jahr in Stendals größten Stadtteil zu begeben. Stadtsee ist unter anderem im Programm Soziale Stadt. „Da gibt es auch einiges, das man zeigen kann“, kündigte er an.

Der öffentliche Stadtteilrundgang zum Tag der Städtebauförderung am 21. Mai beginnt um 10 Uhr am Marktplatz. Eine Anmeldung ist nicht notwendig, die Teilnahme ist kostenlos. Gegen 12 Uhr soll der Rundgang auf dem Markt enden.