Stendal l Berndt Wilde, Jahrgang 1946, stammt aus Dessau und lebt heute in Berlin. Er studierte in Dresden, war Meisterschüler von Werner Stötzer an der Akademie der Künste in Berlin. Er lehrte später selbst, war weiter produktiv und probierte sich immer wieder neu aus. Wilde hat einen Schulfreund in Stendal, die Verbindung zum Museum war schnell hergestellt. Verbindung gibt es, gemäß der Ausrichtung des Winckelmann-Museums, auch zur Antike. Figuren des Pergamon-Altares oder des Parthenonfrieses gehören zu seinem Schaffen, ebenso wie die Gestalt der Ariadne.

Viele Skulpturen sind aus Holz

Die Stendaler Ausstellung zeigt die Vielseitigkeit des Künstlers aus verschiedenen Schaffensperioden. Ausgestellt ist sein frühestes Werk, 1966 entstand aus dem Holz-Block, auf dem sein Vater Heizmaterial zurechthackte, der „Kopf (Mann)“ aus Eiche. Holz ist eines der bevorzugten Stoffe Wildes. Für seine hohen Skulpturen nutzt er mitunter eigens im Garten gefällte Bäume, wie etwa „Stehende Figur“ aus Lindenholz. Auch Figuren aus Sandstein und Bronze sind zu betrachten. Für Ariadne-Figuren verwendete Wilde kristallen schimmernden Marmor.

Inspiration waren Reisen

Einige der großen Figuren sind im Museumshof ausgestellt, andere in den Ausstellungsräumen. „Der Hof schreit danach, Skulpturen auszuhalten“, formuliert es Wilde. Das Adam- und Eva-Motiv treibt den Künstler um. Scheint es beim ersten Blick nur ein Körper zu sein, den seine Sündenfall-Skulptur darstellt, so findet sich doch die zweite bei eingehendem Studium. Der Betrachter geht auf Entdeckungsreise innerhalb des Steins. „Sehen, was in ihm ist“, beschreibt es Wilde. „Dem Stein die Schwere nehmen.“ Er spricht auch davon, „Gedanken in den Stein zu pflanzen“.

Martialisch präsentiert sich seine hölzerne Stehle „Boxer“, in dessen Gesicht blutrote Farbe zur Verwendung kam und dessen Boxhandschule blutrot sind. Klares Bild des Kämpfers. Im Kontrast dazu können Wildes Darstellungen kubistische Formen annehmen, so „Große Liegende“ aus Bronze. Wilde probierte sich aus, zeichnete mit Silberstift (die Zeichnungen sind erstmals ausgestellt), schuf Collagen und Grafiken. Bereits 1979 hatte er die Möglichkeit, nach Italien zu reisen, war hier zu Collagen inspiriert. Eine von ihnen nutzt das bekannte Gemälde, das Goethe in Italien zeigt, als originelle Vorlage.

Bemerkenswert sind selbstverständlich auch Wildes New-York-Zeichnungen, für die er Kassenbons verwendete. Kleinste, architektonische Formen zeigende Werke finden sich so auf Belegzetteln des Konsums. Wieder fand Wilde neue Ausdrucksformen seiner Kunst, die während eines zweimonatigen Aufenthaltes in der Metropole entstanden.

Offiziell öffnet die Ausstellung am Freitag, 17. Juni. Bereits jetzt hält sie das Winckelmann-Museum offen. Gelegenheit, das vielseitige Werk Berndt Wildes in Augenschein zu nehmen, besteht bis zum 31. Juli.