Stendal l Um 9 Uhr öffnete am Donnerstag das Sonderpostamt im Stendaler Rathaus. Schon eine halbe Stunde zuvor schauten die ersten Briefmarkenliebhaber neugierig durch die Tür. Sie waren ganz scharf auf die Sonderbriefmarke mit dem Konterfei von Johann Joachim Winckelmann, die aus Anlass seines 300. Geburtstages herausgegeben wurde, sowie auf das damit verbundene Ersttagsblatt der Post und den Schmuckumschlag des Briefmarkenvereins „Stendaler Roland“ samt Sonderstempel.

„Es läuft wirklich gut. Mit so einem Andrang habe ich nicht gerechnet“, freute sich „Roland“-Vorstandsmitglied Torsten Leese. Und Schatzmeister Eberhard Werner ergänzte: „Schon im Vorfeld gab es um die 100 Bestellungen für unseren Schmuckbrief. Bundesweit, vor allem aus Nordrhein-Westfalen. Und auch aus Österreich und aus den Niederlanden.“

Berlinerin entwarf Marke

Lothar Kaminski schaute selbst vorbei. Er ist ja auch aus Stendal. „Ich bin Briefmarkensammler, in keinem Verein organisiert, aber mit Freude an der Sache dabei“, erzählte er. Er hat gleich drei gute Gründe, bei der Erstausgabe zuzuschlagen: seine Sammelleidenschaft, sein philatelistisches Spezialgebiet Deutschland und das Winckelmann-Jubiläum.

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Das Jubiläum war dann auch der Grund für die Ausgabe der Sonderbriefmarke. Das bestätigt Dieter Stephan, Koordinator des „Erlebnis-Briefmarken“-Teams, das unter anderem die Sonderpostämter der Deutschen Post betreibt. „In diesem Jahr feiern wir Winckelmanns 300. Geburtstag. Er ist bedeutend für die Geschichte Deutschland, die Würdigung mit einer Briefmarke angebracht“, schätzte Stephan ein.

Aus diesem Grund hatte die Winckelmann-Gesellschaft das Sonderpostwertzeichen beim Finanzamt beantragt. Mit Erfolg. Die Marke, entworfen von der Grafikerin Susann Stefanizen aus Berlin, hat einen Wert von 70 Cent, mit dem ein Standardbrief innerhalb Deutschlands verschickt werden kann. Sie ist nicht selbstklebend, sondern ein sogenannter Nasskleber, erklärte Stephan.

Die Briefmarke kommt in einer Auflage von rund fünf Millionen Stück auf den Postmarkt. Deutlich rarer sind Ersttagsblatt und Schmuck-umschläge. Echte philatelistische Sammelobjekte, schätzte Helge Schinkel, stellvertretender Landesvorsitzender des Philatelistenverbandes, ein.

Ansichtskarte mit Archäologen

Apropos philatelistische Sammelobjekte. Sauer stieß Briefmarkenfreunden auf, dass ein „Trittbrettfahrer“ ebenfalls am Donnerstag in der Stendaler Innenstadt einen privaten Markenblock mit Winckelmann-Motiven anbot. Mit Philatelie, so Fachleute vom Sonderpostamt und „Roland“-Verein, habe das nichts zu tun.

Am Rande des Sonderpostamtes im Stendaler Rathaus gab es ein weiteres Winckelmann-Erzeugnis. Eine Ansichtskarte mit dem Bildnis der Begründers der modernen Archäologie aus Stendal, die die Hansestadt in Auftrag gegeben hatte. „Eine Maximumkarte. Maximum, weil Karte, Briefmarke und Stempel maximal thematisch übereinstimmen“, erklärte Helge Schinkel.