Zusammenleben

350 Besucher feiern in Stendal Fest der Begegnung und jubeln Anna-Carina Woitschack zu

In Stendal hat sich für Menschen mit Behinderung schon vieles verbessert. Doch Barrierefreiheit herrscht noch längst nicht überall, kritisierten Betroffene beim Fest der Begegnung im Stendaler Tiergarten.

Von Andreas König
Anna-Carina Woitschack begrüßt Marcus Graubner, den Vorsitzenden des Allgemeinen Verbandes der Behinderten in Deutschland. Er hatte die Sängerin angesprochen, ob sie in Stendal beim Fest der Begegnung auftreten würde und sie hat ?ja? gesagt.
Anna-Carina Woitschack begrüßt Marcus Graubner, den Vorsitzenden des Allgemeinen Verbandes der Behinderten in Deutschland. Er hatte die Sängerin angesprochen, ob sie in Stendal beim Fest der Begegnung auftreten würde und sie hat ?ja? gesagt. Andreas König

Stendal - Wenn Denise Schmidt mit dem Zug verreisen möchte, muss sie das drei Tage vorher anmelden. „So sind die Bestimmungen bei der Bahn“, berichtet die Rollstuhlfahrerin auf der Bühne im Tiergarten. Es ist Sonntagnachmittag und zum 28. Fest der Begegnung sind etwa 300 Besucher erschienen. Menschen mit und ohne Behinderung füllen die vielleicht etwas knapp bemessenen Sitzplätze.

In einer Talkrunde berichten Marcus Graubner, Anne Kopp und eben Denise Schwarz von ihren Erfahrungen als Menschen mit Behinderung. Anne Kopp etwa ist blind. Sie findet die neuen Leitplanken in den Bushaltestellen Stendals gut.

Weniger gut ist die Tatsache, dass sei eine Begleitung für sich beispielsweise bei der Bahn anmelden muss – und das mit 24 Stunden Vorlauf. Doch da haben es körperbehinderte Menschen noch einmal schwerer, wie Denise Schmidt schildert. „Wenigstens ist die Reservierungsnummer jetzt keine teure Hotline mehr“, sagt sie.

Teilhabe und langsamer Fahrstuhl als Erfolg

Bei einer  Talkrunde schildet Denise Schmidt (zweite von rechts) ihre Erfahrungen als Rollstuhlfahrerrin mit der Bahn.
Bei einer Talkrunde schildet Denise Schmidt (zweite von rechts) ihre Erfahrungen als Rollstuhlfahrerrin mit der Bahn.
Andreas König

Für Sebastian Stoll, den Ersten Beigeordneten des Landrates, ist das „Teilhabemanagement des Landkreises“ eine der wichtigsten Errungenschaften, um Menschen mit Behinderung zu helfen. Er hofft, dass die Finanzierung auch nach dem Auslaufen der jetzigen Förderung 2022 weitergeht.

Der Stendaler Oberbürgermeister Klaus Schmotz nennt als Erfolg für Menschen mit Behinderung den zwar langsamen, immerhin aber zuverlässigen Aufzug am Rathaus, auch wenn dessen gemächliches Tempo vielfach belächelt wird.

Als ersten Kulturbeitrag interpretiert der Gehörlose Steffen Klein Herbert Grönemeyers „Musik nur, wenn sie laut ist“. Er trägt ein T-Shirt mit der selbstironischen Aufschrift „100 Prozent gehörlos – Bin ’ne Taube“.

Der Gehörlose Steffen Klein interpretierte ?Musik nur, wenn sie laut ist? von Herbert Grönemeyer.
Der Gehörlose Steffen Klein interpretierte ?Musik nur, wenn sie laut ist? von Herbert Grönemeyer.
Fotos Andreas König

Gäste beklatschen Magdeburger Duo und feiern den Stargast des Tages

Schon das Duo Antje und Conny aus Magdeburg werden frenetisch beklatscht und müssen eine Zugabe bringen. Als der Stargast des Tages angekündigt wird, gibt es kein Halten mehr. Wie eine Fee schwebt Anna-Carina Woitschack auf die Bühne. Konfettikanonen detonieren, Handys werden gezückt, die nach Kultur dürstenden Menschen sind aus dem Häuschen. Auch die Familie der Sängerin ist da und – unter der FFP-2-Maske kaum zu erahnen, Ehemann und volkstümlicher Trompeter Stefan Mross. Die in Kamern am See wohnende Anna-Carina Woitschack gibt ein Medley ihrer Hits zum Besten und begrüßt Marcus Graubner. Der Tangerhütter, der sich seit Jahren für die Belange behinderter Menschen einsetzt, ist einer ihrer größten Fans und hat den Auftritt in Stendal eingefädelt.

Der kleine John Jonathan (5) aus Osterburg nahm beim Fest der Begegnung im Stendaler Tiergarten am Quiz teil.
Der kleine John Jonathan (5) aus Osterburg nahm beim Fest der Begegnung im Stendaler Tiergarten am Quiz teil.
Andreas König