Stendal l Noch ist es schwer vorstellbar, dass Lkw-Kolonnen und zig tausend Pkw täglich durch den beschaulichen Ortsteil Uenglingen poltern. Doch mit der Fertigstellung der A-14-Verlängerung zwischen Lüderitz und Stendal wird es Realität sein, „wenn wir nicht endlich etwas dagegen tun“, mahnt Herbert Wollmann.

Der Vorsitzende der Fraktion SPD/FDP/Ortsteile lässt gegenwärtig kaum eine Gelegenheit aus, das Problem einer erhöhten Lärm- und Abgasbelastung sowie eines steigenden Gefahrenpotenzials für die Einwohner in Uenglingen öffentlich anzusprechen. Den Ortsteil durchquert die Landesstraße 15, die künftig die Zufahrt zur A 14 ist.

Drohender Verkehrskollaps

Es gibt jedoch eine Alternative, auf die der 68-jährige Mediziner immer wieder deutlich hinweist und zu der es seit Mai einen Stadtratsbeschluss gibt. Wollmann und die Fraktion sehen dringenden Handlungsbedarf, bevor der Verkehrskollaps den Stadtrand von Stendal erreicht. Sie fordern mit Nachdruck den Oberbürgermeister Klaus Schmotz (CDU) auf, den Beschluss umzusetzen. Dieser besagt, dass Schmotz in Zusammenarbeit mit dem Landesstraßenbauamt dafür zu sorgen hat, dass eine neue Landesstraße 15 gebaut wird, die die A-14-Anschlussstelle Stendal-Mitte mit der Bundesstraße 189 verbindet.

Bilder

Diese Idee der sogenannten Westspange ist nicht neu, sie wurde bereits 2009 im Zuge einer Machbarkeitsstudie für ein Gewerbegebiet am Flugplatz Borstel entwickelt und existiert zumindest auf dem Papier. Diese etwa 5 Kilometer lange L 15n würde im Bereich der A-14-Anschlussstelle Stendal-Mitte von der jetzigen L 15 abzweigen, in Richtung Flugplatz führen und hinter Borstel auf die Bundesstraße 189 münden.

Entlastung auch für Stendal

Die Spange hätte den Vorteil, „dass nicht nur Uenglingen, sondern auch die Hansestadt erheblich vom Durchgangsverkehr entlastet wird“, betont Herbert Wollmann. Zudem würde das vorhandene und weiter zu entwickelnde Wohngebiet in Uenglingen entschieden weniger beeinträchtigt werden.

Es soll dennoch zusätzlich geprüft werden, ob eine weitere Ampelanlage oder ein Kreisverkehr in der Ortslage Uenglingen mit der A-14-Fertigstellung benötigt wird, um eine zügige Befahrung aus dem Wohngebiet für die Anlieger zu ermöglichen und die Sicherheit der Fußgänger und Radfahrer zu erhöhen.

Land tut sich schwer mit L15n

Priorität hat jedoch die Forderung, den Bau der L 15n als Ortsumfahrung für Uenglingen und direkte Zufahrt für ein künftiges Gewerbegebiet Stendal-Nord voranzutreiben. Bislang tut sich nämlich das Landesverkehrsministerium schwer, sich mit dieser Idee anzufreunden. Bei einer Stippvisite an der Ortsumgehung von Schernikau im August sagte Verkehrsminister Thomas Webel (CDU) auf Volksstimme-Nachfrage: „Sie ist für uns überhaupt noch gar kein Thema.“

Wenig aussagekräftig ist die Antwort von Uwe Langkammer, Präsident der Landesstraßenbaubehörde Sachsen-Anhalt, auf die Anfrage von Stendals Oberbürgermeister, die Schmotz nach dem Stadtratsbeschluss im Mai gestellt hatte. Sie liegt der SPD/FDP/Ortsteile-Fraktion vor und wird als „unkonkret“ empfunden. In dem Schreiben erachte es Langkammer als „geboten“, die L 15n-Ortsumfahrung im Rahmen der anstehenden Überarbeitung des Landesverkehrsplans zu betrachten. „Das Ergebnis dieser Untersuchung und die damit verbundene Bewertung sowie Priorisierung des Vorhabens bleiben jedoch abzuwarten“, so der Präsident.

Klage steht im Raum

Leider habe sich Stendals Oberbürgermeister nach dem Antwortschreiben von Langkammer auch fürs „Abwarten“ entschieden, kritisiert Wollmann. Schmotz habe in der Hauptausschussitzung am 30. September ihm gegenüber zu erkennen gegeben, „dass er nichts mehr unternehmen wird, um sich aktiv für den Bau der L 15n einzusetzen“.

Das könnte sich ändern, wenn die SPD/FDP/Ortsteile-Fraktion in Anlehnung an die Klage von Seehausen/BUND gegen den A-14-Bau nun Stendals Oberbürgermeister beauftragt, eine ähnliche Klage beim Bundesverwaltungsgericht einzulegen, um den Bau der L 15n vom Land zu erzwingen. Der Klage-Antrag müsste am Montag, 14. Oktober, zur Stadtratssitzung gefasst werden.