Stendal l Investor Peter zum Felde hörte sich am Mittwochabend in aller Seelenruhe im Rathaussaal die Diskussionen im Stadtentwicklungsausschuss an, wohl wissend, dass er an diesem Abend nichts zu seinen Plänen zur weiteren Ausgestaltung des Uenglinger Bergs sowie des nördlichen Areals am Justizzentrum sagen zu durfte. Die Regularien des Stadtrates lassen dies nicht zu, wenn er nicht ausdrücklich eingeladen wird.

Zwölf Märkte im nahen Umkreis

„Ich bin völlig dagegen, dass wir noch einen weiteren Lebensmittelmarkt bekommen“, sagte Harriet Tüngler (Fraktion SPD/FDP/Piraten/Ortsteile) und brachte die Diskussion um die Investoren-Pläne sofort auf den kritischen Punkt. In gleicher Weise äußerte sich Joachim Röxe (Linke). Zum Felde möchte einen Lebensmittelmarkt mit einer Verkaufsfläche von 1100 Qua­dratmetern an den bestehenden Home-Market (siehe Grafik) ansiedeln. Laut Vorhaben- und Erschließungsplan sind auf dem Areal am Uenglinger Berg, das der Investor in den vergangenen Jahren zu einem vorzeigbaren Gewerbegebiet umgebaut hat, lediglich einen Markt mit einer Größe von 250 Quadratmetern vor. „Das ist heutzutage keine realistische Größe für einen Lebensmittelmarkt“, sagt zum Felde.

Im Umkreis von 1,5 Kilometern gibt es derzeit zwölf Lebensmittelmärkte. Nach einem Gutachten, dass zum Felde hat erstellen lassen, würden „keine schädlichen Auswirkungen auf die zentralen Versorgungsbereiche“ haben. Der kalkulierte Jahresumsatz von 4,2 Millionen Euro würde zwar zu einer „Intensivierung des Wettbewerbs“ führen, die Umsatzverlagerung sei aber von den Mitbewerbern zu verkraften. Die Verwaltung sieht dagegen eine Schwächung der Einzelhandelsstruktur in den nächstgelegenen Stadtteilzentren.

Kein attraktives Wohnumfeld

Eine Änderung des Vorhaben- und Erschließungsplanes lehnten drei Ausschussmitglieder ab, sechs enthielten sich und zwei stimmten zu. Schlussendlich muss der Stadtrat am 3. April entscheiden.

Aber nicht nur der Lebensmittelmarkt wird kritisch von Politik und Verwaltung gesehen, auch die geplanten Wohnhäuser treffen nicht auf ungeteilte Zustimmung. „Das ist ein Gewerbegebiet dort“, sagte Jürgen Schlafke (SPD). Auch die Nähe zur Eisenbahnlinie mache das Areal nicht zu einem attraktiven Wohnumfeld. Für Hans-Jürgen Borstel von der städtischen Bauaufsicht ist auch der Abriss der alten Kasernengebäude nicht unproblematisch. „Das müssen wir mit der Oberen Denkmalbehörde abstimmen.“

Knappe Unterstützung bei Häuserbau

Der Investor möchte insgesamt fünf historische, aber mittlerweile stark eingefallene Gebäude der ehemaligen Husaren-Kaserne abreißen und Mehrfamilienhäuser darauf errichten. „Ich verstehe nicht, warum mir die Stadt das Gelände verkauft, wenn ich damit nichts machen kann“, sagt zum Felde. Dann müssten sie dieses eben zurückkaufen.

Nach Ansicht der Verwaltung kollidieren die Pläne des Investors mit dem Bebauungsplan „Albrecht der Bär“, der 1999 aufgestellt wurde. Im Stadtentwicklungsausschuss fand sich immerhin eine kleine Mehrheit (4 Ja-Stimmen bei 2 Nein-Stimmen und 5 Enthaltungen), die dem Investor zumindest bei den Plänen für die Wohnhäuser ihre Zustimmung gibt.