Stendal l 50 Jahre Abitur gibt es ja eigentlich jedes Jahr. Nur, dass nicht jeder dieses Jubiläum feiert, geschweige denn das Zusammentreffen der Ehemaligen aller Klassen eines Jahrgangs auf die Beine stellt. Der Freundeskreis des Winckelmann-Gymnasiums und die Schule aber haben im vorigen Jahr damit begonnen, dieses „Gold-Abitur“ zu organisieren. Das diesjährige Treffen, das am Sonnabend stattfand, fügte sich noch dazu in ein ganz besonderes Jubiläum ein: den 250. Todestag Johann Joachim Winckelmanns, des Namenspatrons der Schule am Westwall.

Drei Lehrer dabei

Fast alle Schüler der vier Klassen des Abi-Jahrgangs 1968 konnten ausfindig gemacht werden, Freundeskreis-Vorsitzender Burkhard Jochemzyk hatte dafür allen Ehrgeiz und alle Spürnasigkeit aktiviert. Und es gelang ihm sogar, drei der damaligen Lehrer zum Kommen zu bewegen: Camelia Güssau, Ingeborg Köhler und Horst Mühlbauer. Letzterer wird noch immer umschwärmt. „Der war nicht streng oder schrie einen an, nein, der machte das ganz subtil, mit so einem bedauernden, traurigen Blick“, erinnert sich eine Schülerin, wie der Lehrer ihr das Abgucken in der Mathearbeit ganz schnell abgewöhnt hat.

Derlei Erinnerungen sind es wohl, die solche Treffen ausmachen. Erst das Bemühen, den ein oder anderen überhaupt wiederzuerkennen, dann das Leuchten in den Augen und gegenseitige Fragen „Weißte noch...?“ Davon gab es auch bei diesem Wiedersehen reichlich, und alle scheinen einen besonderen Zusammenhalt, eine enge Zusammengehörigkeit erlebt und gepflegt zu haben. Manche treffen sich ohnehin regelmäßig.

Bilder

Der Stolz, auf diese Schule gegangen zu sein, spricht an diesem Tag aus vielen Gesichtern und Erzählungen. Etwas, das verbindet – damals wie heute. „Von Ehemaligen hören wir immer wieder, dass sie mit ihrer Ausbildung hier etwas anfangen konnten, dass sie eine solide Grundlage war. Auch ohne die besten Noten gehabt zu haben“, sagte Schulleiterin Anke Bollmann in ihrer Begrüßungsrede. Bestätigung dafür gab es in der großen Runde vielfach – zufriedenes Fazit: „Aus allen ist was geworden.“ Und aus nicht wenigen sind Lehrer geworden, allein aus der Klasse 12b3 haben von 25 Absolventen neun diesen Berufsweg eingeschlagen.

Dass das Treffen der „Winckelmänner“ nun ausgerechnet auf das Todestagsjubiläum des Schulnamenspatrons fiel, sei Zufall gewesen, wurde aber von den Ehemaligen genutzt, um am Denkmal einen Kranz niederzulegen. So wie auch schon vor 50 Jahren. Hans-Heinrich Socha hatte das Foto dabei, das die Abiturienten in Schlange stehend vor dem Denkmal zeigt, kurz nachdem sie ihre Abiturzeugnisse erhalten hatten.

Größe durch Taten beweisen

Die Verbindung nicht nur zur Schule, sondern auch mit der Person Winckelmann sei bis heute eng. „Viel haben wir über Winckelmann in der Schule eigentlich nicht gelernt, aber sein Spruch ‚Edle Einfalt und stille Größe‘, den kannten wir“, sagt eine Ehemalige. Um genau dieses Credo geht es auch heute, wie Anke Bollmann betonte: „Die Schüler sollen nicht laut protzen, sondern ihre Größe durch Taten beweisen.“

Unter anderem auch deshalb könne man die verschiedenen die Schulidentität ausdrückenden Dinge wie Tassen, Tragetaschen oder Kugelschreiber nicht einfach kaufen, wie die Schulleiterin heiter kundtat: „Die muss man sich verdienen.“ Leiser bedauernder Kommentar aus Reihen der 68er Abiturienten: „Leider zu spät.“ Zum Ausgleich bekamen sie dann ja aber jeder eine Urkunde zum Gold-Abi und eine exklusive Winckelmann-Gymnasium-Postkarte überreicht.