Schweinepest

Afrikanische Schweinepest: Landkreis und Kreisbauernverband schätzen die Lage in und um Stendal ein

In Brandenburg ist die Afrikanische Schweinepest schon lange präsent. Um einen Ausbruch im Landkreis Stendal zu verhindert, wurden bereits Maßnahmen eingeleitet. Der Kreisbauernverband schätzt diese als noch ausbaufähig ein.

Von Leon Zeitz
Die Afrikanische Schweinepest ist auf dem Vormarsch. Der Landkreis Stendal ist sich der Gefahr des Ausbruchs der Krankheit bewusst und bereitet sich vor.
Die Afrikanische Schweinepest ist auf dem Vormarsch. Der Landkreis Stendal ist sich der Gefahr des Ausbruchs der Krankheit bewusst und bereitet sich vor. Foto: dpa

Stendal - In Brandenburg ist die Afrikanische Schweinepest (ASP) bereits vor geraumer Zeit ausgebrochen. Für den Menschen ist sie zwar ungefährlich, doch endet sie für infizierte Schweine in den meisten Fällen tödlich. Die Tiere verenden innerhalb weniger Tage. Besonders für Schweinebauern ist es eine stressige und belastende Situation.

Der Landkreis Stendal ist sich der Bedrohung durch die Krankheit bewusst. Für den Landkreis Stendal wurde jedoch erst einmal eine Entwarnung ausgesprochen. „Derzeit sind in Sachsen-Anhalt und auch im Landkreis Stendal keine Fälle zu verzeichnen“, teilt Angela Vogel mit.

Dennoch bereite sich der Landkreis umfassend auf den Ausbruch der Afrikanischen Schweinepest vor, so die Leiterin des Büros des Landrates. „Eine der wichtigsten Maßnahmen ist die Verschärfung der Biosicherheitsmaßnahmen auf den landwirtschaftlichen Betrieben, um einen Ausbruch in schweinehaltenden Betrieben zu verhindern“, sagt sie.

So wurde unter anderem ein Stab für außergewöhnliche Ereignisse eingerichtet, der regelmäßig arbeitet und vorbereitende Entscheidungen im Falle eines Ausbruchs trifft. Weiterhin wurden umfangreiche Materialanschaffungen getätigt. Dazu zählt die Anschaffung von 50 Kilometer Elektrozaun, um eventuelle Ausbruchsgebiete schnell einzäunen zu können.

Auch, wenn die Schweinepest für den Menschen ungefährlich ist, kann dieser die Krankheit auf die Tiere übertragen, wenn er beispielsweise mit infizierten Wildschweinen in Kontakt gekommen ist. Die Erreger für die Krankheit gelangen dann von der Kleidung des Menschen zum gesunden Tier. Daher wurden zudem 1500 Schutzanzüge zur Bergung von verendetem Wild sowie im großen Umfang Desinfektions- und Schutzmaterialien angeschafft.

Kreisbauernverband bleibt wachsam

Das Gefährliche an der Afrikanischen Schweinepest ist ihre nur eingeschränkte Kontrollierbarkeit. „Da auch Wildschweine befallen werden, geht die Bekämpfung aufgrund der unkontrollierten Ausbreitungstendenz mit großen Herausforderungen einher“, sagt Angela Vogel. Dennoch ist aktuell für den Landkreis Stendal von keiner akuten Bedrohung auszugehen.

Die Geschäftsführerin des Kreisbauernverbands in Stendal, Kerstin Ramminger, schätzt die Situation etwas anders ein. Zwar sei ihr zurzeit auch kein Fall im Landkreis bekannt, doch sollte die Lage nicht auf die leichte Schulter genommen werden. „Seit über zwei Jahren beschäftigen wir uns mit dem Thema“, sagt sie, da es schnell zu einem Ausbruch kommen kann.

Der Kreisbauernverband arbeitet fest mit dem Landkreis zusammen, um effektive Präventionsmaßnahmen zu erstellen, um die Gefahr eines Ausbruchs der Afrikanischen Schweinepest so gering wie möglich zu halten.

Allerdings würde sich Kerstin Ramminger wünschen, dass in ihren Augen unnötige Hindernisse verschwinden. „Bei der Schweinepest muss schnell gehandelt werden. Doch teilweise wird man auf der Verwaltungsebene ausgebremst. Das ist ein großes Problem“, sagt sie. Es würde viel zu viel Zeit für Verwaltungsfragen verloren gehen, anstatt einfach zu handeln.

Zudem stehen noch viele Fragen im Raum, die noch offen sind. So zum Beispiel, wer im Fall eines Ausbruchs die betroffenen Landwirte entschädige und wie es für sie nach der Bekämpfung der Krankheit weiter gehen soll.

Was laut Kerstin Ramminger häufig nicht ganz bedacht wird, sind die weitreichenden Folgen der Krankheit: „Bei einem Ausbruch muss das befallene Gebiet komplett gesperrt werden. Da darf dann niemand mehr hin. Das heißt, es kann dort nichts mehr gesät oder geerntet werden.“ Somit gehen mit der Afrikanischen Schweinepest umfangreiche wirtschaftliche Folgen einher. Dies wird auch von Angela Vogel bestätigt.

Die Gesamtsituation ist noch unbefriedigend

Es funktionieren jedoch schon viele Dinge gut. „Die Bauern kümmern sich gut um ihre Schweine und jeder tut, was er kann“, sagt Kerstin Ramminger lobend. Es wird streng darauf geachtet, dass Wildschweine keine Kontakte zu den Hausschweinen haben. Es herrsche ein reger Kontakt zu den Jägern. „Das klappt gut. Die Präventionsmaßnahmen werden von allen eingehalten“, sagt sie. Dennoch ist sich die Geschäftsführerin des Verbandes der Gefahr des Ausbruchs stets bewusst. Es seien viele Dinge auf einmal, auf die geachtet werden müsse. So dürfe zum Beispiel auch das Futter auf keinen Fall kontaminiert werden.

Für Kerstin Ramminger steht fest: „Die Afrikanische Schweinepest rückt näher.“ Auch, wenn einiges schon gut funktioniere, sei die Gesamtsituation unbefriedigend und ausbaufähig. Sie habe das Gefühl, dass der Landkreis Stendal nicht gut vorbereitet ist. „In anderen Ländern, wie beispielsweise Belgien, wird die Situation besser angegangen“, sagt sie. So wurde in Belgien eine gezielte Vernichtung der Wildschweinpopulation in betroffenen Zonen angestrebt und Hausschweine vorsorglich gekeult.