Stendal l Man würde ja meinen, es sind schon genug Reden gehalten worden über den Klimawandel und die Dringlichkeit, etwas dagegen zu tun. Das hatten auch die Initiatoren der „Aktion Zukunft“ im Sinn, zu der sie am gestrigen Freitag aufgerufen hatten und die explizit kein Klima-Streik sein sollte. Vielmehr wollte man konkret werden und Ideen vorstellen, wie Einzelne in Stendal etwas für den Umweltschutz tun.

Ein aufrüttelnder Satz

Dieses Ansinnen ging zunächst in den durchaus richtigen, aber eben weitgehend sehr allgemeinen, altbekannten Redebeiträgen auf dem Marktplatz unter: dass etwas geschehen muss, die Politik aber untätig ist, dass man es nur gemeinsam schaffen kann, dass man jetzt den großen Wurf braucht, dass Politik, Wirtschaft und Naturschutz zusammengedacht werden müssen. Offenbar muss man solche Dinge doch immer wieder sagen, damit irgendwann ein kollektives Begreifen einsetzt. Ingrid Fröhlich Groddeck sprach den aufrüttelnden Satz: „Wir müssen uns dran erinnern, wie vor 30 Jahren: Wir sind das Volk.“

Marion Zosel-Mohr als Mitorganisatorin nahm es jedenfalls mit einem Lächeln, dass sich so mancher nicht an das Fünf-Minuten-Limit hielt: „Es gibt halt Redebedarf.“ Dass den aber offenbar außer dem SPD-Landratskandidaten Patrick Puhlmann kein einziger Kommunalpolitiker sah, war wohl weniger als Zeichen dafür zu werten, dass die Abwesenden derweil gerade in Sachen Klimaschutz unterwegs waren.

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Andere motivieren

Auf der zweiten Stendaler Klima-Demo präsent zu sein, war rund 200 Menschen wichtig. „Natürlich bringt es was, auch wenn es nicht so groß wie in Berlin ist“, meinte Studentin Luisa Simon, „man kann damit aber andere Leute motivieren.“ Klimaschutz sei wichtig, da ist Sebastian Jokmin „einfach sehr aufmerksam“, wohne selbst klimaneutral. Seine Söhne Fritz und Johann tragen ein selbstgemaltes Schild: „Es ist unsere Zukunft“.

Dass man selbst sein Leben ändern muss und kann, um seinen CO₂-Ausstoß zu verringern, hat Harald Hoffmann nach eigenem Bekunden begriffen. Er war aus Eisleben zu Besuch in Stendal und trug sein Anliegen samt Vorschlägen anschaulich auf einem Plakat im Rucksack mit sich. „Ich habe das Gefühl, dass es gerade so einen kleinen Ruck gibt.“

Ideen geteilt und erfragt

Konkret wurde es dann wie versprochen auch: In der Marienkirche präsentierten sich Stendaler und altmarkweit aktive Initiativen, Geschäftsleute und Vereine, darunter der Nabu und das Werbener Bürgermobil wie auch der Eine-Welt-Laden Stendal, den Heidrun Frobel repräsentierte. Sie war da, „weil das Weltklima alle angeht“. Den Aspekt des Fairen Handels findet sie beim Klimaschutz unerlässlich, denn nur so „haben auch die Menschen in Afrika und Asien bessere Lebens- und Umweltbedingungen“.

Den Stand nebenan teilten sich Yvonne Riesmann vom Unverpackt-Laden und Studentin Kristina Oelze. Sie zeigten Alternativen zu Einwegartikeln auf und stellten umweltfreundliche Dinge für Haushalt und Körperpflege vor. Und so simpel feste Seife, Teeei und Stoffbeutel sein mögen – viele Leute müssen sich erst wieder daran gewöhnen.

Schließlich wurden an einer Pinnwand von der Freiwilligen-Agentur Altmark „Ideen für Stendal“ gesammelt, wie die Stadt umweltfreundlicher und energiesparender sein könnte. Natalie Salomé Ring notierte „kompostierbare Hundekotbeutel“. Ihre Kommilitonin Katja Veit kommentierte die Lage derweil so: „Derzeit ist es bequemer, billig und umweltschädlich zu leben. Stattdessen sollte doch Klimaschutz bequemer sein.“