Aus dem Forderungskatalog

Klares Bekenntnis zum Stendaler Standort

Intelligentes Zukunftskonzept, Alternativmöglichkeiten

Strategieplan für den Wissenstransfer an die künftige Generation (Hintergrund: in acht Jahren ist die Hälfte der Belegschaft älter als 60 Jahre)

Zukunftsorientierte Personalplanung

Erhaltung der Berufsausbildung in Stendal

Übernahme guter Leiharbeiter und Azubis

Entfristung befristeter Arbeitsverträge

Schlüsselpositionen in die Hände eigener Mitarbeiter

gut ausgebildete und erfahrene Mitarbeiter im Werk halten

Stendal l Nachdem Ende Januar 2019 bekannt wurde, dass Alstom die Endmontage der in Stendal entwickelten und hier bislang auch produzierten Hybridlok H3 in sein Werk in Salzgitter verlagern wird, bekamen die Befürchtungen, das Stendaler Werk steuere in eine ungewisse Zukunft, immer wieder neue Nahrung.

Politiker aller Couleur erklärten sich mit den Beschäftigten des Stendaler Alstom-Werkes solidarisch. Stendals Oberbürgermeister Klaus Schmotz (CDU) suchte das Gespräch mit der Geschäftsführung von Alstom in Deutschland, bekam die Zusicherung, dass es in Stendal durch die Produktionsverlagerung nach Salzgitter keinen Stellenabbau geben werde. Selbst Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) sagte Anfang Februar am Rande einer auswärtigen Kabinettssitzung in Tangerhütte, er wolle sich für das Stendaler Alstom-Werk stark machen.

Delle in Salzgitter, Gerüchte in Stendal

Danach kehrte mediale Ruhe ein. Bis nun bekannt wurde, dass im Salzgitteraner Werk von Alstom 400 der rund 2300 Stellen gefährdet sind. Das Werk dort steuere auf ein Auftragsloch zu, war in der Braunschweiger Zeitung zu lesen, an die sich der Betriebsratsvorsitzende von Alstom Salzgitter gewandt hatte.

Das befeuerte natürlich auch das Gerede um die Zukunft des Stendaler Alstom-Werkes. Dort würden inzwischen schon Werkbänke abgebaut, so eines der Gerüchte.

„Absoluter Unsinn“, kommentiert die Stendaler Alstom-Betriebsratsvorsitzende Karin Köppe im Gespräch mit der Redaktion. Das Geschehen in Salzgitter allerdings bestätigte sie. Ihrer Kenntnis nach sollen etwa 170 befristete Arbeitsverhältnisse in Salzgitter auslaufen, also nicht verlängert werden. „Auch die Leiharbeiter in Salzgitter sollen abgemeldet werden“, sagt Köppe, was dann zusammengerechnet jenen rund 400 zu streichenden Stellen entspräche. Als Grund werde eine „Auftragsdelle“ angeführt. Ab 2021/22 seien die Auftragsbücher in Salzgitter wieder voll.

Auf das Stendaler Werk, dass sich anders als Salzgitter auf Hauptuntersuchungen, Instandhaltungen und die Servicestrecke konzentriere, habe das keine Auswirkungen. Auch die Herstellung der Komponenten für die H3-Hybridlok bleibe in Stendal. Die Endmontage dieser modernen Lok werde ab August/September in Salzgitter erfolgen, „so lange es sich wirtschaftlich rechnen lässt“, gibt Karin Köppe eine Äußerung des Arbeitgebers wieder. „Heißt also, wir müssen diese Komponenten möglichst preiswert produzieren.“

Jobgarantie für zwei Jahre nicht genug

Erst am Freitag habe die Betriebsleitung in Stendal während einer Belegschaftsversammlung versichert, dass das Werk für eineinhalb bis zwei Jahre ausgelastet sei und es keine betriebsbedingten Kündigungen geben werde. „Natürlich bieten solche Aussagen den jüngeren Kollegen nicht die Sicherheit und Perspektive, die sie sich für ihr Berufsleben wünschen. Zehn von ihnen haben uns bereits verlassen. Sie sahen für sich im Stendaler Alstom-Werk keine Zukunft mehr “, sagt Karin Köppe.

Ein Grund mehr, warum der Betriebsrat einen Forderungskatalog an die Unternehmensleitung aufmacht, über den Karin Köppe auch während der morgigen DGB-Maikundgebung sprechen wird, die ab 10 Uhr im Stendaler Tiergarten stattfindet. Was die Alstom-Werker in Stendal vom Unternehmen erwarten und verlangen ist nicht weniger als ein klares Bekenntnis zum Standort Stendal und ein intelligentes Zukunftskonzept.