Tangermünde l Vor gut einem Jahr hatte der Stadtrat von Tangermünde beschlossen, dass die Stadt selbst die ehemalige Deponie in der Lüderitzer Straße nutzen wird – als Lagerplatz, Parkplatz, Feuerwehrübungsplatz. Seit Anfang des Jahres wird hier viel bewegt: Bauschutt vom Areal der ehemalige Schokoladenfabrik.Und das stinkt vor allem einigen Anwohnern und auch Tangermündern, die wissen, wie zu DDR-Zeiten in der „Schoko“ gearbeitet wurde. „Das ist alles Sondermüll und gehört deshalb nicht auf einen solchen Platz“, sind sie sich einig.

Das Areal der ehemaligen Schokoladenfabrik wird derzeit im Auftrag der S-Immobiliengesellschaft erschlossen. Hier sollen 24 Eigenheim-Bauplätze entstehen. Die Pläne dazu hatte Jörg Achereiner, Geschäftsführer der Gesellschaft, im Dezember in der Bauausschusssitzung vorgestellt.

„Dem Umweltamt, Bereich Bodenschutz, wurde die geplante Baumaßnahme am 27. März 2018 im Bauamt der Stadt Tangermünde vorgestellt“, teilte jetzt Edgar Kraul vom Büro des Landrates auf Anfrage mit. Weiter berichtete er: „In Vorbereitung der Beratung wurden 16 Haufwerke auf dem Gelände der Schoko durch die IHU untersucht.“ (Gesellschaft für Ingenieur-, Hydro- und Umwelttechnologie.) „Die Untersuchungsergebnisse wurden der unteren Bodenschutzbehörde (UBB) zur Prüfung übergeben. Ziel der Prüfung war, ob das Abrissmaterial geeignet ist zur Herstellung eines Übungsplatzes für die Feuerwehr Tangermünde. Die Untersuchungsergebnisse zeigten, dass mehrere Haufwerke nicht geeignet sind für das Übungsgelände, aber als Unterbau für den Straßenbau.“

Sondermüll wie Dachpappe oder Mineralwolle auf dem Gelände der Schoko seien bereits 2014 durch den Landkreis Stendal entsorgt worden, so Kraul weiter.

Umweltamt nimmt Proben

Er verwies darauf, dass während der Baumaßnahme weitere Untersuchungen durchgeführt würden. Bei gemeinsamen Bauberatungen würden die Untersuchungsergebnisse vorgestellt sowie die möglichen Verwertungswege besprochen. Nach Abschluss der Baumaßnahme würde durch die IHU die Mengenbilanz erstellt. Außerdem liege für die Baumaßnahme Übungsplatz für den Wallbau eine Baugenehmigung vor.

Auch Thomas Stagneth, Sachgebietsleiter für Investitionen und Liegenschaften in der Stadt Tangermünde, versicherte in einem Gespräch, dass das Material, das in den vergangenen Wochen auf der ehemaligen Deponie in der Lüderitzer Straße abgekippt, verteilt und befestigt wurde, „zu einhundert Prozent in Ordnung ist“. Auch er sprach davon, dass das Umweltamt ständig das Material beprobt und jenes, was nicht auf diese Weise habe eingebaut werden dürfen, dementsprechend gekennzeichnet habe.

Anzeige oder nicht?

Die Entsorgung des Bauschutts auf dem Platz in der Lüderitzer Straße und auch als Sondermüll auf einer Deponie erfolge auf Kosten der Kreissparkasse Stendal, versicherte Thomas Stagneth.

Nicht einig sind sich Landkreis und Stadt in einer Angelegenheit. Während die eine Seite davon spricht, dass es bezüglich dieser Baumaßnahme eine Anzeige gegeben habe, erklärt die andere, dass eine solche nicht vorliegen würde.

Ziel ist es, nach Aufschüttung des zwei bis drei Meter hohen Walls rund um den Platz die Flächen in Richtung Straße noch mit Muttererde zu bedecken, damit hier wieder Gras wachsen kann. Die beiden Zufahrten zum Areal sollen mit Toren verschlossen werden.

Feuerwehrübungen sollen hier künftig möglich sein, Gäste zu Burgfest und anderen Großveranstaltungen hier einen Parkplatz finden.

Wer in diesen Tagen zu Fuß den Bereich der Lüderitzer Straße passiert, wird trotz allem feststellen, dass das, was dort abgekippt und verfestigt wurde, eigenartig riecht. So riecht weder frische Erde noch ein zerkleinerter Stein.