Stendal l Zwei Frösche quaken vermutlich missgelaunt, als die Reste ihres Winterquartiers weggeschaufelt werden. Das Außenbecken der Altmark Oase in Stendal wird vom Dreck der vergangenen Monate gesäubert. Das gesamte Schwimmbad gleicht mehr einer Baustelle als einem Spaßbad. Das Sportbecken im Innenbereich hat noch kein Wasser, und mehrere Arbeiter schrubben oder reparieren die Kacheln, damit zur Eröffnung alles im besten Zustand ist. Markus Schreiber erklärt, dass diese nicht am Donnerstag, 28. Mai, stattfindet. Geplant sei Montag, 8. Juni, sagt der Geschäftsführer.

„Wir dachten alle, es geht schnell wieder los“, sagt der 48-Jährige und erinnert sich zurück an den 13. März 2020. An dem Tag hat der Landkreis Stendal coronabedingt unter anderem die Schließung der Schwimmbäder beschlossen. Als sich jedoch abzeichnete, dass die Zwangspause längert dauert, entschloss sich Schreiber dazu, die Wartungsarbeiten des AltOas vorzuziehen.

Grund für Badebegeisterte, sich zu freuen. Die Arbeiten finden sonst immer für drei Wochen nach den Sommerferien statt: Eine Woche, um die Becken zu leeren, eine Woche für die Wartung und die letzte Woche zum erneuten Befüllen. Nach der Corona-Zwangspause muss die Badesaison somit kein zweites Mal unterbrochen werden.

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Vorläufiges Hygienekonzept steht

Die noch nicht abgeschlossenen Wartungsarbeiten sind aber nur ein Grund, warum das Schwimmbad nicht am 28. Mai öffnet. Viele Fragen sind Schreiber zufolge noch ungeklärt: Dürfen Schul- und Vereinsschwimmen wieder stattfinden? Ist Duschen erlaubt? Darf die Sauna genutzt werden? Antworten erhofft sich der Garlipper (Ortsteil Bismarck) am 28. Mai, wenn die sechste Eindämmungsverordnung des Landes treten soll.

Ein Grundgerüst für sein Hygienekonzept hat Schreiber bereits. Bemessen an der Wasserfläche wird die Besucheranzahl begrenzt. Gleichzeitig sollen nicht mehr als 100 Menschen in das AltOa – den Außenbereich mit eingeschlossen. An „guten Tagen“ habe das Schwimmbad üblicherweise rund 500 Besucher. Es werden zudem während der Anfangszeit nur 90-Minuten- und Drei-Stunden-Tickets verkauft. Auf Tageskarten werde coronabedingt vorerst verzichtet. „Wir werden nicht alle Attraktionen offen haben“, sagt der Geschäftsführer außerdem.

Bäder sind ein Verlustgeschäft

Das AltOa hat derzeit 14 Mitarbeiter, wovon drei Auszubildende sind. Im Jahr 2019 hatte die Anlage rund 146.000 Besucher und machte einen Umsatz von mehr als eine Million Euro, wie auch in den Jahren zuvor. Trotzdem sagt Schreiber: „Schwimmbäder sind ein Verlustgeschäft.“ Die Tochtergesellschaft der Hansestadt Stendal überlebt nur dank deren Unterstützung.

Für schwarze Zahlen müsste jedes Ticket fünf Euro mehr kosten, schätzt Schreiber. Zum Vergleich: Ein 90-Minuten-Ticket für Erwachsene kostet 4,20 Euro. Der 48-Jährige schätzt, dass das AltOa diesmal aufgrund fehlenden Umsatzes und weiterer Reparaturen 300.000 Euro von der Stadt braucht.

Die Corona-Pause sorgt neben der finanziellen Folgen noch für ein weiteres Problem: „Es ist vor allem nicht gut für die Anlage.“ Ein Schwimmbad sei eigentlich 24 Stunden an sieben Tagen die Woche im Betrieb. Um Kosten zu sparen, wurden die Maschinen heruntergefahren. Schreiber hofft, dass die Mess- und Regeltechnik ohne Probleme wieder anspringt und die Filter funktionieren.

Bauprojekt im AltOa verschoben

Es gibt noch ein weiteres Projekt des AltOas, das bereits auf Eis gelegt wurde, aber durch wegen der Corona-Pandemie nun wohl mehrere Jahre aufgeschoben wird: Für den Außenbereich des Schwimmbades ist Schreiber zufolge ein Planschbecken geplant. Dafür wurde mit einem Budget von 500.000 Euro geplant. In den Ausschreibungen stiegen die Preise jedoch auf 800.000 Euro an. Damit wurden die Kosten schlicht zu hoch.

„Wir müssen gucken, dass wir in den Normalbetrieb kommen“, sagt Schreiber und steckt sich damit sein Ziel für das restliche Jahr 2020. Die Frösche im mittlerweile sauberen Außenbecken werden den Normalbetrieb nicht erleben. Für den Sommer müssen sie sich eine andere Bleibe suchen.