Stendal l Quasi auf frischer Tat hat die Polizei am 23. Januar dieses Jahres zufällig zwei gerichtsbekannte Stendaler mit 30 Kanistern à 10 Liter Diesel im Auto gestellt. Beide sind junge Väter, der eine ist 30 Jahre alt und arbeitslos, der andere ist 27 Jahre alt. Er steht in Lohn und Brot. Am Montag vergangener Woche sind sie vom Amtsgericht wegen gemeinschaftlich begangenen Diebstahls verurteilt worden: der 30-jährige ledige Vater eines Kindes zu 60 Tagessätzen zu je 15 Euro (900 Euro) und der 27-jährige Vater von drei Kindern zu 120 Tagessätzen zu je 20 Euro (2400 Euro).

Fahren ohne Fahrerlaubnis

Bei dem Jüngeren ging es noch um Fahren ohne Fahrerlaubnis. Für ihn sprach das Gericht noch eine zehnmonatige Sperre bis zur möglichen Wiedererlangung der Fahrerlaubnis aus. Der 27-Jährige war zehn Tage zuvor, am 13. Januar um 1.45 Uhr, in Miltern am Steuer eines Pkw erwischt worden. Fahrerlaubnis hat er seit einiger Zeit keine, dafür hatte er aber einen Cocktail an Drogen im Blut. Dreimal ist er allein im Vorjahr ver- urteilt worden, zweimal wegen Fahrens ohne Fahrerlaubnis und einmal wegen Betruges.

Zum Dieselklau: Am 23. Januar kam des Nachts einem Streifenwagen auf der B 189 in Buchholz ein Pkw entgegen. Eine spontan veranlasste Halterabfrage ergab, dass Halter des Wagens eine Frau ist. Im Auto seien aber nur zwei Männer gewesen, darum habe man die Verfolgung aufgenommen und den Wagen angehalten.

Strenge Ermahnung vom Richter

Bei der Kontrolle fanden die Beamten die 30 Plaste-Kanister voller Diesel, wie einer der Polizisten als Zeuge aussagte. Den Diesel hatten die beiden Männer kurz zuvor von einem Bagger am Kiesloch in Wittenmoor abgezapft. Angeblich zum Eigenverbrauch, wie beide übereinstimmend vor Gericht angaben – obwohl sie selbst kein Auto besitzen. Woher sie vom unverschlossenen Bagger wussten? „Man weiß doch, wo Bagger stehen.“

Während der 27-Jährige seit 2014 eine Art Dauerkunde bei Gericht ist, hat der 30-Jährige fast vier Jahre ohne Straftat überstanden. Einen Führerschein habe er noch nie besessen, gab der gelernte Metallbauer an. Er sei einige Zeit auf Montage im Südwesten Deutschlands gewesen und vor etwa einem Jahr nach Stendal zurückgekommen. Keine gute Idee, wie Richter Rainer Mählenhoff befand. Er müsse dahin gehen, wo Arbeit ist.

Offensichtlich hätten die Vorstrafen bei beiden „keinen Lernerfolg“ bewirkt. Mit jeder Straftat werde es teurer. „Je mehr Eintragungen, desto höher; beim nächsten Mal gibt‘s Gefängnis“, kündigte Mählenhoff im Wiederholungsfall insbesondere für den 27-Jährigen an: „Irgendwann muss doch mal der Groschen fallen“, sagte er in Anwesenheit der Lebensgefährtin des 27-Jährigen mit ihrem sieben Monate alten Säugling im Saal.