Stendal l Um Beleidigung mit übelsten, hier nicht wiederzugebenden Worten sollte es unlängst am Amtsgericht Stendal gehen. Angeklagt war ein 38-jähriger gebürtiger Osterburger, Tatort soll ein Einkaufsmarkt am Rande der Biesestadt gewesen sein. Die laut Anklage beleidigte Frau ist eine Seniorin kurz vor der 70.

Unterschiedliche Versionen

Der Prozess ist nach Anhörung des Angeklagten und der angeblich beleidigten Rentnerin geplatzt. Der Angeklagte und die Belastungszeugin lieferten vor Gericht völlig unterschiedliche Versionen vom Tatverlauf ab. Das Video einer Überwachungskamera im Geschäft, das zumindest Bilder von der Auseinandersetzung gezeigt haben soll, existiert offenbar nicht mehr.

Ein Polizeibeamter, der etwas über den Verbleib dieses Videos als Zeuge aussagen könnte, stand am Prozesstag nicht zur Verfügung. Gericht, Staatsanwaltschaft und Verteidigung und waren sich einig, dass seine Aussage für den Ausgang des Verfahrens entscheidend sein könnte. Deshalb setzte Richter Thomas Schulz den Prozess aus. Es gibt schon einen neuen Termin Anfang September.

Versicherungskamelle kam zur Sprache

Worum geht es. Laut Anklage hat der 38-Jährige die Frau am 30. August vorigen Jahres zur Mittagszeit vor und im besagten Markt angesprochen und mit ehrverletzenden Worten beleidigt. „Ich benutze solche Worte gar nicht“, sagte der Angeklagte. Er kenne die Frau, sie hätte seinem alkoholkranken Vater vor Jahren eine teure Versicherung „aufgeschwatzt“. Auf den Widerruf hin sei der Vertrag wohl storniert worden, sie hätte aber den zuvor erhaltenen Vorschuss von 800 D-Mark behalten.

Am Tattag sei es erst aber um was ganz anderes gegangen. Sie hätte ihm, der mit dem Rad unterwegs war, bei der Einfahrt auf den Parkplatz mit ihrem Auto die Vorfahrt genommen. „Augen auf im Straßenverkehr“, will er zu ihr gesagt haben. Im Markt sei es dann im Bereich der Flaschen-annahme zum Streit gekommen. Dabei sei er von ihr als „Idiot“ bezeichnet worden. Sie infolgedessen mit „Schlampe“ betitelt zu haben, räumte er ein, die schlimmen Worte, mit V und F beginnend, bestritt er.

Beschimpft und gedroht

Ganz anders die Zeugin. Ihren Angaben nach hat der Angeklagte sie noch vor dem Markt abgefangen und gefragt, „ob sie nachts noch ruhig schlafen könne“, weil sie seine Eltern betrogen hätte. Die Zeugin sagte aus, dass sie vor etwa 20 Jahren mit der Familie zu tun hatte, den Angeklagten habe sie letztmals als Kind gesehen. Den Vorwurf das Geld behalten zu haben, bestritt sie.

Sie habe auf keine Diskussion einlassen wollen. Als er sie weiter beschimpft und schließlich auch gedroht habe – „ich kriege dich noch –, hätte sie sich „mit dem Korb gewehrt“; beleidigende Widerworte ihrerseits hätte es nicht gegeben: „Dazu war ich gar nicht in der Lage.“