Landtagswahl 2021

Anisa Fliegner (Die Linke) zog vom Berliner Großstadttrubel in die Altmark

Anisa Fliegner (Die Linke) tritt als Direktkandidatin im Wahlkreis 4 (Stendal-Bismark) an.

Von Ralf Franke
Anisa Fliegner liebt  Geschichte. So gehört neben dem Wickelmann-Museum  das Uenglinger Tor in Stendal zu ihren Lieblingsorten.
Anisa Fliegner liebt Geschichte. So gehört neben dem Wickelmann-Museum das Uenglinger Tor in Stendal zu ihren Lieblingsorten. Foto: M. Blasche

Stendal

Bei ihrer Kandidatenliste für den Landtag von Sachsen-Anhalt setzt die Partei Die Linke auf Vielfalt, auf bewährte und neue Gesichter. Für den Wahlkreis?4 Stendal wird Anisa Fliegner antreten.

Die 45-jährige ist Wahl-Altmärkerin und erst vor rund vier Jahren aus ihrer Geburtsstadt Berlin nach Seehausen gezogen. Als verheiratete Mutter von zwei Kindern (13 und 9 Jahre) stehen sie und ihre Familie für die klassischen Zuzügler, um die sich Kommunalpolitik und Wirtschaft für die dünn besiedelte Region im Norden des Landes so mühen.

Häuschen im Grünen

Die Hansestadt am Aland haben die Hauptstädter quasi mit dem Finger auf der Landkarte für sich entdeckt, als der Entschluss gefasst war, dem Großstadttrubel zu entfliehen.

Ursprünglich wollten sie Freunden folgen, die ihr Glück im Wendland fanden, stießen auf dem virtuellen Weg in Richtung Westen aber auf die Kleinstadt Seehausen, die so ziemlich mittig im Dreieck Berlin – Hamburg – Hannover liegt, verkehrstechnisch nicht zuletzt durch die Bahn gut zu erreichen ist, die Infrastruktur eines Mittelzentrums zu bieten hat, aber trotzdem für Natur und Ruhe steht. Und im Wendland ist man bei Bedarf auch schnell, wobei die studierte Juristin lächelnd wert darauf legt, am Aland sehr nett aufgenommen worden zu sein. Nicht zu vergessen, dass sich die Familie in der Altmark ihren Lebenstraum mit Häuschen im Grünen, Garten und Haustieren erfüllen konnte.

Mit den beiden Staatsexamen, die sie an der Freien Universität in Berlin abgelegt hat, wäre ein Berufsleben als Rechtsanwältin weiter möglich gewesen. Aber Volljuristen werden auch für die öffentliche Verwaltung gesucht, wo die Arbeitszeit deutlich familienfreundlicher ist. Das bestätigte sich, als sie zur Vertretung für ein Jahr im Rathaus in Seehausen angestellt wurde. Mittlerweile leitet sie das Rechtsamt in Salzwedel.

Zur Politik ist sie nicht erst durch die Linken, sondern bereits durch die Piratenpartei in ihrer Heimatstadt gekommen, in deren Reihen sie sich für den Kampf gegen Netzwerksperren sowie für Bürger- und Freiheitsrechte einsetzte. Als die Partei 2011 den Einzug ins Berliner Abgeordnetenhaus schaffte, merkte sie, dass man mit Engagement und Wählerresonanz im Rücken durchaus etwas erreichen kann. Inzwischen ist Die Linke seit 2014 ihre neue politische Heimat. Die Ideale sind zum Großteil dieselben geblieben.

Als Tochter eines Inders und einer Polin steht sie sozusagen für Multikulti im positivsten Sinn des Wortes. Zumal Deutschland ihrer Meinung nach ohnehin nur als Einwanderungsland erfolgreich auf der Weltbühne bestehen kann. Wobei die familiären Bindungen in das europäische Nachbarland deutlich leichter zu pflegen sind als ins weit entfernte Ost-Asien.

Bei den Linken setzt sich Anisa Fliegner besonders für digitale Entwicklung und Infrastruktur ein. Vor allem die Corona-Pandemie habe gezeigt, wie wichtig ein schneller Internetzugang für Bildung, Homeoffice und Co-Working-Space-Projekte ist.

Auf Grundrechte achten

Während sie den Bürgern mehr Teilhabe ermöglichen will, sollen deren Grundrechte auf Datenschutz gestärkt werden. Sie ist deshalb unter anderem gegen Staatstrojaner und Videoüberwachung.

Nicht nur für Stendal fordert sie, dass die Schulen Glasfaseranschlüsse brauchen, die in beide Richtungen leistungsfähig sind. Lernplattformen sollen auf Open-Source-Software basieren, um nicht von einzelnen Unternehmen abhängig zu sein. Außerdem müssten die Pädagogen durch entsprechende Weiterbildung befähigt sein, die neuen Möglichkeiten besser anzuwenden und zu lehren.