Prozessauftakt gegen 26-jährigen Stendaler

Anklage: Frau vergewaltigt und erpresst

Von Donald Lyko 12.06.2015, 03:20

Stendal l Erpresserischer Menschenraub in Tateinheit mit Geiselnahme und Vergewaltigung - das wird einem 26-jährigen Stendaler vorgeworfen. Seit Donnerstag muss er sich dafür vor der 2. Großen Strafkammer des Landgerichtes Stendal verantworten. Zu den Vorwürfen wolle er sich vorerst nicht äußern, ließ der Angeklagte zum Prozessauftakt von seinem Verteidiger ausrichten. Der 26-Jährige befindet sich derzeit im Maßregelvollzug des Fachkrankenhauses Uchtspringe. Den Verhandlungssaal betrat er an Händen und Füßen gefesselt, zur Bewachung waren neben zwei Mitarbeitern der Klinik immer zwei Polizisten im Raum.

Zur Anklage: Am 17. Dezember des vergangenen Jahres soll der 26-Jährige, der zu diesem Zeitpunkt im Obdachlosenheim in Stendal wohnte, in Berlin eine Frau von hinten gepackt, in den Schwitzkasten genommen und zur Herausgabe von Geld aufgefordert haben. Die Frau, die Nebenklägerin im Verfahren ist, händigte dem Angreifer daraufhin etwa 80 Euro aus. Auf Höhe des Sportplatzes an der Lehrter Straße in Berlin habe er der Frau dann einen Tritt versetzt, so dass sie zu Boden fiel, und ihr kurzzeitig die Kehle zugedrückt, heißt es in der Anklage. Dann soll er sein Opfer hochgezogen und aufgefordert haben, die Hose herunterzuziehen. Nachdem sie das getan hatte, zog er selbst den Slip der Frau runter und vergewaltigte sie.

Angeklagter schon mehrfach verurteilt

Anschließend soll er den Hals der Frau "fest umarmt" haben, um sie so zum nahe gelegenen Bahnhof zu führen und am Geldautomaten aufzufordern, mit ihrer EC-Karte 400Euro abzuheben. Unter "Ausnutzung seiner körperlichen Überlegenheit" und der körperlichen Schwäche seiner Geisel habe der Angeklagte auf der Suche nach einer Unterkunft mit ihr zwei Gästehäuser aufgesucht - vergeblich.

In den Morgenstunden fuhr der 26-Jährige mit seinem Opfer im Zug nach Stendal, heißt es weiter in der Anklageschrift. Nach einem Abstecher zum Zimmer des Angeklagten im Obdachlosenheim soll es weiter nach Klötze gegangen sein, wo er aufgewachsen ist und seine Mutter lebt. Nach der Rückkehr gegen 16 Uhr ist der Frau auf dem Stendaler Bahnhof die Flucht gelungen.

Der Angeklagte soll die Taten aufgrund einer psychischen Störung im Zustand verminderter Schuldfähigkeit begangen haben. Der 26-Jährige, der schon früh zum Konsumenten von Alkohol und Drogen wurde, ist mehrfach verurteilt worden - wegen Brandstiftung, wegen Geiselnahme und Vergewaltigung, wegen Beleidigung in Tateinheit mit Körperverletzung. Auch eine Entziehungskur wurde gerichtlich angeordnet. Der Prozess wird am Dienstag fortgesetzt.