Stendal l Zehn Jahre Schule, Realschulabschluss, Berufsausbildung als Verkäuferin. Bis dahin lief alles ganz normal für Julia Busse. Dann wurde die junge Frau schwanger, ging in den Mutterschutz und nach der Geburt ihres Kindes in die dreijährige Elternzeit. Arbeit fand die alleinerziehende Mutter danach nicht wieder. „Es ist nicht so leicht“, kommentiert die 25-Jährige, diesen, seit einem Jahr andauernden Zustand. Noch dazu, wenn man sich neu orientieren möchte. „Ich würde auch noch mal eine Berufsausbildung machen. Mal sehen, ob da was geht“, begründet sie, warum sie gestern unter den Gäste des ersten Stendaler Familienfrühstücks war.

Optimismus für die Zukunft getankt

Den Hinweis darauf hatte sie vom Jobcenter bekommen und war überrascht, wie viele Angebote ihr in diesen zwei Stunden des gestrigen Vormittags in dem zum „Café“ umgestalteten großen Sitzungssaal des Landratsamtes unterbreitet wurden.

Organisiert wurde das Familienfrühstück vom Bündnis für Familie, ein Zusammenschluss von Akteuren aus dem Jobcenter, der Agentur für Arbeit, dem Landkreis und der Stadt Stendal. Sie hatten all die Partner ins Boot geholt, die es brauchte, um schlussendlich rund 20 Beratungsangebote verschiedenster Art im Familienfrühstücks-„Café“ zu positionieren.

Zumeist ging es um Wege, die zurück in den Beruf oder zumindest auf den Arbeitsmarkt führen. So auch am Stand der „Perspektive Wiedereinstieg“. Ein bundesweites Förderprojekt, über das gestern in Stendal Projektkoordinatorin Christin Radde und Sozialpä- dagogin Helga Franke informierten. „Wir helfen Leuten, die nach der Elternzeit oder nach Pflege Angehöriger wieder zurück in den Beruf wollen. Auch über Möglichkeiten der Weiterbildung oder Umschulung“, bringt es Christin Radde auf den Punkt. Genau das, was die 25-jährige Julia Busse sucht.

Termin vereinbart

Zumindest war dieser Beratungsstand ihre erste Anlaufstation. Im Ergebnis des Gesprächs vereinbarte sie mit Helga Franke einen ersten Beratungstermin in der kommenden Woche. In Richtung Mediengestaltung könnte es für die junge Mutter dann gehen. „Ich freu mich darauf“, sagte sie im anschließenden Gespräch mit der Volksstimme. Bei weitem nicht die einzige der schätzungsweise hundert Familienfrühstücks-Besucher, die an diesem Vormittag Optimusmus für ihre Zukunft tankten.

Hauptsächlich, was die beruflichen Perspektiven betrifft, genauso aber auch, wenn es um das Umfeld geht. Kinderbetreuung wird da schnell zum Kernthema, Vereinbarkeit von Familie und Beruf mit Fragezeichen versehen. Das Familienzentrum Färberhof unterbreitete einige Antwortmöglichkeiten. Aber auch die Tipps der Verbraucherzentrale in Sachen Energieeinsparung oder die Schuldnerberatung des Paritätischen waren gefragt. „Überschuldung ist an dieser Stelle oft ein Thema. Wir beraten, leisten quasi Hilfe zur Selbsthilfe. Das kann bis zur Privatinsolvenz gehen, durch die wir die Leute begleiten“, erklärt Undine Marzinek.

Auch Selbstständigkeit ist möglich

Bunt war die Palette, reichte bis zur Möglichkeit, sich mit eigener Firmenidee selbstständig zu machen. Und auch die wurde genutzt. Sabine Falk, zertifizierte Gründungsberaterin im BIC Altmark, hatte bereits nach den ersten 30 Minuten eine „Kundin“, die sich für die nächste Unternehmerqualifizirung im BIC angemeldet hat.

Das Bündnis für Familie war mit dem Familienfrühstück bereits in Osterburg, Havelberg, Seehausen und Tangerhütte zu Gast. Im kommenden Jahr soll die Veranstaltung, die immer im Umfeld des Tages der Familie (15. Mai) stattfindet, nach Tangermünde einladen.