Stendal l Ein Museum, in dem Ausstellungsstücke nicht hinter dem Glas der Vitrinen verschwinden. In dem angefasst, ausprobiert und erforscht werden darf. Auf diesen Prinzipien beruht das Kinder- und Erlebnismuseum in Stendal. Als die Winckelmann-Gesellschaft im Jahr 2000 das Museum von der Stadt übernommen hat, reifte bereits die Idee, Stück für Stück auch Kinder und Familien miteinzubeziehen.

„Wir wollten mit dem Kindermuseum die bisherigen Prinzipien auf den Kopf stellen“, sagt Max Kunze, Präsident der Winckelmann-Gesellschaft, „denn die Kinder sollen anfassen und riechen. Kurz: Mit allen Sinnen wahrnehmen.“ Doch nicht nur darum ging es den Verantwortlichen. „Die jungen Generationen sollen auch mit Johann Joachim Winckelmann vertraut gemacht werden“, berichtet Kunze.

Trojanisches Pferd bildete den Anfang

Mit dem Kauf des Trojanischen Pferds im Jahr 2003 und den dazugehörigen Veranstaltungen wurde die Idee konkreter und schlussendlich in die Tat umgesetzt. „Da die Ausstellungsfläche begrenzt war, haben wir ein anliegendes Haus gekauft“, erinnert sich Kunze. Im März 2006, vor zehn Jahren also, wurde das Kinder- und Erlebnismuseum dann eröffnet.

Allein ein Blick auf die Besucherzahlen belegt, dass die Resonanz bis heute ungebrochen groß ist. „In den zehn Jahren haben insgesamt rund 3500 Veranstaltungen des Kindermuseums stattgefunden, an denen zirka 70 000 Kinder, Jugendliche und auch Erwachsene teilgenommen haben“, berichtet Falko Leonhardt, Verantwortlicher für das Kinder- und Erlebnismuseum. Zwei Drittel der Museumsbesucher seien mittlerweile Kinder.

Eltern sind wichtiger Faktor

Für Leonhardt ist es immer wieder spannend, Kinder durch das Museum zu führen. „In der fünften oder sechsten Klasse fühlen sich manche schon sehr erwachsen“, erzählt er, „und finden die Ausstellung im Haus etwas öde. Aber sobald wir draußen beim Trojanischen Pferd oder im Labyrinth sind, toben sie mit den Anderen rum.“ Bei den Einzelbesuchern hänge viel von den Eltern ab, so Leonhardt. „Manche rauschen regelrecht mit den Kindern durch das Museum, andere wiederum kommen nach dem Mittagessen erneut, weil es die Kinder so spannend finden.“

Im Zuge des geplanten Umbaus soll auch das Kindermuseum in andere Räumlichkeiten verlegt werden. Im Mittelpunkt steht dabei die Barrierefreiheit. „Wir sind bisher ein sehr behindertenunfreundliches Museum“, sagt Max Kunze mit Blick auf die Treppen, die beispielsweise auch zum Kindermuseum führen.

Da Inklusion an den Schulen stetig voranschreite, sei es notwendig, die Probleme zu beheben. „Den Trend, dass deshalb weniger Schulklassen kommen, müssen wir unbedingt stoppen“, merkt Kunze an. Durch den geplanten Ausbau wird das Kinder- und Erlebnismuseum ebenerdig gestaltet. Zudem soll ein Fahrstuhl installiert werden.

Zum Jubiläum steht folgendes Programm an: Samstag, 7. Mai, 15 Uhr:Auf den Spuren Winckelmanns – eine Rätselrallye durch Stendal; Dienstag, 10. Mai, 15 Uhr: Wenn die Erde Feuer spuckt – Wie funktioniert eigentlich ein Vulkan?; Donnerstag, 12. Mai: Ein Leben unter dem Vesuv – Ein Tag bei den alten Römern; Samstag, 14. Mai, 19 Uhr: Museumsnacht für Kinder. Interessierte können sich unter 03931/21 52 26 anmelden.