Stendal l Wem die Vernissage zur Ausstellung von Ute Ebersbach mit 120 Besuchern zu viel Trubel war, um einen Blick auf die Kunstwerke zu erhaschen, kann diesen Blick in Ruhe, ganz für sich nachholen. Obwohl... ein wenig fühlt man sich doch beobachtet, sobald man die Treppe zum Kunstkabinett der Volksbank heraufkommt – und ja, da nimmt einen ganz direkt und großformatig bunt, aber sanftmütig-freundlich Mahatma Gandhi in den Blick. Ein freundlicher Empfang. Gleich neben ihm (sieht man einmal von dem mimisch gewöhnungsbedürftigen Mick-Jagger-Motiv auf dem Ausstellungsplakat ab) schaut einen nicht minder gutmütig-offen Nelson Mandela an. Starke Bilder sind diese beiden, kraftvoll, anziehend – und sie lassen die Erwartung an all die anderen „Gesichter“, die gezeigt werden, anschwellen.

Doch wer sich einmal in diese beiden Großformate verguckt hat, die so mutig abstrakt und farblich gewagt sind, gleichwohl bei aller Verfremdung dem Wesen der Abgebildeten mehr als gerecht werden, bei dem kann alles Weitere kaum dieselbe Begeisterung auslösen.

Entwicklung ist sichtbar

Jedoch markieren die ausgestellten Werke – viele in Öl oder Acryl, auch einige Bleistiftzeichnungen – die künstlerische Entwicklung der Stendalerin Ute Ebersbach. Die Medizinerin besuchte und besucht verschiedene Malkurse, hat vor Kurzem einen persönlichen wie auch künstlerischen Draht zur Tangermünderin Grit Rademacher gefunden: „Ich glaube, dass ich sie mag, weil das, was sie macht, zu dem passt, was ich jetzt probiert habe. Es ist nicht so brav wie zum Beispiel die Familienportraits.“

Bilder

Malen ist für Ute Ebersbach ein kreativer Prozess, der von einer „angenehmen Aufregung“ getragen wird. Vor allem Gesichter haben es ihr angetan, weshalb die Motivauswahl und der Titel der Kunstkabinett-Schau naheliegend waren. Im Übrigen ist es ihre erste alleinige Ausstellung, bislang trat sie immer gemeinsam mit anderen Künstlern in Erscheinung.

Tief beeindruckt

Dass ihre aktuellsten Werke so authentisch zur Betrachterin sprechen, liegt wohl darin begründet, dass sich Ute Ebersbach intensiv mit diesen Personen beschäftigt hat. „Es geht dabei ja nicht nur um die äußere Ähnlichkeit“, sagt sie, wenngleich es ihr Ehrgeiz sei, auch der natürlich möglichst nahezukommen. Vielmehr gehe es ihr aber darum, dass „die Persönlichkeit sichtbar ist, dass etwas von ihr zum Ausdruck kommt“.

Menschen wie Gandhi, Mandela, Reinhold Messner oder auch Ben Becker hätten sie tief beeindruckt. „Ich habe von ihnen oder über sie gelesen und dachte dann: Da sind Geschichten hinter, diese Menschen muss ich malen.“ Und bei Gandhi und Mandela haben deren Lebenswege unweigerlich den Impuls ausgelöst: „Das muss großformatig werden. Und so zu malen, machte einfach Spaß.“

Die Ausstellung „Gesichter“ von Ute Ebersbach ist bis 31. Januar im Kunstkabinett der Stendaler Volksbank zu sehen: Mo 8.30-16 Uhr, Di und Do 8.30-18 Uhr, Mi 8.30-13 Uhr, Fr 8.30-14 Uhr. Der Eintritt ist frei.