Stendal l Das Thema Erster Weltkrieg ist für die Neuntklässer am Gymnasium vom Lehrplan gesetzt. Über welchen Weg sich Lehrer und Schüler dem Stoff nähern, dafür gibt es nicht nur Spielraum, sondern auch einige Vorschläge – zum Beispiel das Interpretieren von Feldpost. Heißt: Lernen mit Originalquellen. Eine große Freundin von Originalquellen aller Art ist Christiane Zehler, Fachlehrerin für Geschichte und evangelische Religion. Mit den 23 Schülern der 9?d des Winckelmann-Gymnasiums ist sie darum diesen Weg gegangen. Da war es von Vorteil, dass Christiane Zehler, wenn sie in Leipzig ist, gern in einen ganz bestimmten kleinen Buchladen geht und dort im Fundus alter Feldpostkarten stöbert. 14 davon stellte sie den Schülern für das Projekt vor.

Stadt unterstützt Projekt

„Irgendwann kam uns dann die Idee, es größer aufzuziehen“, erzählt die Lehrerin. Es wurde abgestimmt: 23 von 23 Schülern waren dafür. Sie ließ sich gern darauf ein, denn „die Klasse ist sehr leistungsstark“. Vor zwei Jahren, damals waren die Schüler Siebtklässler, hatte sie im Geschichtsunterricht mit ihnen einen Flyer zur Reformation in Stendal erarbeitet – und schon damals sehr gut mit der Tourist-Information zusammengearbeitet. Darum waren Nicole Laupsien und Matthias Neumann von Sachgebiet Tourismus und Veranstaltungsmanagement auch gleich von der neuen Idee begeistert und gern bereit, das Vorhaben zu unterstützen: eine Ausstellung. Denn darum ging es bei der Überlegung, es etwas größer aufzuziehen. Die Stadt hilft bei der Umsetzung, unter anderem bei der Fertigung der Roll-ups.

„Mir war wichtig, dass wir nicht nur über die Inhalte sprechen, sondern den gesamten Prozess einer Ausstellung betrachten“, erklärt Christiane Zehler. Es wurden mehrere Teams gebildet, die sich insgesamt sechs Wochen lang im Unterricht und daheim mit dem Konzept und der Ausstellung beschäftigt haben. Die einen haben die Organisation der Ausstellung und der Eröffnungsveranstaltung übernommen, andere das Transkribieren der Texte, die nächsten die Interpretation der Texte und der Motive auf den Feldpostkarten oder Recherchen zum Poststempel.

„Damit kann ich alle Schüler einfangen, kann alle Talente einsetzen“, sagt die Geschichtslehrerin. Ein Vorteil für die umfangreiche Arbeit war die E-Learning-Plattform der Schule. So konnte jeder Beteiligte zu jeder Zeit den Bearbeitungsstand sehen und auf die Daten zugreifen.

Schau im Stadthaus

„An so einer Ausstellung hängt sehr viel Organisation dran“, ist eines, was Tami Poetzsch bisher bei dem Projekt gelernt hat. „Dass wir mit den Original-Postkarten als Quellen arbeiten, macht das Thema Erster Weltkrieg schon sehr anschaulich“, sagt die Neuntklässlerin. Ihre Mitschülerin Alisa Lazor findet das Projekt „inhaltlich eine gute Sache“. Was sie überrascht hat: „Dass die Texte auf den Postkarten so kurz sind.“

Die Ausstellung unter dem Titel „Unbezahlbare Hoffnung auf schlichtem Papier – Feldpostkarten des Ersten Weltkrieges“ wird am Donnerstag, 23. Mai 2019, in der Wandelhalle des Stadthauses eröffnet. Auf Roll-ups werden die einzelnen Feldpostkarten optisch dargestellt, dazu gibt es den übersetzten Text, Informationen zum Absendeort und Empfängerort (auch als Karte dargestellt), eine Beschreibung und die Interpretation des Bildes. Gerade die ist für die Ausstellungsbesucher sehr interessant, denn mit den Feldpostkarten hielten die Soldaten Kontakt zur Heimat, zu ihren Familien, zu Freunden. Sie schrieben ihre Gedanken und Gefühle nieder – manche davon nur zwischen den Zeilen zu lesen.