Stendal l Anke Panknin aus Röxe ist ratlos. Täglich hat sie den alten Tunnel genutzt, um von ihrem Stadtteil auf den Bahnhofsvorplatz zu gelangen. Seit dem Sommer ist das nun nicht mehr möglich. Weil er unter Wasser stand, wurde der alte Tunnel gesperrt. Erst hatte die Bahn dafür Absperrband verwandt, dann ein Absperrgitter.

Eine defekte Pumpe war der Grund für das Wasser im Bahnhofstunnel zwischen Bahnhofsvorplatz und Lüderitzer Straße. Darüber informierte die Deutsche Bahn im Juli auf eine Anfrage der Volksstimme. In den frühen Morgenstunden am 30. Juni sei der Bahn nach starken Regenfällen Wasser im Röxer Tunnel gemeldet worden. Die Pumpenanlage habe zunächst in Gang gebracht werden müssen, gegen 13 Uhr sei das Wasser abgepumpt worden.

Keine Hinweise auf die Sperrung im Bahnhof

Weitere starke Regenfälle in der Region und die offensichtlich weiterhin defekte Pumpe hätten dann dafür gesorgt, dass es im Tunnel immer wieder nass wurde. Die defekte Pumpe sei dann ausgetauscht worden, ihre Funktionstüchtigkeit würde künftig stärker kontrolliert. Doch nichts passierte, der Tunnel blieb gesperrt.

Bilder

„Es ist einfach umständlicher durch den neuen Tunnel“, sagte die Röxerin. Zum einen sei in jener Unterführung durch Fahrgäste wesentlich mehr Betrieb als in dem alten Tunnel, zum anderen führe sie nicht direkt zum Vorplatz, man müsse erst noch um das Hauptgebäude herum.

Wird Tunnel zugeschüttet?

Auch Fahrgastbeirat Stefan Heidelmann aus Bismark bemängelt die zusätzlichen Wege durch den gesperrten Tunnel. „Darüber ärgere ich mich jedesmal, wenn ich in Stendal bin“, sagte er gestern gegenüber der Volksstimme. Das Leitsystem weise nicht auf den gesperrten Tunnel hin und auch am Tunnel selbst gebe es keinen Hinweis auf den Grund der Sperrung. Angesichts der langen Zeit hat Heidelmann eine Vermutung: „Möglicherweise wird der Tunnel gar nicht mehr freigegeben, sondern einfach zugeschüttet“.

Über solche Pläne der Bahn ist zumindest der Stadt nichts bekannt. Dort geht man davon aus, dass der alte Tunnel noch bis zur Fertigstellung des neuen als Unterführung dienen wird. Laut unveränderter Auskunft der Bahn soll mit den Bauarbeiten daran 2019 begonnen werden.

Für beide Unterführungen

Stefan Heidelmann denkt allerdings in die ganz andere Richtung. „Warum sollte man denn nicht eigentlich beide Tunnel behalten“, überlegte er im Volksstimme-Gespräch. Der Komfort sei dabei sicherlich ein Aspekt, die Sicherheit ein weiterer. So könnte der jeweils andere Tunnel als zweiter Fluchtweg dienen.

Außerdem findet der Fahrgastvertreter es auch nicht besonders sicher, wenn Fahrgäste abends in der Dunkelheit an Gleis 1 entlanggehen müssen, wenn dort die schnellen Züge durchrauschen. Eine Sicherheitswand werde dort wohl nicht aufgestellt. Da sei der Weg durch den alten Tunnel zwischen Vorplatz und Lüderitzer Straße einfach sicherer. Natürlich müssten Malerarbeiten ausgeführt werden, aber die könnten doch nicht so teuer sein.

Eine Anfrage der Volksstimme über Hintergründe der Tunnelsperrung und deren mögliches Ende ließ die Bahn zumindest gestern noch unbeantwortet.