Stendal l Mit dem Trecker ist das Trio nicht angereist. Dennoch war der Protest Tausender Bauern in der ganzen Bundesrepublik das Thema eines Dialogforums auf dem Campus in Stendal unter dem Motto „Studis fragen – Landwirte antworten“. Dazu eingeladen hatte der Kreisbauernverband Stendal, dessen Vorsitzender am Ende feststellte, dass die Sorgen der Landwirte die jungen Verbraucher ehrlich bewegten, man bei der Grundeinstellung gar nicht so weit auseinander liege und es an der Zeit sei, solch eine konstruktive Gesprächsrunde zu wiederholen.

Einblick in Lebenswirklichkeit

Denn Fakt sei, so der Juniorchef des Stendaler Familienunternehmens weiter, die Landwirte sollten durchaus mehr Einblicke in ihre „komplexe Lebenswirklichkeit“ geben. Das bekräftigten auch die beiden anderen Podiumsgäste wie Ute Panther und Aaron Schmidtmann. Letzterer leitet die Pflanzenproduktion bei der Milchproduktionsgesellschaft in Lindtorf, die unter anderem 1.200 Kühe im Laufstall und 700 Tiere zur Nachzucht hält. Ute Panther ist Chefin der Agrargenossenschaft Elbeland eG in Scharlibbe. Ein wichtiges Standbein des Unternehmens ist die Ferkelaufzucht.

Unter der Moderation des MDR-Journalisten Andreas Müller wurden in der gut zweistündigen Veranstaltung in der Fet-Bar eine ganze Bandbreite der Sorgen und Wünsche beider Seiten angesprochen. Die Studierenden der Hochschule Magdeburg-Stendal stellten sehr kritische Fragen, ob zum Pflanzenschutz, zur Massentierhaltung, zu geschlossenen Kreisläufen in den Betrieben vor Ort, zu Milchpreisen und Bioproduktion, internationalem Wettbewerb und Verbraucherverhalten.

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Von Auflagen erdrückt

Mehrfach wurde deutlich, wie sehr die Landwirte in einem Hamsterrad stecken, sie von Auflagen und Vorschriften regelrecht erdrückt werden. Die Spitze sei nun mit dem Agrarparket, das die Bundesregierung Anfang September verabschiedet hat, erreicht, mahnten die Podiumsgäste.

Viele landwirtschaftliche Betrieben befürchten, dass damit jegliche Produktion auf dem Acker und im Stall noch mehr erschwert werde und „immer mehr Bauern aufgeben müssen“, so Aaron Schmidtmann. Kleinbetriebe könnten den bürokratischen Aufwand kaum noch leisten.

Schrumpfapfel will keiner

Auch der 30-jährige Obstbauer, der neben dem Getreideanbau noch einen Hofladen betreibt, habe große Sorge mit den neuen Umweltschutzauflagen. Sie würden beim ökologischen Obstanbau oder Ackerbau eher kontraproduktiv sein. Um die gleiche Qualität zu erreichen, müsse anstatt von Glyphosat beispielsweise mehr von anderen biologischen Planzenschutzmitteln eingesetzt werden. „Ich brauche dann nicht fünf oder sechs, sondern 20 bis 30 Durchfahrten mit dem Traktor auf der Plantage, um gegen den größten Feind des Obstes, dem Apfelschorf, wirksam zu Leibe rücken zu können.“ Stallmann machte deutlich, dass es nicht ohne „Spritzen“ geht, weil er sonst kein vermarktbares Produkt erzeugen könne. „Den Schrumpfapfel will keiner.“

Landwirtschaft lebe nun einmal vom Wirtschaften, sagt Aaron Schmidtmann. Und alles was nicht der Norm entspricht, finde keinen Abnehmer. Da seien die Bekenntnisse des Studierenden an diesem Abend, sich beim Lebensmitteleinkauf an heimischen Produkten zu orientieren und auf Bio zu setzen, sehr löblich, „doch nicht die Regel“. Die Nachfrage an Öko hinke dem Angebot hinterher. Das durchschnittliche Verbraucherverhalten sehe anders aus, „billig“ habe den Vorzug.

Nicht alles blind glauben

Was müsste passieren? Ute Panther warf ein Sprichwort ein: „Ist der Bauer ruiniert, wird das Essen exportiert.“ Deshalb brauchen die Landwirte verlässliche und langfristige Rahmenbedingungen, um international wettbewerbsfähig zu sein, um unter Einbeziehung des Naturschutzes für gesunde und bezahlbare Lebensmittel zu sorgen. Dafür gebe es bereits genügend Standards, die wissenschaftlich fundiert und in Betriebskonzepte eingepasst seien. „Glauben Sie nicht alles blind, hinterfragen Sie und sprechen Sie uns an“, empfahl Ute Panther. Es sei „soviel Blödsinn“ im Umlauf“.

Die Bauern selbst könnten ihren Beitrag leisten, indem sie sich „in die Karten gucken lassen, was sie bekanntlich nicht gern tun“, so die Landwirtin, und über Probleme aufklären. Der Anfang dafür ist gemacht.