Stendal l Jetzt geht‘s los! Oder besser: Geht‘s jetzt los? Das fragten sich Gudrun und Klaus Köhn, als sich Mitte Februar in unmittelbarer Nachbarschaft ihres Gartens etwas zu tun begann.

Konkret: Auf der verwilderten Fläche nebenan – einstmals auch ein Kleingarten, der von seinem Pächter wegen des geplanten Bahnhaltepunkts gegenüber der Hochschule geräumt werden musste – begannen Freischneidearbeiten. Männer mit Motorsensen und Kettensägen machten das Gebüsch und Gestrüpp – in des Wortes wahrstem Sinn – kurz. Zudem wurde auf dem Gelände unterhalb der Bahngleise, die parallel zur Mannsstraße verlaufen, ein etwa 40 Zentimeter niedriger Zaun gesetzt. Dieser umfriedet eine rechteckige Fläche am Bahndamm, in unmittelbarer Nähe zum Köhnschen Kleingarten.

Da könnte man schon, wie das Eehpaaar Köhn, auf die Idee kommen, dass der Bau des Bahnhaltepunktes unmittelbar bevorsteht.

Ist aber nicht so. Zwar steht seit gut zwei Jahren fest, dass er gebaut werden soll, der „Bahnhaltepunkt Fachhochschule“, wie das Vorhaben offiziell betitelt ist. Auch ist die Stadt Stendal, sprich die Stadtverwaltung, 2016 informiert worden, dass mit der Realisierung 2017 begonnen werden soll. Aber genau hier liegen die Feinheiten des Amts- oder Behörden- oder eben auch Bahn-Deutschs.

Realisierung ist nicht gleich Bau. Realisierung kann auch Planung heißen. Was es in diesem Fall auch tut.

Reptilien werden geschützt

Die Volksstimme stellte die Frage der Köhns (und noch ein paar weitergehende) der Pressestelle der Deutschen Bahn, die sich bei den in das Projekt eingebundenen Fachbereichen des Unternehmens erkundigte und folgendes erfuhr:

1. Die Rückschnittarbeiten wurden durch die Deutsche Bahn AG in Auftrag gegeben und fristgerecht bis zum 28. Februar erledigt.

2. Der Mini-Zaun (einem Krötenzaun sehr ähnlich) ist tatsächlich ein Reptilienschutzzaun, der auch für die Dauer der Bauzeit stehen bleiben wird.

Der Bau wird nicht 2017 erfolgen. Womit die Frage des Kleingarten besitzenden Ehepaares und unmittelbaren Nachbars des künftigen Haltepunktes Fachhochschule mit einem Nein beantwortet ist. Die für die Regionalbereiche Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen zuständige Pressestelle der Deutschen Bahn formuliert es so: „Das Vorhaben (Haltepunkt Fachhochschule – A. d. Red.) wird für 2018 angemeldet. Im Vorfeld werden Gespräche mit dem Eisenbahn-Bundesamt (EBA) geführt, um termingerecht – bis Jahresende – Planrecht zu erhalten.

Übersetzt: Vor 2018 wird nicht gebaut. Dennoch gibt es Details zum Bau, die bereits feststehen. So soll der neue Haltepunkt mit zwei Bahnsteigen und behindertengerechter Zuwegung über Rampen innerhalb von zehn Monaten gebaut werden.

Stadt baut Parkplatz und Wege

Wie viel sich die Deutsche Bahn den neuen Haltepunkt vis-à-vis der Stendaler Fachhochschule kosten lassen wird, stehe noch nicht fest, weil: „...für das Vorhaben noch keine Genehmigung vorliegt und im Rahmen der Planfeststellung noch Forderungen kommen können.“

Da sind die Auskünfte aus dem Stendaler Rathaus schon etwas präziser. Laut Stadtsprecher Klaus Ortmann sind im städtischen Haushalt für 2017 10.000 Euro für Planungsleistungen eingestellt. Für den Haushaltsplan 2018 hat die Stadt 341.000 Euro in Sachen Bahnhaltepunkt reserviert. Dieses Geld – darunter 286.000 Euro Fördermittel und 55.000 Euro städtische Eigenmittel – ist für den Bau von Gehwegen, barrierefreien Zugängen zu den Bahnsteigen und Parkplätzen vorrangig für Fahrräder, aber auch für Pkw in geringer Zahl reserviert.