Stendal l Es könnte sein, dass in Stendal in absehbarer Zeit nicht nur eine neue Grundschule gebaut wird, sondern dass auch für die Helen-Keller-Schule für geistig behinderte Kinder ein neues Gebäude errichtet wird. Dies sagte Landrat Carsten Wulfänger (CDU) vor einiger Zeit im Kreistag.

Es sei klar, dass in die Helen-Keller-Schule investiert werden müsse, so der Landrat. Die Einrichtung entspreche nicht mehr dem erforderlichen Standards. Die Schule, die sich in Trägerschaft des Landkreises befindet, ist in Stendal-Nord in der ehemaligen Kindertagesstätte „Bummi“ in der Preußenstraße untergebracht.

Steigende Schülerzahlen zwingen zum Handeln

Es gibt steigende Zahlen der zu betreuenden Kinder, sagte Wulfänger. Derzeit sind es 103 (Stichtag: 2.9.) Es muss möglicherweise mit Containern gearbeitet werden, in denen Bewegungsräume und Werkstätten untergebracht werden. Langfristig sei der bisherige Standort nicht der richtige, zumal es dort keine Sporthalle gibt, lediglich einen Bolzplatz.

Was etwas überrascht, ist der neue Standort, den der Landrat für einen Schulneubau vorschlägt. Es handelt sich dabei um ein Areal an der Stadtseeallee, wo einstmals das Haus C des Winckelmann-Gymnasiums gestanden hat.

In der Stendaler Stadtpolitik war vor rund anderthalb Jahren die Idee gereift, die Fläche als Bauland zu veräußern. Bekanntlich wird in Stendal um jeden einzelnen Bauplatz gerungen, die Nachfrage ist weitaus höher als das Angebot. Es war seinerzeit eine fraktionsübergreifende Initiative entstanden, die Oberbürgermeister Klaus Schmotz (CDU) beauftragen sollte, mit dem Landkreis über einen Kauf der Fläche zu verhandeln. Seinerzeit hatte Landrat Wulfänger bereits rigoros abgewinkt und darauf verwiesen, dass der Landkreis das Areal möglicherweise noch für eigene Zwecke benötige. Wofür dies sein sollte, wurde nicht kommuniziert, war möglicherweise auch noch gar nicht konkret festgelegt.

Seit 2010 befindet sich auf dem Gelände, das von einigen Stadtpolitikern als Filetstück bezeichnet wurde, nur noch eine grüne Wiese. 2010 waren die Plattenbauten dort abgerissen worden, nachdem die Schulgebäude vier Jahre lang leer gestanden hatten. Das Winckelmann-Gymnasium war 2006 in die sanierten Gebäude an der Moltkestraße gezogen. Zu DDR-Zeiten waren dort zwei Schulen, die Erweiterte Oberschule (EOS) sowie die Polytechnische Oberschule (POS) „Pablo Neruda“ untergebracht.

Es gibt auch Probleme beim Brandschutz

Ein Neubau für die Helen-Keller-Schule ist nach Angaben des Landrates aus mehrfacher Hinsicht sinnvoll. Zum einen sind die baulichen Voraussetzungen alles andere als gut. Beispielsweise gebe es auch hinsichtlich der Kellerfenster Probleme mit dem Brandschutz. Auch ist das Gebäude nicht barrierefrei. Allein der Zugang zu den Schulgebäuden ist über Treppen geregelt.

„Wir müssen an der Schule was machen“, sagte Wulfänger. Bei den umfangreichen Investitionen, die erforderlich sind, müsse ein Neubau in jedem Fall in Erwägung gezogen werden. „Das muss der Kreistag in den kommenden Monaten diskutieren“, sagte er.

Ohnehin wird 2020 viel in Schulen investiert. Allein das Hildebrand-Gymnasium in Stendal wird in zwei Abschnitten für 5,5 Millionen Euro saniert.