Tangermünde l „Stark fürs Leben“ hieß es am Sonnabend wieder in der Elbestadt. Der Tangermünder Oliver Beck rief diese Benefiz-Aktion der Bankdrücker zugunsten der Krebsgesellschaft Sachsen-Anhalt und des Hospiz Stendal vor Jahren ins Leben. In diesem Jahr gehörte eine weitere, herzergreifende Initiative dazu.

Beck hatte dazu aufgerufen, Lucas Paul aus Stendal zu helfen. Im Dezember 2015 war er schwer erkrankt. Noch heute kennt Mutter Aileen Ryba genau den Tag der Diagnose. Ein Nierentumor war in dem Körper des kleinen Jungen gewachsen. Nach einer Operation im Februar dieses Jahres lebt er mit einer Niere. Im März folgte eine weitere Operation. Metastasen wurden aus der Lunge entfernt. 28 Wochen Chemotherapie folgten und endeten erst in der vergangenen Woche.

Ein Überraschung für alle

Lucas Paul ist von all dem nichts anzumerken. Er tobt durch die Gegend. Ist munter und hat eine blühende Fantasie. Doch aufgrund seiner Erkrankung war er seit einem Jahr nicht mehr im Kindergarten. Urlaub gab es seitdem für die Familie, zu der auch Vater Thomas und Bruder Felix (10) gehören, nicht. Alles drehte sich um den Kleinen und seine Genesung. Lucas möchte sehr bald wieder in den Kindergarten. „Aber vor März wird das wohl nichts“, sieht Aileen Ryba der Zukunft entgegen. Zunächst einmal muss der Kleine gesund werden. Ein Schutz vor Mund und Nase soll ihn davor bewahren, eine Infektion zu bekommen. Deshalb trägt er ihn auch, als er am Sonnabendnachmittag den Saal „Königin Luise“ in Tangermünde betritt.

Felix Niecke, stellvertretender Geschäftsführer des Hotels Schloss Tangermünde, erwartet die Familie bereits. Oliver Beck hat deren Kommen angekündigt. Denn Beck hatte für den Jungen und dessen Familie eine Überraschung organisiert. „Ich kenne Rico Goroncy vom Stendaler Fußballverein. Dort spielt der Bruder von Lucas“, erzählt Beck am Sonnabend. Gern habe er Lucas und dessen Familie helfen wollen und gefragt, womit er ihnen eine Freude machen könne. Goroncy habe daraufhin die Familie gefragt. „Unser aller Wunsch ist ein gemeinsamer Urlaub“, so die Antwort der Rybas.

Oliver Beck, der selbst vor Jahren seiner Mutter aufgrund einer Krebserkrankung verlor, setzte daraufhin alle Hebel in Bewegung. In Felix Niecke fand er den richtigen Ansprechpartner. „Zum fünften Mal statten wir hier die Benefizveranstaltung aus“, berichtet Felix Niecke am Sonnabend, während gerade junge Sportler auf der Bühne des Saals an ihre Grenzen beim Bankdrücken gehen. Deshalb sei es für ihn eine Herzensangelegenheit gewesen, Lucas Familie zu helfen.

Niecke startete eine Rundfrage unter nahe gelegenen Ringhotels. „Es gab viele, die gern geholfen hätten. Aber der Weg sollte für Sie ja nicht so weit sein“, erzählt er. Deshalb sei die Wahl auf das Ringhotel Schorfheide gefallen. Nahe Berlin betreibt hier Bernd Kanzow ein Hotel. „Er lädt Sie alle zu einem viertägigen Aufenthalt ein“, bringt Niecke es auf den Punkt. Dann überreicht er Lucas den Gutschein, Mutter Aileen liest vor: Besuch im Zoo, Aqua Dom, Sealife, Madame Tussot und Dungeon, Stadtrundfahrt durch Berlin, Shuttlefahrten nach Berlin...

Vier Tage Berlin

Der Vierjährige ist begeistert. Seine Fantasie malt bereits Bilder zu diesem Berlinbesuch. Auch Mutter Aileen ist überwältigt von so viel Anteilnahme und der großen Überraschung. Vor allem für Sohn Felix sei es wichtig, wieder die ganze Familie um sich und einen Teil der Aufmerksamkeit seiner Eltern bei sich zu haben. Mit seinen zehn Jahren hat er auch in den vergangenen zwölf Monaten viel ertragen, erleben und verarbeiten müssen. Die Zeit in Berlin wird allen gut tun und helfen, zurück in den Alltag zu finden.