Stendal l Max Klinger, Wolfgang Mattheuer, Werner Tübke, Marc Chagall, Andy Warhol... Das sind Künstler, deren Werke man in Stendal eher nicht zu sehen bekommt. Am 12. August aber ist es soweit: Dann sollen Gemälde, Grafiken, Zeichnungen solch hochkarätiger Künstler im Rathaus versteigert werden. Vor allem Werke der Leipziger Schule, aber auch solche der klassischen Moderne und der Moderne. Und das Ganze anteilig zugunsten des Förderkreises der Musik- und Kunstschule Stendal.

Würdiges Ambiente im Rathaus

Dass nun die große Kunst nach Stendal kommt, ist denn tatsächlich eher Zufall. Mit seinen Benefiz-Auktionen ist Dr. Michael Ulbricht, der selbst aus dem Sächsischen stammt, seit 27 Jahren normalerweise im Leipziger Raum und im Berlin-Brandenburgischen unterwegs. „Ein Gast dort hatte mir diesen Floh mit Stendal ins Ohr gesetzt“, erzählt Ulbricht, der sich die Stadt dann auch prompt mal anschaute. Vor allem von den Rathaus-Festsälen war er angetan – da war es bis zur Idee, hier eine Versteigerung zu machen, nicht weit, denn die sollen stets in einem historischen, würdigen Ambiente stattfinden.

Über einige kleine Windungen fand der „Kunstfreund und Kunstsammler“, wie er sich selbst nennt, schließlich den Kontakt zur Musik- und Kunstschule und stieß auf große Resonanz: „Benjamin Ulrich war sehr engagiert in der Sache, das hat mich überzeugt.“ Für den derzeitigen Leiter der Schule ist die Veranstaltung vor allem eine großartige Gelegenheit, auf sich aufmerksam zu machen: „Auf diese Weise können wir auch mal wieder den Kunstbereich etwas mehr hervorheben, er will sich mit eigener Schülerkunst präsentieren.“ Der Musikbereich wiederum werde für die konzertante Umrahmung sorgen.

Bilder

Nur gucken ist auch erlaubt

Große Kunst wird sicher auch einen großen Preis haben – erwartet der Auktionator denn hier tatsächlich ein Publikum, das sich solche Werke leisten mag und kann? „Es gibt natürlich immer Sammler, die sozusagen mit uns mitreisen. Aber es ist auch für junge Sammler oder Spontansteigerer etwas möglich: Die Spanne liegt zwischen 40 Euro und dem 1000er-Bereich“, erklärt Ulbricht, der selbst als Auktionator auftreten wird und „ein sehr unterhaltsames Event“ verspricht. „Es muss ja nicht jeder mitsteigern, man kann auch einfach nur so dabei sein.“

Und Benjamin Ulrich, wird er mitsteigern? „Also, da sein werde ich auf jeden Fall, aber mitsteigern wohl nicht. Ich bin nicht so der Kunstkenner, aber ich freue mich sehr darauf.“

Ab 11 Uhr Vorbesichtigung

Wer sich übrigens für eines der zur Versteigerung stehenden Bilder interessiert, aber am Nachmmittag selbst nicht dort sein kann, kann sich – wie alle anderen – die Bilder bereits ab 11 Uhr im Rathaus anschauen und sich auf einer Liste vormerken lassen, bis zu welchem Preis man mitsteigern möchte. Insgesamt etwa 50 Werke werden angeboten, allesamt Privatanlieferungen an das Auktionshaus Ulbricht. Gesteigert wird in 10-Euro-Schritten.

15 Prozent des Auktionszuschlages gehen laut Michael Ulbricht stets an den Mitveranstalter, in der Regel sind es Stiftungen, Musikschulen, Kunstvereine, Förderkreise. Was der Verein der Musik- und Kunstschule dann mit dem Geld vorhat, stehe noch nicht fest, sagt Benjamin Ulrich. „Aber es wäre natürlich naheliegend, etwas für den Kunstbereich zu beschaffen.“