Nahrstedt l Henriette, Maria und Richard waren die ersten drei Steppkes, die im Sommer 1998 die neu eröffnete Nahrstedter Kindertagesstätte besuchten. Die Geschichte der Kinderbetreuung im Ort reicht freilich deutlich weiter zurück. Mitte der 30er Jahre des vorigen Jahrhunderts wurde dort ein Erntekindergarten eröffnet. Und auch später wurden in dem Flachbau am Ortseingang Kita-Knirpse umsorgt.

Bis kurz nach der Wende in den 90er Jahren – konkret kann niemand der heutigen Mitarbeiterinnen den Zeitpunkt der Schließung benennen. Die Einrichtung stand lange Zeit leer. Dann geriet sie in den Fokus des Vereines „Sonnenkinder“. Dessen Mitglieder hatten ein alternatives Betreuungsangebot für Kinder im Sinn, suchten nach einem Domizil für eine eigene Tagesstätte. Die Nahrstedter Einrichtung stand nicht nur leer, sondern bot ein ländliches Flair, wie es den Vereinsmitgliedern vorschwebte: den Wald dicht vor der Kita-Tür, Pferde, die am Gelände vorbeipreschen.

Das passte zum Vereinskonzept, das sich an Grundsätzen von Rudolf Steiner (1861-1925), dem Begründer der Waldorf-Pädagogik, orientierte. „Naturverbundenheit war und ist wichtig“, nennt die stellvertretende Kita-Leiterin Sina Pape, die durchaus als Urgestein der Einrichtung bezeichnet werden darf, aber bei der Eröffnung 1998 noch nicht dabei war, einen Aspekt. So nahm die Kita unter dem sperrig klingenden Namen „Freie Kindertagesstätte in Anlehnung an die Waldorf-Pädagogik“ ihren Betrieb auf. Mit Henriette, Maria und Richard.

Die Zahl der kleinen Bewohner wuchs, und im November 2001 gab sich die Kindertagesstätte den Namen „Sonnenschein“. Der Start übrigens war nicht unumstritten. Die Nahrstedter Kita wurde in Nachbargemeinden durchaus misstrauisch beäugt, galt sie ihnen doch mitunter als Konkurrenz für die kommunalen Kindereinrichtungen und damit als Gefahr für deren Betreibung. Inzwischen sind Kita-Plätze bekanntlich begehrt.

Entspannung in der Sauna

Auch in Nahrstedt. Derzeit betreuen dort vier Erzieherinnen 22 Kinder, die unter anderem in Insel, Stendal, Vinzelberg, Uchtspringe, natürlich in Nahrstedt zu Hause sind. „Ich glaube, dass wir eine kleine Einrichtung sind und damit eine familiäre Atmosphäre herrscht, kommt bei den Eltern an“, sagt Kita-Leiterin Silke Müller. Und sie verweist auf einige Besonderheiten. So sind in der kühlen Jahreszeit die Kinder ab dem zweiten Lebensjahr regelmäßig in einer Stendaler Sauna zu Gast und – so Müller – „genießen es“. Tradition hat bei den „Sonnenschein“-Knirpsen auch die „Wildfuchs“-Aktion, bei der sie mit dem Revierförster durch den Wald streifen, Tiere und Pflanzen kennenlernen. Die Fünf- und Sechsjährigen können sich zudem in Englischstunden – natürlich ohne das Pauken von Vokabeln – mit einer Fremdsprache vertraut machen.

Ansonsten, erklären Müller und Pape, arbeiten sie wie ihre Kollegen in kommunalen Kitas nach dem Programm „Bildung elementar“. Und sie erhalten auch Zuschüsse von Land, Kreis und Stadt Stendal. Die Elternbeiträge entsprechen denen der anderen Kindertagesstätten der Hansestadt. Ein Pfund, mit dem die Kita in Nahrstedt wuchert, sind die Eltern. Mit ihrer Hilfe wurde ein alter Lagerschuppen zu einem Kreativraum zum Basteln und Forschen, wurden Außenanlagen gestaltet und in Schuss gehalten. Beim nächsten Einsatz am 22. September soll ein altes Hochbeet entsorgt werden; im Frühjahr gibt es möglicherweise Ersatz.

Geburtstag im Wildpark

Das 20-jährige Bestehen der Kita unter freier Trägerschaft feierten die kleinen Besucher mit und bei einem Ausflug in den Wildpark Weißewarte. Einen offiziellen Festakt gab es nicht. Der Trägerverein geht nämlich mit einer Idee schwanger, der Sanierung der Kita, gar ein Neubau an gleicher Stelle ist denkbar. „Inzwischen ist es bei uns doch recht eng. Zudem möchten wir die Ausstattung modernisieren, dem Standard anpassen“, berichtet Sina Pape. Verhandlungen zwischen Stadt und Verein sind angelaufen.