Bindfelde l Dem Start nach den Sommerferien steht in Bindfelde nichts im Weg. Die Grundschule wie auch die Kindertagesstätte „Auf dem Bauernhof“ im Ortsteil von Stendal können ihren Betrieb fortführen. Die sogenannte Betriebserlaubnisprüfung, die die Kreisverwaltung im Frühjahr eingeleitet hatte, ist abgeschlossen.

Betriebserlaubnis weiter gültig

Das bestätigte die Pressestelle im Landratsamt in Stendal auf Volksstimme-Nachfrage. Zum Ergebnis der Prüfung wurde mitgeteilt, dass die Fachaufsicht derzeit keine Gründe sehe, die einem Weiterbetrieb der freien Montessori-Einrichtung entgegen stehen würden. Im Rahmen der Überprüfung der Sach- und Rechtslage sei jedoch eine Ordnungswidrigkeit festgestellt worden, was zur Folge hatte, dass ein entsprechendes Verfahren eingeleitet und abgeschlossen wurde, heißt es weiter in der Mitteilung.

Als Grund wurde angegeben, dass in der Kindertagesstätte mehr Mädchen und Jungen betreut wurden, als es die Betriebserlaubnis zulässt. Bei einer erneuten Volksstimme-Anfrage wurden dann Details mitgeteilt. So seien acht Kinder mehr als die erlaubten 75 in der Kita betreut worden. Daraufhin habe die Kreisverwaltung gegen den Träger – die Schulz, Völz gGmbH ein Bußgeld von 6.156 Euro verhängt.

Staatsanwaltschaft liegt keine Anzeige vor

Die Leitung der gemeinnützigen Gesellschaft in Bindfelde wollte sich zur Prüfung durch die Kreisbehörde und auch zum Ergebnis nicht äußern. „Das müssen wir auch nicht“, sagt Prokurist Guido Völz auf Nachfrage. Er versicherte, dass sich an der Betriebserlaubnis nichts geändert habe, Kita und Schule „voll sind“ und somit sicherlich „keine Schließung ansteht“.

In dieser Hinsicht gab es erneut Gerüchte, ebenso, dass gegen die Betreiber eine Anzeige wegen Betrugs bei der Staatsanwaltschaft in Stendal vorliegen soll. Dazu sagt Pressesprecher Thomas Kramer: „Das kann ich zum jetzigen Zeitpunkt definitiv verneinen.“

Beschwerden von Eltern und Erzieher

In der Vergangenheit gab es immer wieder Beschwerden von Eltern und auch Erziehern. In erster Linie kritisierten sie den Leitungsstil in der Montessori-Einrichtung. Es war von Einschüchterungen die Rede. Wer sich auflehnte, wurde sogar gekündigt wie in den Fällen – die der Volksstimme vorliegen – einer leitenden Erzieherin und zweier Grundschüler. Letztere Kündigungen wurden nach Protest der Eltern aufgehoben. Mit dem neuen Schuljahr ist das eine Kind ist in eine weiterführende und das andere in eine staatliche Schule gewechselt.

Die Zwistigkeiten räumten die Geschäftsführerin Dorothe Schulz und auch der Prokurist damals ein. Auf die erneuten Gerüchte „werden und wollen wir nicht reagieren“, so Guido Völz am Mittwoch gegenüber der Volksstimme. „Wenn man uns in Ruhe arbeiten lässt, wird Bindfelde eine tolle Einrichtung bleiben“, so sein Kommentar und lenkt im Gespräch mit der Volksstimme auf ein für ihn „viel wichtigeres Problem“.

Zweiklassengesellschaft bei Kita-Betreuung

Das Kinderförderungsgesetz in Sachsen-Anhalt mache es allen privaten wie staatlichen Kitas schwer, die Qualitätstandards bei der Betreuung am Kind zu gewährleisten. Dafür verantwortlich seien die schlechteren Betreuungsschlüssel als anderswo. „Wir haben in Deutschland eine Zweiklassengesellschaft geschaffen, was nicht im Sinne einer ordentlichen Kinderbetreuung sein kann“, sagt Völz.

Das scheint in der Tat so zu sein, beispielsweise liegt in Westdeutschland im Durchschnitt der Schlüssel bei ein Erzieher zu 3,6 Kindern unter drei Jahre, in Sachsen-Anhalt bei 1 zu 6,4. „Daran sollte man endlich etwas ändern“, sagt Völz.