Stendal l Auf der Rechnung steht „Amtsgericht Stendal“. Sie enthält alle Informationen, die das Unternehmen für die Eintragung ins Handelsregister angegeben hat. Rund 840 Euro soll eine Hallenserin an das Gericht in Stendal überweisen, das für alle Einträge dieser Art im Land Sachsen-Anhalt verantwortlich ist. Doch die Rechnung ist gefälscht. Die Unternehmerin informiert das Amtsgericht. Pressesprecher Michael Steenbuck erklärt, woher die Betrüger die Informationen hatten.

„Der Eintrag ins Handelsregister hat eine Publizitätswirkung“, sagt der Richter. Heißt: Die Daten sind öffentlich einsehbar, und zwar auf www.handelsregister.de. Die notariell beurkundete Eintragung werde nach drei Tagen auf der Plattform veröffentlicht. Erst später werde die Rechnung für die Gebühr an das entsprechende Unternehmen geschickt. Diesen Zeitraum und die öffentlich einsehbaren Daten nutzen die Betrüger, so Michael Steenbuck, und schicken „eine Rechnung an die gutgläubigen Antragssteller.“

Betrug: Rechnung wirkt merkwürdig

Die betroffene Hallenserin war nicht ganz so gutgläubig. Ihr kam die Rechnung merkwürdig vor und zeigte sie dem Amtsgericht, das sofort Strafanzeige erstattet hat. „Die Zahlungsaufforderungen sind verhältnismäßig professionell gestaltet und wirken für einen Laien auf den ersten Blick authentisch“, sagt Michael Steenbuck. An mehreren Stellen des Dokuments könne die Fälschung in diesem Beispiel aber erkannt werden.

So ist auf der gefälschten Rechnung der Adler der Bundesrepublik abgebildet. Da das Amtsgericht aber eine Landesbehörde ist, müsste das Landeswappen zu sehen sein. Auch werde bei der Rechnung eine Umsatzsteuer angegeben. Diese müsse auf Gerichtskosten aber nicht gezahlt werden. Doch das wären Aspekte, die Betrüger im Zweifel noch fälschen könnten. Deswegen sollte die Bankverbindung überprüft werden. „Echte Gerichtskostenrechnungen sind daran zu erkennen, dass die Zahlung zugunsten des Amtsgerichts Stendal auf ein Konto der Bundesbank erbeten wird“, erklärt Michael Steenbuck. Die entsprechende BIC lautet: „MARKDEF1810“. Es sollten auch „keine komischen Abkürzungen“ abdruckt sein. In diesem Fall müsste auf dem abgedruckten Überweisungsschein unter der Rechnung als Empfänger „Amtsgericht Stendal“ stehen. Ausgeschrieben.

Hohe Dunkelziffer bei Betrugsfällen

Betrugsfälle dieser Art seien keine Seltenheit. „Ich gehe davon aus, dass es in Deutschland täglich massenhaft passiert“, sagt der Richter. Ihm ist bekannt, dass auch Rechnungen der IHK gefälscht werden. Eine genaue Zahl könne der Pressesprecher nicht beziffern. „Ein Großteil wird ignoriert, weil die Leute es durchschauen.“

Genügend „Futter“ für Betrüger gebe es. Rund 13.000 Eintragungen sind es jährlich im Amtsgericht Stendal. Davon knapp 9000 durch Aktiengesellschaften, GmbHs oder eingetragene Kaufleute – der Rest Vereine. Wer Zweifel bei einer Rechnung hat, könne beim Gericht einfach anrufen.