Stendal l Es wird also vor dem Landgericht Stendal als zweiter Instanz eine Neuauflage des Prozesses geben. Das sagte Gerichtssprecher Michael Steenbuck auf Nachfrage der Volksstimme. Wann, das stehe noch nicht fest. Bislang sei dazu am Landgericht noch nichts eingegangen.

Wie berichtet haben laut Urteil des Amtsgerichts der gebürtige Tangermünder (61) und der mitangeklagte gebürtige Stendaler (49), die beide offiziell in Havelberg gemeldet sind, in elf Fällen gutgläubige Anleger in der Altmark und andernorts um insgesamt 221.500 Euro betrogen. Die vielfach vorbestraften Männer, die beide schon mehrjährige Haftstrafen wegen Betruges verbüßt haben, sollen demnach von 2010 bis 2014 elf Kommanditgesellschaften gegründet haben, die angeblich gewinnträchtige Solaranlagen betreiben sollten. Bei den Anlegern hatten sie Summen zwischen 3000 und 30.000 Euro dafür eingeworben. Laut Amtsgerichtsurteil von Anfang an nur mit dem Ziel, die eingezahlten Gelder zu behalten, ohne dafür eine Gegenleistung zu erbringen.

Den Anlegern wurde versprochen, dass innerhalb von kürzester Zeit von den angelegten 30.000 Euro 190.000 Euro an Steuererstattungen und sonstigen Erlösen zurückfließen würden. Zur Umsetzung dieser Masche hatten sie einen Arbeitslosen als Strohmann und sogenannten Komplementär vorgeschoben. Von dem hat sich nach Auffassung des Amtsgerichts der 49-Jährige Kontovollmacht erteilen lassen und die Konten der Gesellschaften bis auf kleine Restsummen abgeräumt.

Bisher keine Haftbeschwerde

Am letzten Prozesstag wurden die beiden Angeklagten nach der Urteilsverkündung im Saal des Amtsgerichts von der Polizei festgenommen. Nach Ausspruch des Haftbefehls kamen sie ins Gefängnis.

Richterin Petra Ludwig begründete die Inhaftierung mit Fluchtgefahr. Zum einen könnten sie nach Auskunft der Polizei, die ihren Wohn- und Firmensitz tags zuvor aufgesucht hatte, an der von ihnen angegebenen Adresse nicht wohnen, weil es dort weder Strom und Wasser noch eine Heizung geben würde. Die Polizei hatte die angegebene Adresse als Scheinadresse bezeichnet. Dort werde in Kürze renoviert, rechtfertigten sich die Angeklagten.

Zum anderen erwartet die beiden Angeklagten laut Richterin Ludwig am Landgericht in Frankfurt (Oder) ein weiterer Prozess um großangelegte Betrügereien. Gegen ihre Inhaftierung haben beide bislang keine Haftbeschwerde eingelegt, Es gebe daher auch keinen Haftprüfungstermin, sagte Gerichtssprecher Michael Steenbuck.