Stendal l Das Amtsgericht hat in der Vorwoche einen gerichtsbekannten 30-Jährigen aus dem Elb-Havel-Winkel wegen versuchten Raubes zu einer Gefängnisstrafe von neun Monaten verurteilt. In das Urteil bezog das Schöffengericht unter Vorsitz von Richter Thomas Schulz weitere Vorstrafen ein. Die Richter setzten die Haftstrafe, entgegen der Forderung der Staatsanwaltschaft, allerdings für drei Jahre zur Bewährung aus, verhängten aber 150 Arbeitsstunden als Bewährungsauflage. Der Angeklagte, der derzeit in anderer Sache eine Ersatzfreiheitsstrafe von 130 Tagen in der JVA Burg verbüßt, weil er mehrere Geldstrafen nicht bezahlt hat, hatte den Raubversuch zugegeben.

Demnach hat er am 11. April 2017 im Tangermünder Ortsteil Köckte einem damals 17-Jährigen das Smartphone wegnehmen wollen, um es zu Geld zu machen. Er sei damals obdachlos und ohne Einkommen gewesen. Beim Raubversuch soll er dem Jugendlichen laut Anklage gedroht haben, dass es „besser für ihn wäre, wenn er das Handy loslassen“ würde. Der couragierte 17-Jährige ließ aber nicht los, wie er als Zeuge aussagte. Beide zerrten demnach mit beiden Händen am etwa 200 Euro teuren Smartphone. Kurzzeitig ließ das Opfer dann wohl doch eine Hand von seinem Handy und verpasste dem Räuber nach eigenen Angaben eine „Backpfeife“ und schrie laut um Hilfe. Daraufhin ließ der Angeklagte von seinem Vorhaben ab und flüchtete in ein Auto, dessen Beifahrer er war.

Zeuge gibt sich ahnungslos

Er hätte freiwillig losgelassen, weil er Mitleid mit dem Opfer bekommen hätte. Diese Version schien allerdings wenig glaubhaft, denn mit seinen Hilferufen hatte der 17-Jährige einen unweit vom Tatort auf seinem Grundstück tätigen Hausbesitzer auf das Geschehen aufmerksam gemacht. Der gab als Zeuge aber an, dass er vom Tatverlauf nichts mitbekommen hatte, sondern nur eine Person weglaufen und in ein Auto steigen sah. Welche Rolle der Fahrer des Renault bei dem Ganzen spielte, blieb offen.

Nach Aussage des Opfers hielt der Wagen in seiner Höhe an, als er im Ort auf seine Freundin wartete. Der Fahrer habe ihn angesprochen und wiederholt, angeblich nicht verstehend, nach dem Weg zum Kinderheim gefragt, obwohl er doch quasi schon in dessen unmittelbarer Nähe war. Plötzlich sei der Beifahrer aus dem Auto gesprungen und habe unvermittelt nach dem Handy gegriffen, so der 17-Jährige. Der Renault-Fahrer, dem Gericht ebenfalls nicht unbekannt, spielte als Zeuge indes den Ahnungslosen. Er hätte den Angeklagten quasi auf der Straße aufgelesen, als dieser nach Köckte wollte, um dort angeblich Verwandte zu besuchen. Mit dem Raubversuch hätte er überhaupt nichts zu tun gehabt.