Stendal/Wahrburg l Zum Anstoßen haben die 31 Mitglieder der Bürgerinitiative einen ganzen Sack voll guter Gründe. Wer daran zweifelt, gehe einfach mal durch Wahrburg. Ein Wohlfühl-Dorf, in dem sich Belege für das Wirken der Bürgerinitiative quasi an jeder Ecke finden lassen. Aber der Reihe nach.

Die Sache in die Hand nehmen

Die Geschichte der BI begann im Herbst 1989. Aufbruchsstimmung aller Orten, auch in Wahrburg, wo sich eines Abends spontan ein Dutzend Frauen und Männer im Wohnzimmer der Familie von Peter Jeding traf. „Wahrburg war marode, der Zustand des Gehwegsystems katastrophal. Da haben wir gesagt: Lasst uns die Sache selbst in die Hand nehmen“, erinnert sich Peter Jeding an die Geburtsstunde der Wahrburger Bürgerinitiative, deren offizielle Gründung als eingetragener Verein auf den 8. November 1989 datiert.

Das tat die BI dann auch, sei es bei den ersten freien Wahlen 1990, oder in den fünf folgenden Jahren, in denen der Verein bis zur Gründung des ersten Wahrburger Ortsrates als kommunale Vertretung agierte. Auch später stellte die BI die Mehrheit der Ortsräte, und über Jahre den Ortsbürgermeister.

Politik mitgestalten, kulturelle Identität wiederbeleben und weiterentwickeln – das ist noch heute Credo der Bürgerinitiative. Der Lampionumzug am Vorabend des 1. Mai und das Maifeuer gehören zu den von der BI begründeten Traditionen, ebenso das Ernetdankfest, dass seit ein paar Jahren gemeinsam mit dem Wahrburger Kinderfest gefeiert wird. Einer der Vereinsgrundsätze: So viele Leute wie möglich mitnehmen. In Sachen Erntedankfest fanden die sich im Kita- und anderen Wahrburger Vereinen. Acht sind es mittlerweile, vier davon gründeten sich nach der Wende. Sie fanden und finden meist sehr schnell eine gemeinsame Sprache, wenn darum geht, das Dorf schöner, wohnlicher, attraktiver zu machen.

Einwohnerschwund, ein Fremdwort

Wahrburger sei man mit ganzem Herzen, sagt Annedore Migga, wie Peter Jeding BI-Gründungsmitglied und dessen Stellvertreterin an der Spitze des Vereins, dessen Chronik sie zudem führt. Weil das so ist, sich die Wahrburger mit ihrem Dorf identifizieren, sei Einwohnerschwund hier ein Fremdwort, versichern die beiden. Rund 1300 Wahrburger leben heute in dem Dorf im Südwesten von Stendal. Sicher „geht“ auch hier mal einer, zieht der Arbeit hinterher oder verstirbt. Doch leerstehende Häuser sucht man in Wahrburg vergebens. Dies Dorf ist ein lebendiges. Dass es so bleibt, dafür wollen die Mitglieder die Bürgerinitiative Wahrburg auch im 30. Jahr ihres Bestehens sorgen.

In einer Woche wird es – ebenfalls zum 30. Mal – den Lampionumzug geben (samt Maifeuer und einem besonders schönen Feuerwerk, so es die Witterung zulässt). Und auch die nächsten Höhepunkte hat die Bürgerinitiative bereits im Visier, vereinsintern zu Himmelfahrt oder beim Angrillen, bevor es an dann schon wieder gilt, sich in die Vorbereitung des Erntedankfestes einzubringen.

Einfach mal reinschauen

Das einzig „Problematische“ an den 30 Vereinsjahren sei die Tatsache, „dass auch wir nicht jünger werden“, sagt Peter Jeding schmunzelnd. Gut die Hälfte der Frauen und Männer in den Reihen der Bürgerinitiative sind Gründungsmitglieder, was sie in ihrem Elan (noch) nicht bremst, aber sie wären nicht böse darüber, wenn sie mehr jüngere Leute in den Vereinsreihen begrüßen könnten. Wer Lust drauf hat, am lebendigen Wahrburg mitzubauen, sich kulturell, kommunalpolitisch oder in der Nachbarschaftshilfe zu engagieren: An jedem ersten Donnerstag im Monat trifft sich die Bürgerinitiative um 19.30 Uhr im Ortschaftszentrum. Einfach mal reinschauen.